Dorothée
Liebe Frau Henkes Wir hatten gestern ein Gespräch in der Kita und ich habe am Abend zufällig einen Beitrag über PDA-Kinder gesehen. Ich erkenne einige Muster bei meiner Tochter und mache mir nun grosse Sorgen. Wir haben immer Mühe mit Anziehen (sie rennt weg oder fängt an etwas anderes zu tun), Zähneputzen und Frühstücken. Man muss sie immer antreiben. Danach geht es EWIG bis man ihr Jacke und Schuhe anziehen kann. Von alleine macht sie es nicht. All das geht NIE ohne Gezehter/Schreien. Es geht auch nicht, wenn man auf dem Weg zum Schwimmbad oder den Spielplatz ist, wo sie sehr gerne hingeht. In der Kita agiert sie als wäre sie die Assistentin der Kitabetreuerin. Sie weist die anderen Kinder hin, dass sie aufräumen, Jacke anziehen sollen etc. Sie kommandiert beim Spielen die anderen herum (gleichaltrige und uns Eltern). Viel Rollenspiele (Kita, Eltern-Kind, Hund oder Katze). Sie verweigert/ignoriert grundsätzlich Aufforderungen im Allgemeinen (z.b. sich anzuziehen, aufs WC zu gehen, aufzuräumen, ihren Bruder nicht fest am Bein zu ziehen o.ä.) Sie ignoriert es auch nach x-mal bestimmt sagen oder Konsequenzen. Sie möchte bestimmen wer wo am Tisch sitzt und bestimmt teilweise wer was essen darf. Sie teilt nie. Sie malt viel (oftmals dieselben Motive). Ist extrem interessiert am Schreiben. Sie sucht auf Spielplätzen oft nach Spielkameraden. Und kann sich mit wild fremden Leuten länger unterhalten ohne dass wir daneben sitzen (z. B. 40 Minuten Busfahrt). Wir sind permanent am Schimpfen und am Auffordern. Je stärker wir es einfordern (laute Stimme) dann wird es schlimmer. Sie kann plötzlich total ausrasten und mich hauen. Plötzlich ist wieder alles gut. Wenn sie bei den Grosseltern ist, dann gibt es keinerlei dieser Konflikte. Sie war 2 Wochen am Stück bei meinen Eltern, bei der Geburt ihres Bruders. Als sie zurückkam war sie die ersten 3-4 Tage wie immer, stur und unfolgsam. Danach total erschöpft und musste 2x erbrechen. Sie war antriebslos. Ich denke sie war erschöpft vom sich verstellen und zusammenreissen. Ich denke, dass sie sich in der Kita oder bei den Grosseltern zusammenreisst und zu Hause sich entlädt. Ich denke vieles ist altersentsprechend. Aber es ist so ausgeprägt. Wir wissen nicht mehr, wie wir sie zu etwas bringen können, ohne dass wir sie am Ende anschreien oder festhalten müssen und dass sie dabei brüllt. Alle rundherum sagen, was es für ein tolles Mädchen ist, aber ich habe zu Hause jeden Moment Angst vor dem nächsten Ausraster. In welchem Masse ist das noch normal? Am meisten Sorge bereitet mir ihr Verhalten in der Kita, dass sie sich als Betreuerin ausgibt, andere kontrolliert und das beherrschende im Spiel mit Gleichaltrigen. Besten Dank für Ihre Hilfe. Dorothée
Guten Tag, das Verhalten Ihrer Tochter weist darauf hin, dass Sie aktuell ein starkes - durchaus altersgerechtes - Dominanzstreben auslebt. Sie scheint sich in einem Machtkampf mit Ihnen zu befinden. Solche Kämpfe tragen Kinder immer mit den Eltern aus, die darauf angemessen reagieren müssen. Daher zeigt Ihre Tochter dieses Verhalten nicht in der Kita oder bei den Großeltern. Vierjährige können sich über so lange Zeiträume nicht verstellen oder zusammenreißen. Vermutlich hat Ihre Tochter die Entthronung durch das Geschwister noch nicht verarbeiten können und befindet sich in starker Rivalität zu diesem. Viele Kinder reagieren aggressiv auf ein neues Geschwister, weil sie fürchten, es könne sie von der Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern verdrängen. Ihre Tochter versucht unbewusst, sich die Chefposition zu sichern, weil sie glaubt, damit die neue Familienkonstellation kontrollieren zu können. Vierjährige können aber in der Familie nicht die Chefs sein. Das sind die Eltern und das müssen Sie Ihrer Tochter auch deutlich vermitteln. Ihre Tochter darf nicht bestimmen, wer wo sitzt oder isst. Sie können großzügig auf einen Wunsch von ihr eingehen. Das wird ihr helfen. Schimpfen und ständige Ermahnungen helfen bei Vierjährigen nicht. Sie verhärten nur die Situation, wie Sie das aktuell erleben. Ihre Tochter braucht die Sicherheit, dass Sie ihr und ihrem oppositionellem Verhalten gewachsen sind und ihr die benötigten Grenzen ohne eigenen Ärger setzen. Versuchen Sie, ruhig und besonnen auf ihr Verhalten zu reagieren. Machen Sie ihr gelassen klar, dass sie ein kleines Kind ist und Sie die großen Erwachsenen, die zu bestimmen haben. Sie sollten aufhören, Ihre Tochter anzutreiben. Sie muss dann eben in manchen Situationen mit den Folgen ihrer Verweigerung leben. In der Kita ist es die Aufgabe der Erzieher/innen, Ihrer Tochter zu vermitteln, dass ihr die Rolle der Assistentin nicht zusteht. Sie ist ein Kind wie die anderen. Wenn sich aus dem dominierenden Verhalten im Spiel mit anderen Kindern Konflikte ergeben, können Kinder diese in der Regel gut miteinander klären. Ansonsten können Sie mit Ihrer Tochter besprechen, dass andere Kinder die Lust verlieren könnten, mit ihr zu spielen, weil sie immer alles bestimmen will. Gleichzeitig ist es für Ihre Tochter wichtig, dass Sie ihr viel Bestätigung geben. Loben Sie sie für jedes positive Verhalten. Ihre Tochter braucht viele Anlässe, in den sie sich als gut und kompetent erleben kann, zunehmend auch als gute große Schwester. Das alles hilft ihr, ihre Angst vor Liebesverlust zu reduzieren und so die Rivalität zur Schwester zu bewältigen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
Ähnliche Fragen
Guten Tag Herr Dr. Nohr, unsere Tochter ist jetzt 18 Monate alt. Sie war ein Schreibaby (6 Monate lang). Körperliche Ursachen für das Schreiben konnten damals nicht festgestellt werden (Kinderärzte, Osteopathin). Sie hat die Breiphase und Fingerfood komplett verweigert und erst mit einem Jahr langsam angefangen zu essen. Sie ist mit einem Ja ...
Guten Tag, meine Große ist 4,5 Jahre alt und geht seit 18Monaten in den Kindergarten. Eigentlich ist sie gerne dort, aber vorletzte Woche wurde ein Junge ihr gegenüber massiv übergriffig und hat sie zu Dingen gedrängt, die sie nicht machen wollte. Wir sind bereits mit der KiTa im Gespräch, die auch entsprechende Beratungsstellen eingeschaltet ha ...
Guten Tag Herr Dr. Posth, mein Sohn, 22 Monate, ist vom Wesen her ein sehr ruhiges - aber lustiges Kind. Er mag es nicht, wenn ihm andere Kinder zu nahe kommen, ihn umarmen etc.(bereits im PEKIP-Kurs hat er sich am liebsten an den Rand gesetzt und nur beobachtet). Zuhause läuft und tobt er viel rum, auch draußen... Er ist nun seit gut 2 Monaten i ...
Guten Tag Herr Posth Meine Tochter (10 Monate) geht an zwei Tagen in der Woche in die Krippe. Jedes mal wenn ich sie am Abend abhole, sind die Betreuerinnen voll des Lobes für die Kleine. Sie isst super ihren Brei, sie trinkt Wasser aus der Schnabeltasse, sie kann sich sehr gut alleine beschäftigen und weint praktisch nie. Auch das Schlafen klap ...
Sehr geehrter Herr Dr. Posth, unsere Kleine (10 Monate) geht seit 2 Wochen 3,5 Std. pro Tag in die KiTa. Die Eingewöhung wurde so gestaltet, dass ich schon ab dem zweiten Tag die Kita verlassen sollte (also keine Eingewöhnung nach dem Berliner Modell, von dem ich gerade im Netz gelesen habe). Meine Eindrücke sind gemischt. Zwar habe ich sie ab ...
Lieber Herr Dr. Posth, unser Sohn, zweieinhalb, weint seit einer Woche morgens ganz arg, wenn es zur Kita geht. Er wehrt sich regelrecht mit Händen und Füßen, dort hinzugehen. Wenn er da ist, beruhigt er sich nach Aussage der Erzieherinnen relativ schnell, ist zwar tagsüber manchmal etwas knätschig, aber mittags beim Abholen eigentlich immer sehr ...
Lieber Herr Dr. Posth, Unser Sohn ist drei geworden und wir machen eine Kita Eingewöhnung (seit einer Woche). Die Erzieherin will nächste Woche, dass ich einfach für eine Stunde ganz weggehe,obwohl er bis jetzt nur weint und keinerlei Kontakt hat zur Erzieherin. Nach einer dreiviertel Stunde sagt er dass er heim will bzw. er fängt an zu "randalier ...
Ich bin mit meinem Latein am Ende und suche Rat. mein Sohn ist 5 und geht nun einige Jahre in die Kita. Seitdem er 1 1/2 ist. Anfangs war auch alles wunderbar. Er hatte eine absolut tolle Bezugserzieherin und er entwickelte sich prächtig. Leider wurde sie gekündigt und seitdem haben wir jahrelang nur Probleme. Mein Sohnemann sei, laut vie ...
Guten Tag Frau Henkes, unser Sohn ist im Oktober 2 Jahre alt geworden und wurde mit 16 Monaten in der Kinderkrippe eingewöhnt. Die Eingewöhnung übernahm der Papa und war etwas langwieriger. Schließlich baute unser Sohn aber eine vertrauensvolle Beziehung zu seinen Erzieherinnen auf. Wir hatten immer den Eindruck, dass er gerne in den Kindergart ...
Sehr geehrte Frau Henkes, mein Sohn ist 2 Jahre und 4 Monate alt und geht seit 4 Wochen in den Waldkindergarten (2x 4 Stunden und 2x 6 Stunden). Die Eingewöhnung lief gut und ist eigentlich schon abgeschlossen. Er weint mittlerweile morgens nicht mehr beim Abschied und die Rückmeldungen der Erzieherinnen sind durchweg positiv, ab und zu weint e ...
Die letzten 10 Beiträge
- Plötzlich große Verlustangst
- Kita - Weinen wenn anderes Kind früher abgeholt wird
- Trilinguale Kinder ok?
- Stärkung Selbstbewusstsein vor OP
- Zweitmeinung Verdacht Autismus
- Unruhiges Baby und schlaflose Nächte
- Baby weint/schreit, wird laut gemaßregelt
- Geschwisterrivalität
- Trennung
- Besuch bei den Großeltern