Michelleha
Guten Tag Frau Henkes Meine ältere Tochter ist nun 2 1/2 Jahre alt. Sie war schon immer ein sehr forderndes und aktives Baby/Kind. Bei der Geburt ihres Bruders war sie 13 Monate alt. Zu diesem Zeitpunkt fing sie an andere Kinder und vorallem ihren Bruder zu hauen, beissen, schubsen. Diese Phase hat sehr sehr lange gedauert, obwohl wir alles mögliche versucht haben (ca. 1 Jahr). Nun spielt sie sehr gerne mit ihrem Bruder oder auch mit anderen Kindern. Sie haben beide sehr viel Kontakt zu anderen Kindern durchs Umfeld oder den Besuch 1/Woche in der Kita. Es ist aber nach wie vor teilweise sehr anstrengend mit ihr, da sie gegenüber anderen Kindern oft Spielzeug wegg nimmt, sie schubst, auch haut oder selten einmal beisst. Wenn wir Besuch haben sucht sie oft Aufmerksamkeit indem sie laut ist oder sich dem Besuch (auch wenn die Personen ihr fremd sind) sie sich sehr aufdrängt ( will getragen werden, setzt sich zu ihnen auf den Schoss ect.) Es ist nicht immer gleich, mal ist es besser, mal weniger. Mir fällt auf, dass es schlimmer ist, wenn sie das älteste Kind ist. Auch wenn wir bei uns zu Hause sind ist es schlimmer als wenn wir bei jemandem sind. Wenn sie (leider)keinen Mittagsschlaf macht, was in letzter Zeit oft der Fall ist, ist es fast am schlimmsten. Aber nur weil sie müde ist, kann ich es ja nicht tolerieren. Wenn wir draussen sind, ist es meistens kein problem, da verhält sie sich sehr lieb zu den andern. Ich weiss einfach nicht mehr wie ich am besten in solchen Situationen reagieren soll. Ich möchte kein aggressives Verhalten tolerieren. Was kann ich tun, damit das aufhört? Vielen lieben Dank für ihre Bemühungen und Ihre Antwort. Lieber Gruss, Michelle
Guten Tag, Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass Ihre Tochter ein verhaltensauffälliges Kind ist. Sie zeigt ein recht übliches Verhalten angesichts der Geburt eines Geschwisters. Ihre Gefühle konnte Ihre Tochter bei der Geburt des Bruders sprachlich noch nicht äußern. Unbewusst hat sie befürchtet, durch den "Eindringling" Ihre Liebe zu verlieren. Daher resultieren ihre Versuche, den Bruder aggressiv zu vertreiben. Andere Möglichkeiten standen Ihrer Tochter nicht zur Verfügung. Ihre Rivalitätsgefühle hat sie dann auf andere Kinder übertragen und zeigt sie daher vor allem gegenüber jüngeren Kindern und wenn sich das Geschehen in ihrem Zuhause abspielt. Gleichzeitig ist Ihre Tochter in der Trotzphase, in der Kinder ihren Willen kennenlernen und erstmals deutlich erproben. Das geschieht häufig bei Verboten der Eltern, kann sich aber auch als Durchsetzungswillen gegenüber anderen Kindern zeigen. Sie müssen das aggressive Verhalten Ihrer Tochter nicht tolerieren. Aber Sie sollten die Gründe für das Verhalten Ihrer Tochter akzeptieren. Liebesverlustängste machen gerade Kleinkindern sehr zu schaffen und können sie stark belasten. Zeigen Sie Ihrer Tochter, dass Sie Verständnis für ihre dahinterstehenden Befürchtungen haben. Vermitteln Sie ihr immer wieder, dass ihr Ihre Liebe sicher ist. Wenn sie das erlebt, gibt ihr das zunehmend die Sicherheit, die sie braucht, um die Rivalität zum Bruder zu angemessener zu bewältigen. Versuchen Sie, aggressive Durchbrüche bereits im Ansatz zu erkennen und ihnen vorzubeugen, indem Sie sie daran hindern. Zeigen Sie ihr, wie sie mit ihren aggressiven Impulsen anders umgehen kann. Vermitteln Sie ihr deutliche Botschaften: "Ich will nicht, dass du XX beißt!" Das hilft besser als allgemeine Ermahnungen, wie "das darf man nicht" o.ä.. Junge Kinder sind in der Regel bestrebt, es ihren Eltern recht zu machen. Versuchen Sie, Ihre Tochter geduldig und einfühlsam durch diese fordernde Entwicklungsphase zu begleiten. Vieles kann sie noch nicht bewusst steuern oder mental verstehen und bewältigen. Das Bedürfnis Ihrer Tochter nach Aufmerksamkeit können Sie akzeptieren. Versuchen Sie behutsam, es in angemessenere Bahnen zu lenken. Wenn Ihre Tochter zu fremden Menschen nicht die nötige Distanz wahrt, können Sie das mit den Erwachsenen besprechen. Erklären Sie ihnen, dass Sie möchten, dass Ihre Tochter lernt, Menschen erst kennenzulernen, bevor sie in sehr nahen Kontakt zu ihnen tritt. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
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