Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Schwierigkeiten nach Trennung

Frage: Schwierigkeiten nach Trennung

lalalilli

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Liebe Frau Hemkes, Vielen Dank für die Möglichkeit, hier Fragen zu stellen und für die tolle Unterstützung. Mein Sohn ist 5,5 Jahre alt und geht in die Kita seit seinem 18 Lebensmonat. Wenn er unter Fremden ist, ist er in der Regel total entspannt, lacht, spielt, ist hilfsbereit. Die Erzieherinnen sagen zu mir, dass er sehr pflegeleicht ist. Er hat auch viele Freunde, die wir regelmäßig treffen. Zu Hause hat er aber immer wieder Wutausbrüche. Insbesondere wenn ich ihm keine Aufmerksamkeit schenke. Diese Wutausbrüche sind in der Regel gegen mich gerichtet. Mit seinem Papa wohnen wir seit 1 Jahr getrennt, es gab Probleme schon seit seiner Geburt und so richtig als Familie hat der Kleine uns nicht kennengelernt. Meistens habe ich während des Zusammenlebens Sachen mit dem Kind unternommen, Papa hat sich sehr wenig gekümmert. Die Wahrheit ist, dass ich leider viel arbeite und er hat nach der Kita noch eine Babysitterin für 2-3/h viermal die Woche. Er ist manchmal sehr wütend wenn ich nach Hause komme, kooperiert sich nicht, geht nicht Zähne putzen, geht nicht ins Bett, will nicht schlafen. Wenn die Babysitterin alles mit ihm macht, geht dies supereasy-die Dame ist seit 3 Jahren bei mir, also feste Bezugsperson. Beim Papa ist er laut Papas Berichten kooperativ, allerdings ist er nun ein Abend/Woche beim Papa. Aktuell sind wir bei meinen Eltern zu Besuch und dieses Benehmen war extrem häufig, mehrfach am Tag. Er schreit kurz auf, ich will das doch nicht, verlässt das Zimmer, knallt die Tür und schließt sich im nachbarzimmer ab. Als er heute ruhiger war, habe ich ihn gefragt, warum er so reagiert und meinte, dass ich ständig mit den Großeltern spreche und mich nicht mit ihm beschäftige. Mein Bruder war auch mit seinem kleinen Sohn da und ich habe versucht mich mit meiner Schwägerin auf Englisch zu unterhalten und mein Sohn hat mich alle 3 Minuten unterbrochen, trotz mehreren hinweisen meinerseits, dass dies unhöflich sei. Der Alltag ist mal so mal so. Er ist manchmal auch zu Hause mit mir sehr lieb und easygoing.  Aktuell ist aber die Situation extrem und ich mache mir Sorgen. Ich plane immer mindestens 1-2 Stunden am Tag mit Kuscheln und diskutieren und lesen ausschließlich mit ihm-mehr schaffe ich im Alltag nicht. Wenn ich aber unter anderen Erwachsenen bin, möchte ich nicht, dass er ständig unterbricht oder dass er sich im Beisein meinen Eltern so reagiert-sie müssen leider hin und wieder mit der Betreuung aushelfen. Was mir noch aufgefallen ist, ist dass er keine Kritik akzeptiert und immer versucht Tatsachen zu drehen (z.B. ich habe das Glas auf den Boden geworfen, weil du mich abgelenkt hast. Ich hab in dem Spiel verloren, weil du mir falsch geraten hast). Das ist wahrscheinlich ein trigger für mich, da der Vater ständig versucht  hatte, mich zu gaslighten, und ich möchte nicht, dass unser Sohn so wird. Verschiedene Baustellen, ich weiß. Was raten Sie mir? Soll ich zum kinderpsychiater? Oder schaffe ich es alleine? Wer ist der richtige Ansprechpartner?


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, Sie müssen Ihren Sohn nicht beim Kinderpsychiater/in vorstellen. Er zeigt ein sehr verständliches Verhalten auf eine für ihn belastende Veränderung der Familiensituation. Trennungen der Eltern lösen bei Kindern immer Verlustängste aus. Dabei geht es nicht nur um den Elternteil, der nicht mehr zu Hause wohnt. Unbewusst fürchten Kinder, dass ihnen auch der zweite Elternteil verloren gehen könnte, da es ja beim ersten ebenfalls möglich war. Verlustangst löst gerade bei jüngeren Kindern ein starkes Bedürfnis nach Nähe zum verbliebenen Elternteil aus. Körperliche Nähe hilft Kindern, sich wieder sicher und geborgen zu fühlen. Aufgrund Ihrer Arbeitssituation ist es vermutlich schwierig, Ihrem Sohn die benötigte Nähe zu ermöglichen. Frustrierte Bedürfnisse können Kinder wütend machen. Zudem ist Ihr Sohn in einem Alter, in dem Kinder Macht und Dominanz erproben wollen. Ihr Sohn will durchsetzen, dass Sie ihm Aufmerksamkeit schenken. Darauf können Sie erzieherisch eingehen. Allerdings ist zu bedenken, dass Fünfjährige auf Besuch sich oft langweilen, wenn die Erwachsenen sich unterhalten und sie keine Beschäftigung haben. Es wäre also sicher hilfreich, wenn Sie im Vorfeld dafür sorgen könnten, dass Ihr Sohn eine angemessene Beschäftigung hat oder dass sich einer der Erwachsenen um ihn kümmert. Fünfjährigen fällt es noch sehr schwer, Kritik zu akzeptieren. Ihr Selbst ist noch so verletzlich, dass Kritik abgewehrt werden muss, meist indem sie Anderen die Verantwortung zuschieben. Das können Sie akzeptieren. Das Verhalten Ihres Sohnes hat mit dem des Vaters nichts zu tun. Er muss mit Ihrer Hilfe noch mehr Frustrationstoleranz entwickeln lernen, um Frustrationen wie ein umgeworfenes Glas oder ein verlorenes Spiel angemessener zu ertragen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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