Vanda
Sehr geehrte Frau Henke, mein Mann und ich waren die erste Zeit nach der Geburt unserer Tochter (8 M.) beide da und haben sie nur getragen, gekuschelt, nie alleine weinen lassen etc. Dadurch, dass ich im Wochenbett noch Schwierigkeiten hatte, hat mein Mann auch viel Zeit mit ihr verbracht. Ich würde sagen, wir sind mind. gleichwertige Bezugspersonen für sie. Unsere Tochter fing schon früh (mit ca 3 M.) an zu fremdeln, lässt sich aber schnell von uns beruhigen. Das Fremdeln hält bis heute an und wird aber besser, wenn sie "auftaut". Die Kinder meiner Feunde (gleiches Alter) weinen, sobald die Mama den Raum verlässt oder sie suchen ständig die Nähe zu der Mama. Meine Tochter macht das nicht. Sie war letztens bei einem Besuch sehr ins Spielen vertieft und nahm mich nicht mehr zur Kenntnis. Es gab keine absichernden Blicke, ob ich noch da bin und sie kam auch nicht nähesuchend zu mir. Als ich den Raum kurz verließ, schaute sie kurz auf und spielte weiter. Bei meiner Recherche bin ich darauf gestoßen, dass es ein Anzeichen dafür sein kann, dass unsere Tochter unsicher-vermeidend gebunden sein könnte? Zuhause kommt sie im Spiel schon auch zu uns und sucht unsere Nähe, kann sich aber auch gut alleine beschäftigen. Ist das Verhalten in Bezug auf die Bindung zu deuten? Was könnten wir ändern, damit sich unsere Tochter sicher gebunden fühlt? Vielen Dank im Voraus!
Guten Tag, was Sie beschreiben, läßt mich darauf schließen, dass Ihre Tochter altersgerecht sicher gebunden ist. Sie weiß, dass Sie da sind, auch wenn Sie mal kurz rausgehen und nicht in der Nähe sind. Genau darum geht es ja bei der Bindung. Die Kinder verinnerlichen durch viele gute Erfahrungen das Bild der Mutter und des Vaters, die für sie da sind und sie lieben. Wenn das gesichert ist, bleibt das innere Bild auch bei Abwesenheit des Elternteils bestehen. Oft hilft hier auch ein Kuscheltier als sogenanntes Übergangsobjekt eine Brücke zu bauen. Denken Sie an sich und Ihre inneren Bilder von geliebten Menschen. Sie können nicht all Ihre Lieben immer um sich haben, aber Sie wissen, dass sie da sind. Sie haben von Anfang an dafür gesorgt, dass Ihre Tochter sich bei Ihnen sicher und geborgen fühlen kann. Das schafft Bindung. Und die können Sie jetzt schon im Spielverhalten Ihrer Tochter beobachten. Das Fremdeln gehört zur Kinderentwicklung. Meist kommt es mit ca. acht Monaten vor. Es ist ein Hinweis darauf, dass Babies lernen, bekannte Menschen von unbekannten zu unterscheiden. Dies ist eine wichtige Fähigkeit für uns Menschen, um uns zu schützen. Das Kind kann das Fremdeln aufgeben, wenn es gemerkt hat, dass die Menschen seiner Umgebung auch wohlwollend zu ihm sind. Das leben ihm die Eltern ja vor. Alles Gute Ihnen und Ihrer Familie Ingrid Henkes
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