Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Nähe und Distanz lernen bei großem Mitteilungsbedürfnis

Frage: Nähe und Distanz lernen bei großem Mitteilungsbedürfnis

ClauPhil84

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Guten Tag Frau Henkes,  unser Sohn, 6 Jahre alt, ist sehr wissbegierig, interessiert und hat eine hohe Auffassungsgabe. Sein Kopf ist permanent am arbeiten. Das Wissen, das er sich aneignet, teilt er sehr gerne mit allen Menschen, die ihm länger als ein paar Minuten begegnen, egal ob er diese kennt, oder nicht. Wir sagen ihm immer, dass man bei fremden Menschen erstmal zurückhaltender sein soll, denn man weiß ja nicht, ob diese das möchten. Das schafft er aber so gut wie nie, nach der Begrüßung legt er los und redet und redet..., wie als müsse das Wissen wieder aus seinem Kopf raus. Da in der Kita dieses Mitteilungsbedürfnis sowie das Nähe-Distanz-Problem auch aufgefallen sind, kam ein Mitarbeiter des Frühförderzentrums in die Einrichtung, um unsren Sohn dort zu beobachten. Im anschließenden Gespräch mit der Erzieherin bestätigte er deren Beobachtungen, sah jetzt aber erstmal keinen Handlungsbedarf hinsichtlich Ergotherapie oder anderer Förderung. In der Kita wird nun verstärkt mit ihm das Erkennen und Benennen von Gefühlen bei sich und anderen geübt, dass er lernt, andere Menschen besser einzuschätzen und sein Verhalten anzupassen. Da er ein Kann-Kind ist, haben wir entschieden, ihn erst mit 7 einzuschulen. Kognitiv wäre es zwar kein Problem, er hat auch die Schuleingangsuntersuchung ohne Probleme gemeistert, aber nur das genügt ja nicht, um den Schulalltag gut zu meistern. Denken Sie, er kann sich in dem einen Jahr jetzt noch in seinem Tempo entwickeln, dass das Mitteilungsbedürfnis sowie Nähe- und Distanzverhalten ihm bei Schuleintritt nicht im Weg stehen oder sollten wir noch aktiv mit ihm arbeiten. Was könnten wir denn ggf. tun?   Ich danke Ihnen ganz herzlich,  ClauPhil84 


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, Das Mitteilungsbedürfnis Ihres Sohnes ist eigentlich kein Problem. Es ist ganz in Ordnung, dass er zeigen will, was er weiß. Er muss aber lernen, von Ihnen gesetzte Grenzen zu akzeptieren. So muss er auf Sie hören, wenn Sie ihm erklären, dass er sich bei fremden Menschen zurücknehmen soll. Das kann er auch bei Ihnen üben. Auch Sie müssen ihm nicht permanent zur Verfügung stehen, um ihm zuzuhören. Sie können mit ihm daran arbeiten, dass er z.B. kleine Pausen akzeptiert, die Sie benötigen oder haben wollen. Wenn Ihr Sohn diese Grenzen nicht von sich aus akzeptieren kann, weil sein Impuls sich mitzuteilen zu groß ist, müssen Sie diese durchsetzen. Wichtig ist dabei, darauf zu achten, dass Ihr Sohn sich nicht beschämt fühlt. Scham könnte seine Wissbegier und sein Interesse unnötig beeinträchtigen. Ich gehe davon aus, dass Ihr Sohn im kommenden Jahr lernen wird, sein Mitteilungsbedürfnis angemessener zu regulieren. Dazu benötigt er nicht unbedingt mehr Einfühlungsvermögen sondern vor allem das Akzeptieren von Grenzen, die ihn bremsen. Spätestens in der Schule wird das gelingen, denn dort müssen alle Schüler lernen abzuwarten, bis sie an der Reihe sind. Die Nähe-Distanz-Regulierung scheint nach Ihrer Beschreibung vor allem bezüglich des Mitteilungsdrangs ein Problem zu sein. Wenn Sie auch in anderen Zusammenhängen auftaucht, können Sie mit Ihrem Sohn ebenfalls Regeln erarbeiten, die ihm helfen, sein Verhalten anzupassen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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