Liebe Frau Henkes, es ist nicht das erste Mal, dass ich Ihnen schreibe. Das letzte Mal ziemlich genau vor einem Jahr. Da hatten Sie empfohlen, meine Bedenken mit dem Kinderarzt zu besprechen. Ich ließ noch 3 Monate vergehen, in der Hoffnung unsere Situation würde sich bessern, was sie aber nicht tat. Nach einem kurzen Gespräch hatte der Kinderarzt direkt eine Überweisung für Verhaltenstherapie ausgestellt. Diese besucht mein Sohn seit Dezember. Mein Sohn, jetzt 5,5 Jahre, wird begleitet von Tics und Zwängen. Diese Unterscheidung ist mir erst durch seine Therapie aufgefallen.  Es gibt Handlungsabläufe, die er immer wieder abspielt, wie bspw. das er in seine Hände pustet und mit den Händen dann die Stelle berührt, wo er sich gerade gestoßen hat. Mittlerweile macht er das aber auch bei jeder kleinsten Berührung, sogar wenn die Füße den Boden berühren (beim Laufen). Das ist mal mehr Mal weniger ausgeprägt, aber immer da. Dies macht er seit einem Jahr durchgehend.  Mittlerweile wurden wir schon vom Kindergarten oder Verwandten darauf angesprochen. Auch wird er von Kindern gefragt, was er da macht. Ihm ist das sehr unangenehm. Bei der Therapie hat er auch schon von sich aus gesagt, dass er sich diese Gewohnheit gern abgewöhnen möchte. Genauso wie das Flüstern oder ähnliches.  Hin zu kommen mittlerweile typische Tics, je nach "Belastungssituation". Momentan ist es wieder extrem, weil die Sommerferien enden und der Kindergarten wieder beginnt. Aber es kann auch Weihnachten oder Geburtstage sein, die es auslösen.  Jetzt räuspert er sich sekündlich wenn er nicht aktiv etwas macht sowie ab und an Kopfschütteln mit aufgerissenen Augen oder neuerdings auch Nase rümpfen. Die Kombination dieser Verhaltensweisen ist für mich natürlich ein permanentes emotionales Feuerwerk und ich kann immer weniger gut damit umgehen. Ich bin quasi die Überreizung in Person. Mein Mann bringt ihn momentan vermehrt ins Bett, weil es abends im Bett in der Stille am schlimmsten wird, sodass man denkt, das Kind implodiert gleich.  Die Einschulung in einem Jahr macht mir wahnsinnige Angst, weil er dann nicht mehr unter dem Radar fliegt. Mit akustischen Tics kann er den Unterricht stören und die "Kauzigkeit" wird von anderen Kindern immer weniger akzeptiert. Also alles was eine Mutter sich nicht für ihr Kind wünscht.  Ich will ihm helfen, weiß aber nicht wie. Natürlich weiß ich, dass ich seine Verhaltensweisen so wenig wie möglich kommentieren sollte, was mir momentan aber sehr schwer fällt, sodass mir zwischenzeitlich auch ein "Lass das jetzt mal!" oder ähnlich rausrutscht. Letztlich unterliege ich da auch einem Kontrollzwang, dass er damit aufhört, damit er ein "normales" Leben führen kann. Aber muss ich da zwischen Tic und Zwang unterscheiden? Benötigt er für die Zwänge nicht Unterstützung im Alltag? Unser nächster Elterntermin in der Therapie ist noch etwas hin. Auf diese Frage haben wir auch nur eine schwammige Antwort bekommen beim letzten Termin.  Zumal hab ich auch das Gefühl, dass er noch zu jung ist, aktiv gegen die Zwänge anzukämpfen. In der Therapie machen sie allerdings auch viel zum Thema Mut und Selbstwertsteigerung, als das Entwickeln von Alternativhandlungen o.ä. Um den langen Text zusammenzufassen, besteht meine Kernfrage darin, wie wir uns als Eltern am besten verhalten sollen. Ist es wichtig, dass wir uns maximal zurücknehmen, was alle Verhaltensweisen angeht, um ihm damit zu helfen? Müssen wir ihn maximal beschäftigen, da er dann am wenigsten solche Verhaltensweisen zeigt? Ihm Alternativen anbieten? Manchmal hilft es ihm, den Finger zu reichen, damit er ihn drücken kann. Oder vielleicht tägliche Entspannungsübungen? Vielen Dank im Voraus und verzweifelte Grüße