Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

3-Jähriger Verhalten kleines Geschwisterchen

Frage: 3-Jähriger Verhalten kleines Geschwisterchen

Vroni_Bi

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Sehr geehrte Frau Henkes, Unser Sohn (3,5 Jahre alt) ist seit 6 Monaten großer Bruder und es gibt seitdem immer mal wieder gute Phasen, in denen er sehr interessiert, zugewandt und auch liebevoll zu seinem kleinen Bruder ist, aber es gibt leider auch immer wieder richtig schlechte Phasen, in denen er ständig versucht, ihn zu beißen/ hauen/ petzen/ kratzen etc. Ist das normal, dass sein Verhalten so wechselt? Was könnte ein Auslöser für die schlechten Phasen sein? Und wie sollen wir uns als Eltern in dieser Zeit am besten verhalten? Wir versuchen, nicht zu viel zu schimpfen, weil wir gelesen haben, dass diese Reaktion bzw Form von Aufmerksamkeit das Verhalten auch fördern kann, aber auch Erklären und darüber Reden bringt nicht viel. Ignorieren geht nicht, weil wir ja auch den Kleinen in gewisser Weise beschützen müssen und wir wollen ja auch kein generelles „Kontaktverbot“ zum kleinen Bruder, weil es oft ja auch sehr gut klappt und wir uns oft auch freuen, dass er so zugewandt und liebevoll zu ihm ist.  Wir versuchen auch weiterhin, ihm viel alleinige Aufmerksamkeit zu schenken und zu zeigen, dass wir ihn über alles lieben und sich daran nichts geändert hat seit der Geburt des Geschwisterchens. Ich habe das Gefühl, er meint das auch meistens gar nicht böse und diese Impulse zu beißen o.ä. kommen manchmal so schnell "angeschossen", dass er sie gar nicht überdenken oder unterdrücken kann. Im einen Moment kuschelt und küsst er den Bruder und eine Millisekunde später beißt er zu, ohne dass man es absehen konnte. Dadurch ist es für uns Eltern auch so schwierig, schnell genug einzugreifen. Haben Sie einen Tipp für uns, wie wir uns am besten verhalten können?  Vielen Dank und herzliche Grüße 


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, das Verhalten Ihres Sohnes in dieser Situation ist ganz normal. In seiner Vorstellung hat er durch die Geburt des Bruders viel zu verlieren. Er befindet sich noch in starker Rivalität zum kleinen Bruder, der ihn immerhin entthront hat. Er ist nicht mehr Ihr einzig geliebtes Kind und muss unbewusst fürchten, dass Sie den Bruder mehr lieben könnten als ihn. Für Ihren Sohn ist es sehr wichtig, dass Sie ihm so viel Aufmerksamkeit schenken und ihn immer wieder Ihrer unverbrüchlichen Liebe versichern. Er braucht jedoch noch Zeit, um die Rivalität zum neuen Bruder sozial angemessener zu bewältigen. Ihr Sohn möchte Ihnen gefallen und Ihr Wohlwollen bekommen. Daher wendet er sich dem Bruder immer wieder liebevoll zu. Andererseits können - wie Sie es beschreiben - immer wieder aggressive Impulse einschießen, die ihn den Bruder angreifen lassen. Diese Impulse steuert Ihr Sohn nicht. Er ist ihnen noch ausgeliefert. Das aggressive Verhalten entsteht, weil Ihr Sohn den Bruder am liebsten vertreiben möchte, um den ihm vertrauten Urzustand wiederherzustellen. Solange Ihr Sohn die neue Familiensituation psychisch noch nicht akzeptiert hat, sollten Sie ihn nicht mit dem Bruder allein lassen. Versuchen Sie aufzupassen und ein Beißen zu verhindern. Damit schützen Sie Ihren Sohn auch vor sich selbst. Denn wenn er Ihren Ärger auslöst und Sie mit ihm schimpfen, befürchtet er unbewusst noch mehr, dass Sie den Bruder bevorzugen könnten, weil er selbst so schlimm ist. Sie können versuchen, mit Ihrem Sohn über seinen Ärger auf den Bruder zu sprechen und ihm Ihr Verständnis für seine Gefühle zu zeigen. Es kann auch helfen, wenn Sie seine Qualitäten als großer Bruder herausstellen. Er kann und darf schon viel mehr als der Kleine. Das kann Ihren Sohn aufwerten, sodass Auftauchen des Bruders und seine eigene Rolle als Großer sich für ihn als lohnenswert erweist. Lassen Sie Ihrem Sohn die Zeit, die er braucht, um diese erste große Lebensveränderung zu bewältigen und sich an die neue Familiensituation zu gewöhnen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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