Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Verhalten bald 6jähriger

Frage: Verhalten bald 6jähriger

k_ristina

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Guten Morgen Frau Henkes! In letzter Zeit ist es sehr anstrengend mit meinem Sohn (5J 10M) und er hört/folgt überhaupt nicht. Wenn wir von ihm etwas verlangen oder ihm etwas erklären, dann antworter er mit: "Ist mir egal" oder "Mach ich nicht". Wenn er mit anderen Kindern spielt, dann ist er sehr laut, wild, lacht diese aus und befolgt weder unsere Regeln noch die der anderen Kinder, wenn diese etwas nicht möchten. Mit seinem Bruder (3J) kann er lieb und "normal" spielen, aber es kommt jeden Tag vor, dass er ihn anschreit, wenn ihm etwas nicht passt, Sachen aus der Hand wegnimmt, schubst oder irgendwelche Sachen absichtlich macht, welche der Kleine nicht mag (zB. Ketchup auf sein Teller geben). Er sagt auch oft, dass seine Sachen (zB. Zeichnung, Fahrrad, Schuhe,...) besser sind, als die von seinem Bruder oder anderer Kindern. Auch uns Eltern schreit er an, wenn er etwas nicht darf oder nicht bekommt (zB. Süßigkeiten, TV). Gestern hat er mich gefragt, ob er etwas im Fernsehen schauen darf und ich habe gesagt, dass er nach dem Mittagessen schauen darf, also JA. Diese Antwort hat ihm überhaupt nicht gepasst, denn er wollte sofort etwas schauen und nicht erst nach dem Mittagessen, also hat er mich angeschrien und gemeint, dass ich gemein bin und er nie etwas entscheiden darf. Vielleicht steckt Geschwisterrivalität, Aufmerksamkeit oder etwas Anderes dahinter, aber was können wir dagegen tun bzw. wie können wir ihm helfen? Wenn wir mit ihm reden und erklären, dass wir nicht möchten, dass er sich uns gegenüber und Anderen so benimmt und bestimmte Sachen nicht macht, dann hält er sich die Ohren zu oder geht in einen anderen Raum, da er nicht zuhören will. Das Einzige was ich gefühlt den ganzen Tag von ihm höre ist: "Ich will...." Wenn wir nein sagen, dann antworter er wieder mit: "Aber ich will". Wenn wir von ihm etwas verlangen oder er ganz einfache Sachen erledigen soll, welche er schon kann (zB. Schuhe ausziehen), dann meint er: " Ich kann das nicht, dass ist so anstrengend/schwer". Er kann einfach kein NEIN akzeptieren und für jedes NEIN braucht er eine genaue Erklärung und kurze Zeit später fragt er wieder das Gleiche, ob er es darf und fragt dann wieder nach dem Wieso. Ich finde, dass er auch kein Selbstvertrauen hat. Wenn er etwas machen will oder muss, dann sagt er sofort, dass er das nicht kann, obwohl er es noch nicht einmal probiert hat. Jeder Versuch von uns, ihn irgendwie zu überzeugen, es doch zu probieren, scheitert, da er fest von sich überzeugt ist, dass er es nicht kann bzw. er hat in seinem Kopf klare Vorstellungen wie er etwas haben will und weiß aber zugleich, dass er das so nicht schaffen wird, deshalb will er es nicht einmal probieren. Ich versuche ihn zu stärken und sage, dass er stark, mutig, besonders,... ist und alles schaffen kann, wenn er es will. Er antwortet nur mit: Nein, bin ich nicht".  Warum macht er all diese Sachen? Warum schreit er uns an? Warum verhält er sich anderen Kindern gegenüber so und warum denkt er so negativ von sich? Aber das Wichtigste ist, was können wir dagegen tun? Wir haben viele Kinder bei uns in der Nachbarschaft und keines dieser Kinder benimmt sich so zu anderen Kindern/Geschwistern und redet mit seinen Eltern auf diese Art und Weise wie es mein Sohn macht. Wenn wir draußen mit anderen Kindern sind, dann bin nur ich diejenige die ständig mit ihm schimpft, ihm erklären muss wieso er etwas nicht machen soll, dass er nicht schreien und liebevoller reden soll. Jedes Mal muss man mit ihm diskutieren, da er ein einfaches "nein" oder "das darfst du nicht" nicht akzeptiert und andere Kinder befolgen alles. Wenn sein kleiner Bruder etwas Lustiges oder einen Blödsinn macht, dann macht er das natürlich auch, nur viel übertriebener, lacht dabei und findet es lustig, obwohl wir zum Kleinen sagen, dass dieser aufhören muss. Eigentlich weiß er, was er machen kann/darf und was nicht, aber er macht es trotzdem seinem Bruder nach und natürlich werden wir als Eltern dann laut. Wie kann ich ihm und auch mir/uns helfen mit dem Ganzen umzugehen? Was sollen wir noch sagen/machen? Vielen Dank. LG Kristina 


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, sicherlich schätzen Sie es richtig ein, dass das Verhalten Ihres Sohnes auf den von Ihnen genannten Gründen beruht. Ihrem Sohn gelingt es ja, mit seinem Verhalten Ihre Aufmerksamkeit zu erzwingen. Versuchen Sie, ihm diese Aufmerksamkeit für unerwünschtes Verhalten zu entziehen. Sie können über Vieles zunächst hinwegsehen und sich stattdessen auf wenige Punkte konzentrieren, die ihnen wichtig sind. Lassen Sie sich von Ihrem Sohn nicht provozieren. Das verleiht ihm zu viel Macht, die der psychischen Entwicklung eines Sechsjährigen nicht guttut. Sie müssen mit ihm nicht darüber diskutieren, warum Sie etwas verbieten - vor allem nicht, wenn Sie das Verbot bereits begründet haben. Ihnen als Eltern steht es zu, Nein zu sagen und Entscheidungen zu treffen, auch wenn diese Ihrem Sohn nicht gefallen. Hindern Sie Ihren Sohn aktiv daran, etwas zu tun, was Sie nicht wollen. So können Sie ihn durchaus festhalten, falls das erforderlich ist, weil er auf Ihre Ansprache nicht reagiert. Das ständige Schimpfen sollten Sie aufgeben. Sie merken ja, dass es nichts nutzt. Nutzen Sie stattdessen jeden kleinen Anlass, um Ihrem Sohn positive Aufmerksamkeit zu schenken. Sie können es der Kindergruppe überlassen, auf das Verhalten Ihres Sohnes zu reagieren. Wenn er die anderen auslacht, werden sie ihn auf Dauer als Mitspieler nicht akzeptieren. Das können bereits Vorschulkinder in der Regel gut untereinander klären. Selbstvertrauen kann man einem Kind nicht einreden. Es ist eine innere Haltung zu sich selbst. Diese entsteht aus einer positiven Einstellung zu sich selbst. Diese wird durch positive Erfahrungen der eigenen Kompetenz und das Lob der wichtigen Bezugspersonen gefördert. Bieten Sie Ihrem Sohn Anlässe, sich gut und kompetent zu fühlen. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, dass Ihr Sohn mit dem Vater gemeinsam handwerkliche Arbeiten erledigt, bei denen er dem Vater eine große Hilfe ist. Akzeptieren Sie in der jetzigen Situation, dass Ihr Sohn sich vor dem kleinen Bruder aufwerten möchte. Es genügt, wenn Sie eingreifen, wenn er den Bruder schädigen will. Mit seinem Verhalten versucht er, die Rivalität zum Bruder zu bewältigen, da er unbewusst Angst hat, Sie könnten den Bruder mehr lieben. Da Sie ihn aktuell so häufig kritisieren, ist diese Angst aus seiner Sicht durchaus begründet. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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