Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Tochter (8) schläft sehr schlecht

Frage: Tochter (8) schläft sehr schlecht

Ella2020

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Sehr geehrte Frau Henkes,  unsere Tochter (8) hat seit 3-4 Monaten Probleme beim Schlafen. Sie war immer schon eine unruhige Schläferin und nimmt Geräusche sehr schnell wahr. Einschlafen war aber meist kein Problem. Seit einiger Zeit braucht sie auffällig viel Zeit zum Einschlafen (sie redet sich tagsüber auch ein: „wahrscheinlich kann ich heute wieder nicht gut einschlafen“) und innerhalb der ersten zwei Schlafstunden wird sie 2-4 mal wach, dabei weint sie immer auf, wirkt desorientiert und geht zu uns ins Wohnzimmer und auf die Toilette. Am nächsten Tag weiß sie meist nichts davon, wenn man es ihr aber erzählt, meint sie, schlecht geträumt zu haben, kann aber nichts Konkretes dazu sagen. Auch auf die Frage, wie wir ihr als Eltern in dieser Situation helfen könnten, hat sie keine Antwort. Sie teilt sich ein Familienbett mit ihrem kleineren Bruder und einem Elternteil (auf ihren Wunsch hin! – bis vor 3-4 Monaten hat sie in ihrem eigenen Bett geschlafen). Ihr Bruder schläft „wie ein Stein“ und ist absolut kein Störfaktor. Wenn ich abends mit den Kindern schlafen gehe, bleibe ich meist bei ihnen liegen, weil ich ohnehin müde bin. Das gibt ihr angeblich sehr viel Sicherheit und diese hysterischen „Heul-attacken“ fallen nicht so heftig aus bzw. ich kann diese noch direkt im Bett abfangen. Wenn zu Beginn der Nacht allerdings kein Erwachsener im Bett dabei liegt, sucht sie natürlich nach uns und kommt hysterisch weinend ins Wohnzimmer. Auch vor dem Einschlafen versichert sie sich mehrmals, wann wir denn schlafen gehen, ob wir die Wohnung währenddessen eh nicht verlassen, etc. Sie lässt uns sehr wenig Freiraum und auch tagsüber mag sie es nicht, allein zu sein oder allein ihre Runden zu drehen, was uns als Eltern nicht weiter stört, aber gegenüber ihren gleichaltrigen Freundinnen natürlich auffällig ist. Was könnte denn hier los sein? Wie können wir wieder ein normales Schlafen herbeiführen? Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Antwort und freundliche Grüße, Ella


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, Ihre Tochter ist in einem Alter, in dem Kinder häufig unter Albträumen leiden. Im Traum verarbeiten Kinder Erlebnisse und damit verbundene Gefühle des Tages. In der Latenzzeit erwerben Kinder viele Kompetenzen. Sie fühlen sich angesichts der anstehenden Entwicklungsaufgaben jedoch auch noch hilflos und ohnmächtig. Das kann unbewusste Ängste auslösen. Die Nähe zu den Eltern bietet in diesen Situationen Sicherheit. Dazu ist es nicht notwendig, dass Sie mit Ihrer Tochter in einem Bett schlafen. Wenn Ihre Tochter aufwacht und zu Ihnen kommt, ist es wichtig, dass Sie sie trösten und beruhigen. Bringen Sie sie wieder ins Bett. Vielleicht hat Ihre Tochter noch ein Übergangsobjekt aus der frühen Kindheit, das sie mit ins Bett nehmen kann oder Sie nimmt etwas von Ihnen mit, ein Tuch oder T-Shirt, dass nach Ihnen riecht. Besprechen Sie mit Ihrer Tochter, dass schlechte Träume bei Kindern normal sind, dass sie aber auch wieder verschwinden. Es hilft Kindern oft, wenn Eltern von eigenen Albträumen in der Kindheit erzählen und dass diese wieder aufgehört haben. Es kann Kindern helfen, sich einen "Rettungspunkt" auszudenken, den sie in ihre Träume einbauen können und der den Traum beendet. Nach Ihrer Beschreibung scheint es auch möglich, dass das Verhalten Iher Tochter mit einem unbewussten Machtkampf mit Ihnen zusammenhängt. Darauf deutet Ihre Beschreibung des geringen Freiraums der Eltern hin. Verschaffen Sie sich einen erwachsenengerechten Freiraum. Es ist in Ordnung, wenn Ihre Tochter die Sicherheit braucht, dass Sie oder einer von Ihnen zu Hause sind. Sie hat jedoch nichts damit zu tun, wann Sie ins Bett gehen. Unterstützen Sie Ihre Tochter dabei zu lernen, dass sie als Eltern eigene Bereiche haben, an denen sie nicht beteiligt ist. Es ist nicht ungewwöhnlich, dass Achtjährige nicht gerne alleine zu Hause bleiben. Unterstützen Sie Ihre Tochter dabei, noch mehr Selbstvertrauen zu entwickeln, um sich die Bewältigung solcher Situationen zuzutrauen. Bestätigen Sie ihr, dass sie Vieles schon sehr gut kann. Motivieren Sie sie, sich schrittweise kleinen Aufgaben mutig zu stellen und ihre Angst zu überwinden. Ihre Tochter sollte baldmöglichst wieder im eigenen Bett schlafen. Das gelingt allerdings nur sicher, wenn der Bruder auch nicht mehr bei Ihnen im Bett schläft. Sonst könnte Geschwisterrivalität das Schlafen im eigneen Bett verhinern. Sollten dann noch Albträume auftreten, kann Ihre Tochter zu Ihnen ins Bett kommen. Das ist eine andere Situation, als wenn Sie von vorneherein bei ihr liegen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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