Luisi388
Hallo Frau Henkes, ich schreibe wegen meines bald 6jährigen Sohnes. Er hat gerade zum einen Schwierigkeiten im Kindergarten, nachdem die Vorschüler in der Schule sind. Er findet gerade weder Freunde noch Spielpartner. Das frustriert ihn und er geht, verständlicherweise, ungerne in den Kindergarten. Zum anderen haben wir Zuhause große Probleme. Er haut vor allem meinem Mann wegen jeder Kleinigkeit und beschimpft uns beide. Wenn mein Mann ihn festhält (nicht grob, aber bestimmt, weil mein Sohn sich schwer beruhigen lässt und wirklich aggressiv ist), dann heißt es immer: du tust mir weh, das darfst du nicht, Eltern dürfen Kinder nicht schlagen. Die Konsequenz für das hauen ist, dass er dann für 10 Minuten Zeit auf seinem Zimmer hat (er darf wählen, ob alleine oder mit einem von uns zusammen). Einfach weil wir gemerkt haben, dass es ihm hilft. Er findet das aber ganz schlimm, er möchte bei uns bleiben, aber dann kann er sich einfach nicht beruhigen. Jedes Mal, wenn wir ihn berühren, wenn er es nicht möchte (zum Beispiel wenn wir ihn zur Seite schieben) brüllt er, dass wir ihm weh tun, inklusive Tränen. Er achtet seit Wochen schon auf keine Grenze, kein Stop. Wir sagen es ihm ruhig und bestimmt, es kommt nicht an. Auch wenn ihn dabei an der Schulter berühren und ins Gesicht blicken, er kriegt es gefühlt nicht mit. Erst wenn wir lauter werden kommt es an. Das ist so unheimlich frustrierend, weil unser Sohn dann sagt: Ihr schimpft immer nur mit mir, nur seid ihr am meckern, ihr liebt mich gar nicht. Ich habe den Fehler gemacht, dass ich am Anfang groß darauf reagiert habe und anscheinend ihn damit ermuntert habe, diese Vorwürfe immer wieder zu wiederholen. Wenn ein Fremder unserem Kind zuhören würde, würde dieser denken, er wächst in einem lieblosen Haushalt auf mit physischer Gewalt. Das Gegenteil ist der Fall: wir lieben unser Kind unendlich sehr, verbringen sehr viel Zeit mit ihm, er ist auch nur bis 12 Uhr im Kindergarten. Wir machen viel zusammen: Ausflüge, im Haushalt, spielen, backen, basteln, liebevolle Einschlafbegleitung zum Teil über Stunden, kuscheln lässt er nur manchmal beim vorlesen zu. Wir lassen ihn Fehler machen, kritisieren nicht ständig, lassen ihn ausprobieren. Andererseits ist er schon immer sehr empathisch, außergewöhnlich intelligent (auch laut Erzieher und Kinderarzt), motorisch extrem weit, sehr unruhig, kann sich manchmal kaum konzentrieren, dann wieder wenn es ihn interessiert kann er sich stundenlang konzentrieren. Andere Eltern empfinden ihn als sehr brav und lieb und in anderen Haushalten benimmt er sich auch ganz anders. Ich kenne den Begriff des „sicheren Hafens“, aber das ist einfach extrem und mich bringt das zum verzweifeln. Auch gerade weil er solche Vorwürfe erhebt. Ich habe Angst, dass er das in seinem Kopf tatsächlich so abspeichert und dies seine Kindheitserinnerungen sind und nicht wie es tatsächlich ist. Ich habe auch Sorgen, dass er es wirklich so empfindet (wenn ich ihn in einer ruhigen Minute frage, ob das so ist, dann sagt er: ich weiß es nicht). Bei einer Erziehungsberatungsstelle war ich schon, aber da gab es kaum neuen Input, als was wir eh in Themen Konsequenz und über Gefühle reden eh schon machen. Weil dies auch in der Erziehungsberatungsstelle gefragt wurde: er war ein sehr anspruchsvolles Baby, sehr viel am weinen, ständig überreizt (auch noch lange mit über 3 Jahren). Eher unzufrieden und immer nur kurz zufrieden. Wir wissen gar nicht mehr, was wir noch tun sollen. Viele Grüße