Raupenmama
Guten Tag Frau Henkes, Ich würde Sie heute gerne um Ihre Einschätzung bitten, ab wann eine Eingewöhnung abgebrochen werden sollte. Ich arbeite in einer Krippe und es geht um ein Kind 1,5 Jahre alt. Die Eingewöhnung geht seit 5 Wochen. Die Mutter hat großen Druck, finanzielle Schwierigkeiten und hat ihren Arbeitsbeginn bereits nach hinten verlegt, beginnt aber nächste Woche wieder zu arbeiten. Das Kind weint durchgehend. Sie verweigert Körperkontakt, wodurch sie auch nicht getröstet werden kann. Von der Mutter und dem Träger kommt kein Verständnis. Es soll von 8 bis 14 Uhr in der Einrichtung bleiben. Aktuell brechen wir nach 2 Stunden ab, die eh schon viel zu lange sind. Das Kind zeigt massiven Stress, weint, isst nicht. An Schlafen ist nicht zu denken. Was uns allerdings verwirrt, ist, dass es sehr gerne in die Kita kommt, nachts nicht unruhiger schläft und wohl auch zuhause keinerlei Veränderungen erkennbar sind. Im Krippenalltag beruhigt es sich öfter selbst, spielt und tanzt dann für ca. 10 Minuten, beginnt dann aber wieder zu weinen und möchte den Raum verlassen, schreit teilweise panisch die Türe an. Das Kind lässt sich problemlos wickeln und legt sich bereitwillig hin dafür, was ja schon eher dafür spricht, dass es sich nicht sooo unwohl fühlt. Ich persönlich würde die Eingewöhnung dennoch abbrechen, stoße dabei aber auf taube Ohren. Wie sehen Sie das? Bzw welche Auswirkungen hat es für das Kind lange Zeit zu weinen und so unter Stress zu stehen? Vielen Dank
Guten Tag, massiver Stress, wie Sie ihn beschreiben, ist für die psychische Entwicklung von Kleinkindern sehr ungünstig. Er kann starke Verlassenheitsgefühle auslösen. Es kann vorkommen, dass Kinder dann irgendwann einfach aufgeben. Das wirkt sich auf die Bindungsfähigkeit und das Urvertrauen negativ aus. Kann sich das Kind denn morgens von der Mutter trennen? Wie erleben Sie die Interaktion der beiden? Wenn die Eingewöhnung nicht abgebrochen werden sollte, was bei finanziellem Druck zu vermuten ist, können Sie versuchen, das Kind ohne Körperkontakt zu trösten. Sanfte Worte oder Töne können helfen, zunächst mal den Kontakt herzustellen. Vielleicht kann die Mutter etwas von sich, das dem Kind ihren vertrauten Geruch vermittelt, (z.B. ein Halstuch) beim Kind lassen, um ihm so die Trennung zu erleichtern. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
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