Sehr geehrte Frau Henkes, unsere Tochter wurde im Mai 6 Jahre alt und wurde jetzt im September eingeschult. Bereits jetzt zeigt sie große Unlust an Hausaufgaben und deren Erledigung und lamentiert stundenlang darüber. Erst letzte Woche saß sie geschlagene drei Stunden an den Aufgaben und hatte wirklich nicht viel zu tun, sie lässt sich aber auch von allem ablenken. Allem voran natürlich von ihrer kleinen Schwester mit 2 Jahren. Aber auch der Kran vor unserem Haus, das Postauto, das Glas Wasser and dem Tisch, alles ist für sie eine Ablenkung und eben Vieles, auf das ich keinen Einfluss nehmen kann. Ich müsste kistenweise Zeug wegpacken was meiner Meinung nach nicht zielführend noch machbar ist. Ich bin eigentlich nur noch damit beschäftigt ihr Dinge aus der Hand zu nehmen, mit denen sie sich gerade ablenkt, egal ob das ein Spielzeug, ein Buch oder was zu Essen ist. Unser Bereich, in dem wir die Hausaufgaben erledigen ist Wohn-, Esszimmer und Küche, alles in einem großen Raum ohne Türen, ich kann nicht die Gegenstände unseres täglichen Lebens oder die Spielsachen unserer Zweijährigen permanent wegräumen. Unser Esstisch ist leer, bis auf Getränke und ihre Schulsachen. Es läuft kein Radio/TV, mein Handy ist lautlos, also alle Geräuschquellen, auf die ich Einfluss nehmen kann, sind aus. Meistens hole ich sie zu Fuß ab, sie hat also einen kurzen Fußmarsch von ca. 10 Minuten. Dann essen wir zu Mittag und danach geht's an die Hausaufgaben. Mehr "Pause" zwischen Schule und Hausaufgaben möchte ihr ihr ungern einräumen, da ich mir sicher bin, dass sie dann von dem angenehmen Teil nicht in den Pflichtteil mit Hausaufgaben machen und Schulranzen richten wechseln kann. Das haben wir schon in der Kitazeit beobachtet, als sie noch vor dem Frühstück an ihren Basteltisch gegangen ist und wir es dann selten vor 9.30 Uhr in die Kita geschafft haben. Ich kann leider auch keine anderen Gegebenheiten schaffen, räumlich ist es nicht möglich in einen anderen Raum auszuweichen, selbst wenn würde sie da auch genug Ablenkung finden. Und ihre Schwester beschäftigt sich größtenteils zwar alleine und ich versuche sie für geräusch- und reizarme Beschäftigungen zu begeistern, aber ein Zweijähriges ist nun mal nicht immer mucksmäuschenstill. Jetzt hatten wir an einem Tag das Glück, dass Ihre Schwester Mittagschlaf gehalten hat. Es war absolut still und reizarm und trotzdem war es das selbe Drama, als wenn ihre Schwester dabei ist. Auch Anreize auf angenehme Tätigkeiten nach den Hausaufgaben fruchten nicht. Angenehme Sachen verbieten bringt ja auch nichts, oder sollte ich ihr vielleicht doch mal verbieten, am Wochenende mit einer Freundin zu spielen, weil sie ja noch die Hausaufgaben fertig machen muss? Was wenn sie das dann nicht beeindruckt oder was, wenn ich z. B. einen geplanten Ausflug streiche, weil sie ihre Aufgaben nicht gemacht hat? Damit strafe ich ja dann auch ihre Schwester und meinen Mann und mich. Ich weiß mir nicht zu helfen, da sie entweder am Tisch über den Aufgaben sitzt und am Bleistift rumkaut, ohne etwas zu arbeiten oder permanent aufsteht und etwas findet, was interessanter ist oder worum sie sich vermeintlich kümmern muss. Egal was ich sage, ob im ruhigen Ton mit sachlicher Erklärung oder laut und mit kompletter Eskalation, sie macht es einfach nicht. Auch auf die Frage, was sie braucht oder was sein muss, damit sie gut und konzentriert ihre Hausaufgaben machen kann, bekomme ich keine Antwort. Ich bin tatsächlich kurz davor, sie ins Messer laufen zu lassen und die Klassenlehrerin das klären zu lassen, scheue mich im Prinzip aber davor. Wenn sie dann mal was macht, versteht sie den Großteil und ist zügig fertig, es gibt jedoch auch Situationen, wo sie Hilfe wünscht. Wenn ich ihr dann erkläre, wie die Aufgabe geht und ihr das nicht passt, macht sie einfach wie sie denkt. Auch da ist sie absolut uneinsichtig, lässt sich nichts sagen. Sie hatte z. B. Probleme mit dem Schreiben der 7. Ich sagte ihr, dass sie ja noch am Lernen ist und jetzt noch keine 7 perfekt sein muss und dass sie es jetzt durch häufiges Schreiben üben würde. Sie hingegen wollte die 7 nicht schreiben, weil sie ja alle nicht schön aussähen. Dabei hatte sie schon früh ein Interesse am Schreiben und hat das auch rege getan. Sie ist ein schlaues Mädchen, ich zweifel absolut nicht an ihrer Intelligenz oder ihren Fähigkeiten. Mir ist auch klar dass wir uns, wie so oft, in einem Machtkampf befinden, aus dem ich aber keinen Ausweg weiß. Ich weiß nur, dass ich die Nachmittage nicht mit stundenlangen Schularbeiten verbringen möchte und auch nicht muss, weiß aber nicht, wie ich das bewerkstelligen soll. Ich hoffe, sie können mir helfen und freue mich auf Ihre Rückmeldung, Ihre Einschätzung und Ratschläge und entschuldige mich für diesen sehr umfangreichen Text. Viele Grüße, Nana1984
Guten Tag, Ihre Tochter ist erst seit Kurzem in der Schule und muss sich noch eingewöhnen. Vielen Kindern fällt es anfangs schwer, die unangenehmen Pflichten zu erledigen. Ihre Tochter muss noch lernen, dass sie allein für ihre Hausaufgaben verantwortlich ist. Sie gehen zu Recht davon aus, dass Ihre Tochter einen Machtkampf mit Ihnen austrägt. Darauf sollten Sie bei diesem Thema keinesfalls eingehen, da es Ihrer Tochter die Freude am Lernen nehmen könnte. Für Ihre Tochter kann es hilfreich sein, wenn Sie das Problem in die Schule verlagern, wo es hingehört. Erklären Sie Ihrer Tochter, dass sie sich um ihre Hausaufgaben kümmern muss und es vor der Lehrerin zu verantworten hat, wenn diese nicht gemacht sind. Es ist nicht sinnvoll, Sechsjährige stundenlang vor den Hausaufgaben sitzen zu lassen. Geben Sie Ihrer Tochter einen bestimmten Zeitrahmen, in dem sie ihre Hausaufgaben erledigen kann. Mehr als eine halbe Stunde sollte es nicht sein. Lassen Sie sie ohne Interventionen an den Hausaufgaben sitzen. Dann sollten Sie die das Hausaufgabenmachen abbrechen und sich mit Ihrer Tochter anderen Beschäftigungen zuwenden. Sie sollten Ihre Tochter weder bestrafen noch belohnen. Sie müssen auch nichts wegräumen oder für absolute Ruhe sorgen. Informieren Sie die Klassenlehrerin über die Situation. Sie entscheidet dann, wie sie mit nicht gemachten Hausaufgaben umgeht. Sie können Ihrer Tochter bei den Hausaufgaben helfen, wenn sie darum bittet. Machen Sie ihr keine Lösungsvorschläge, sondern fragen Sie sie, nach eigenen Lösungsvorschlägen oder überlegen Sie gemeinsam. Akzeptieren Sie auch, wenn Ihre Tochter Ihre Lösungsvorschläge nicht annimmt. Es hilft Ihrer Tochter, wenn Sie sich nicht mehr für das Erledigen der Hausaufgaben verantwortlich fühlen. Vor allem müssen Sie sich dann auch nicht mehr ärgern. Ihre Tochter wird dann spüren, dass sie Sie nicht durch ihr Verhalten nicht mehr provozieren kann. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
Ähnliche Fragen
Sehr geehrter Herr Dr. Nohr, ich würde Sie gerne um Ihre Meinung bitten, da ich mittlerweile wirklich sehr verunsichert bin. Unser Sohn ist 10 Jahre alt, ein sehr guter Schüler, geht gerne zum Sport und ist gerne draußen. Medienkonsum wird von uns sehr eingeschränkt, aber zwischendurch auch erlaubt (ich denke, dass wir da strenger sind wie ma ...
Sehr geehrter Herr Dr. Nohr, zuerst möchte ich mich vielmals für Ihre Antwort bedanken. Schon allein, dass sie meinten, sie kennen das Problem, da Sie sich selbst und auch ihr Sohn auch so verhalten haben, hat mir schon viel geholfen, da ich daher meine, in Ihnen genau den richtigen Ansprechpartner gefunden zu haben. Ich versuche wirklich schon ...
Unsere fast 3 Jährige hat immer allein geschlafen.Ist auch selbständig allein eingeschlafen ohne Probleme.Seit 3 Wochen aber will sie nicht mehr alleine einschlafen oder alleine sein in ihrem Zimmer.Wacht nachts auf (anfangs um 4 jetzt immer um 1)und schreit.Kann sie in ihrem Bett nicht mehr beruhigen und sie möchte mit mir auf dem Sofa schlafen.Be ...
Liebe Frau Henkes, ich lese schon länger Ihre Antworten anderer Anfragen und finde diese immer sehr wertschätzend und praxisnah. Vielen Dank dafür! Vielleicht haben Sie ja auch für uns noch einen Tipp, wie wir die Beziehung zu unserem ältesten Sohn (bald 9J) verbessern und ihm vielleicht auch noch Lust auf Schule vermitteln können. Insg ...
Meine Tochter Sophia hatte letzte Nacht glaube ich einen absolut schlechten Traum. So gegen 4 Uhr hat sie plötzlich laut aufgeschriene und geweint, als ich zu ihr ins Zimmer gerannt bin, hat sie aber geschlafen und wirkte ganz unruhig auf mich. Ich habe mich dann zu ihr ins Bett gelegt und gestreichelt und geknuddelt bis sie sich wieder beruhigt ha ...
Werther Herr Posh, ich habe mal ein paar Frage, mein Mann und ich habe immer sehr viele Probleme, er kommt mit Arbeit und Familie nicht klar und am We bekommen wir das meißtens zu spüren, es hat sich in den letzten halben Jahr gegeben aber nun merke ich das er nur mit sich selbst zu tun hat, seit dem ich gesagt habe wir müssen was machen gegen den ...
Die letzten 10 Beiträge
- Hausaufgaben sind unser Alptraum
- 4 Jahre Mädchen schreit und weint bei jeder Kleinigkeit
- Kind kann sich nicht durchsetzten
- Verhalten vom Kind verstehen und unterstützen
- Mobbing Kindergarten
- spezielle Verhaltensweisen - Autismus?
- Nächtliches Sauber sein
- 4,5 jähriger aggressives Verhalten, besonders im Kindergarten
- Schwierige Phase 2 Jahre 10 Monate
- Kleinkind möchte nicht auf Toilette oder Töpfchen