Liebe Frau Henkes! Ich würde gerne das Verhalten meines Sohnes (6 Jahre) besser verstehen bzw. ihn auch irgendwie unterstützen. Er geht seit Herbst in die Schule, ist normal entwickelt und hat einen jüngeren Bruder (3 Jahre). Er is sehr ordentlich, genau und in seinem Zimmer ist immer alles aufgeräumt bzw. seine Sachen darf niemand berühren, auch er macht es sehr selten, da sonst etwas verrutschen könnte. Beim Spielen mit seinem Bruder ist er gerne der "Chef" und hat das Sagen. Wenn der Kleine nicht so spielt, wie es der Große gerne hätte, dann gibt es Streit. Der Große achtet sehr genau was der Kleine oder auch andere Kinder machen, zB. der Kleine hat einmal seine Füße während dem Essen auf den Esstisch gelegt und der Große hat gleich reagiert und gesagt, dass man das nicht macht und auch nicht darf. Wenn die Kids Kakao trinken, dann dürfen sie dazu auch Biskotten essen. Mein großer Sohn nimmt sich schon seit Jahren immer zwei Biskotten und das war für ihn immer ausreichend, denn er hat nie mehr verlangt und für den Kleinen sind zwei Biskotten zu wenig und er braucht vielleicht vier und das weiß ich auch. Als der Große das gesehen hat, hat er zum Kleinen und zu mir gesagt, dass man nur zwei Stück essen darf. Ich hab ihm dann erklärt, dass auch er mehrere Stück nehmen kann, wenn er will bzw. es auch essen kann. Seine Cousine hat auch einmal etwas gemacht und dann hat er zu ihr und zu mir auch gesagt, dass man das nicht darf und ich habe dann erklärt, dass sie das vielleicht darf, weil es bei ihnen andere Regeln gibt, als bei uns zu Hause. Zu Hause spielt er mit seinem Bruder gerade sehr gerne "Feuerwehr" mit den Playmobilfiguren und Fahrzeugen. Ich habe einmal den Vorschlag gemacht, dass sie sich zusätzlich noch andere Feuerwehrfahrzeuge dazu holen können, aber der Große hat sofort nein gesagt und gemeint, dass man bei Playmobil nur mit den Playmobilfahrzeugen spielen darf. Der Kleine hat beim Spielen mit der Feuerwehrwache einmal so einen kleinen Tisch von Playmobil genommen und auf einen anderen Platz gestellt und das hat den Großen sehr gestört, denn der Tisch darf nur im Büro von der Feuerwache stehen und nicht in der Garage. Ich weiß nicht woher er dieses Verhalten hat und warum alles so genau bzw. nach Regeln sein muss. Ich bin selber zwar auch ordentlich und achte, dass die Kinder zB. ihre Jacken aufhängen, Schuhe hinstellen oder Sachen wegräumen usw. und hin und wieder sage ich schon dass man etwas nicht zweckentfremden kann um dsmit zu spielen, da es eben kein Spielzeug ist. Ich weiß nicht, wie ich ihn in seinem "Perfektionismus" begleiten soll bzw. ihm deutlich machen kann, dass es zwar Regeln gibt, aber man auch abweichen kann/darf. In der Schule ist er kognitiv sehr fit und weit entwickelt, jedoch langsam im Vergleich zu den anderen Kindern. Auch bei den Hausaufgaben sehe ich, dass er ziemlich lange braucht, aber nicht weil er die Aufgabe nicht versteht, abgelenkt ist oder in die Luft schaut, sondern weil er alles genau und ordentlich macht, egal ob das Schreiben, Schneiden oder Malen ist. Während andere Kinder fünf Buchstaben geschrieben haben, hat er gerade einmal zwei. Beim Abholen von der Schule kommt er als letzter raus, weil er sich eben in Ruhe anzieht und alles gut sitzen muss. Einmal habe ich zu ihm gesagt, dass er etwas schneller arbeiten muss und darauf hat er mir nur geantwortet: " Wenn man etwas genau und ordentlich machen will, damit es schön ist, dann muss man langsam arbeiten und sich Zeit lassen." Irgendwie hat er auch recht. Es bringt auch nichts, wenn ich zu ihm sage, dass er schneller sein muss, denn er ist einfach so ein Typ vom Kind und er macht alles in Ruhe und ohne Stress, nur weiß ich nicht, wie das in der Schule ankommt und wie es da weitergehen soll, wenn er immer der Langsame ist und weniger Aufgaben schafft. Er verlangt auch nach jeder gelösten Hausaufgabe die Bestätigung von mir, ob es so passt wie er die Aufgabe gemacht hat. Ich sage zu ihm, dass er einfach alles machen soll und ich mir dann am Schluss alles anschaue und er dann eine Rückmeldung bekommt, aber dass möchte er nicht, denn so kann er nicht weiter arbeiten. Ich habe ihm erklärt, dass er in der Schule von der Lehrerin auch nicht ständig eine Rückmeldung bekommt ob es passt oder nicht. Ich finde, dass er auch kein Selbstvertrauen hat. Natürlich lasse ich ihn im Haushalt oder in der Garage Aufgaben erledigen, welche er schafft und auch gelobt wird bzw. seine Anstrengung und Durchhaltevermögen, aber irgendwie bringt das nichts. Neue Aufgaben will er gar nicht probieren und sagt sofort, dass er das nicht kann. Er ist mit sich selbst sehr kritisch. Wenn er etwas versucht zu zeichnen und auch nur ein Strich nicht passt, dann wird das Papier zerrissen, er ist wütend, schreit und zeichnet auch nicht weiter bzw. probiert es auch nicht anders, deshalb zeichnet er auch ungern und kann auch einfache Dinge wie Schmetterling oder Herz nicht zeichnen und das ist dann sowieso doof. Wie kann ich ihn in seinem Verhalten unterstützen bzw. stärken? Er kann auch sehr stur sein und lässt mit sich auch nicht reden. Vielen Dank. LG Kristina