Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

(Wie) Fördern wir unsere Kinder ausreichend?

Frage: (Wie) Fördern wir unsere Kinder ausreichend?

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Sehr geehrte Frau Henkes, unsere Kinder sind aktuell 12 Monate und 2,5 Jahre alt.   Der Große geht Montag bis Freitag für 3,5 h in eine Kita. Betreuungsschlüssel dort ist gut, heißt neben viel Freispiel wird regelmäßig malen und basteln, täglich singen und tanzen und einmal wöchentlich turnen angeboten. Daneben sind sie so gut wie jeden Tag draußen spielen.   Der Kleine kommt ab Januar ebenso für 3,5 h in die gleiche Kita. Wir lesen zu Hause recht viel mit dem Großen (der kleine hat noch nicht wirklich Interesse), basteln und malen oft, schauen das wir jeden Tag zumindest kurz rausgehen (haben einen Garten mit Sandkasten, Schaukel und Rutsche) und sind mindestens einmal die Woche im Wald. Zusätzlich haben die Kinder ein Klettergerüst für innen und recht viel anderes Spielzeug (z. B. Stapelsteine, Hüpfpolster) für ein Indoor-Bewegungsangebot.   Der Kleine liebt klatschen und „tanzen“, deswegen versuchen wir viel zu singen und zu tanzen. Wir haben auch ein Angebot an Musikinstrumenten für Kinder (z. B. Trommel, Rassel, Xylophon), das wir mit den Kindern bespielen. Leider sind mein Mann und ich maximal unmusikalisch - Taktgefühl sollten wir den Kindern also besser nicht beibringen 😂. Zusätzlich versuchen wir die Kinder so gut es geht bei Alltagsaufgaben (z. B. kochen , gärtnern, aufräumen, werkeln) mithelfen zu lassen.   Wir versuchen sie bewusst auch frei spielen zu lassen, das klappt mal besser und mal schlechter.  Seit ungefähr zwei Monaten merken wir aber, dass wir uns schwerer tun den Wissens- und Bewegungsdrang des Großen zu befriedigen. Um seinen zweiten Geburtstag rum, hat er angefangen in Vier-Wort-Sätzen zu sprechen und redet seitdem wie ein Wasserfall - teilweise in vollständigen Haupt- und Nebensätzen. Er will ständig zu allem Möglichen vorgelesen bekommen, fängt an Erwachsene (Inkl. uns) zu verbessern, entwickelt aktuell ein Interesse für Buchstaben (erkennt die Ersten) und ich bilde mir ein, dass er so ne Art Mengenverständnis hat (er sortiert z. B. nach Mengen). Außerdem puzzelt er super gerne, dann ist er manchmal komplett in seiner eigenen Welt (ich kenn das von meinem Mann (hochbegabt, ADHS), der ist auch in so nem Tunnel wenn er sich konzentriert). Daneben wird er wirklich unausstehlich, wenn er sich nicht ausreichend bewegt und fordert daher massiv viel Aufmerksamkeit und Zeit. Der Kleine ist extrem neugierig, aber meistens beobachtend und eher passiv. Ich denke, dass ist normal (weil er sich viel vom großen Bruder anschauen will) aber ich mache mir Sorgen das er untergeht. Sie spielen zwar auch viel miteinander und der Große nimmt auch die meiste Zeit viel Rücksicht, aber die Aufmerksamkeit fordert der Große deutlich mehr ein.  Deswegen (und weil er so gerne tanzt und klatscht) überlegen wir jetzt mit dem Kleinen in eine musikalische Früherziehung zu gehen um ihm so Exklusivzeit ohne großen Bruder zu sichern. Parallel überlegen wir, wie wir den Großen besser auslasten können. Wir hatten da an Kinderturnen gedacht. Damit hätte der Kleine nochmal Exklusivzeit mit dem Elternteil das zu Hause bleibt und der Große wäre mehr ausgelastet. Ich bin mir allerdings unsicher. Ich finde unsere Kinder sind mit ihren 3,5 h täglich in der Kita schon ausgelastet und haben ein gutes Angebot zu Hause, außerdem wär das je ein fester Nachmittagstermin unter der Woche pro Kind. Ich will die Kinder ja auch nicht überfordern. Machen wir zu viel, machen wir zu wenig, was können wir besser machen?


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, ich teile ihre Meinung. Ihre Kinder bekommen von Ihnen gute Anregungen und Beschäftigungsmöglichkeiten. Das ist als Förderung völlig ausreichend, damit sie sich in den unterschiedlichsten Bereichen gut entwickeln. Spezielle Interessen und Begabungen, die es sich besonders zu fördern lohnt, zeigen sich erst in einem späteren Alter. Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass Ihr jüngster Sohn neben dem Großen untergeht. Auch wenn er nicht so viel Exklusivzeit mit Ihnen bekommen kann, kann er sich am Bruder orientieren und wird von ihm viel lernen. Möglicherweise zeigt sich beim Älteren das starke Bedürfnis nach Ihrer Aufmerksamkeit, weil er diese unbewusst dem Bruder entziehen will. Dies kommt bei kindlichen Rivalitätskonflikten häufig vor. Vermitteln Sie Ihrem Großen, zunehmend, dass Sie sich auch dem Kleinen widmen möchten. Das kann am Anfang nur eine kurze Zeitspanne sein. So kann er allmählich lernen, dass er Ihre Aufmerksamkeit mit dem Bruder teilen muss, Sie ihn aber nie aus dem blick verlieren. Für Kinder ist es sehr wichtig, sich schrittweise beschäftigen zu lernen, ohne dass es immer ein Programm gibt, das für diese Beschäftigung sorgt. Kreativität kann sich so besser entfalten. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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