Sehr geehrter Frau Henkes, mein Baby ist jetzt 6 Monate alt und Oma hat es mehrfach betreut. Sie ist zu uns nach Hause gekommen und hat dort auf das Baby aufgepasst. Oft war ein Geschwisterkind dabei. Immer maximal eine Stunde, meist eher deutlich kürzer, cam 25 Minuten. Die letzten zweimal hat unser Baby sehr geweint und Oma hat mich auch nach max. 45 Minuten gebeten nach Hause zu kommen. Nun mache mich mir aber große Vorwürfe, dass ich das Vertrauen meines Babys durch die letzten zwei Male schon zerstört habe. Wir werden die Trennung jetzt nicht mehr machen bzw ich werde dabei sein, wenn Oma da ist und jetzt erst langsam wieder einen Abschied anbahnen. Ich hoffe, Sie können mich beruhigen. Die Termine musste ich leider wahrnehmen und das war mit Baby nicht möglich. Vielen Dank für eine Einschätzung!
Guten Tag, Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass die Trennungen von Ihnen Ihrem Kind geschadet haben könnten. Das Vertrauen Ihres Kindes ist dadurch nicht gestört worden. Säuglinge können noch keine Situationen erinnern. Sie speichern häufig wiederkehrende Erfahrungen. Ihr Kind sagt sich also nicht, jetzt hat Mama mich schon wieder enttäuscht und war nicht da. Ihr Kind wird diese seltenen und kurzen Trennungen gar nicht speichern, weil sie eben so selten vorkommen. Ihr Kind macht doch die dauerhafte, gute Erfahrung, dass Sie sich zuverlässig und liebevoll um seine Bedürfnisse kümmern. Das ist durch zweimalige unschöne Stunden nicht zu erschüttern. Vor allem haben Sie Ihr Kind bei der Oma gelassen, zu der Sie Vertrauen haben, weil Sie wissen, dass diese sich gut um Ihr Enkelkind kümmert. Die Situation selber war sicherlich anstrengend für Ihr Kind, aber es war nicht allein und die Oma hat versucht, es zu beruhigen. Es ist sinnvoll, dass Sie die Beziehung der beiden noch weiter stabilisieren wollen. Sie können dabei in der Wohnung kleine Trennungen herbeiführen, indem Sie z.B. kurz den Raum verlassen. Da Sie gelegentlich Termine haben, zu denen Sie Ihr Kind nicht mitnehmen können, müssen Sie auf die alleinige Betreuung durch die Oma nicht verzichten. Selbst wenn Ihr Kind dann wieder weinen sollte, wissen Sie, dass Sie einer Notlage Ihr Kind einer zuverlässigen Betreuungsperson anvertraut haben. Es ist auch nicht schlimm, dass Sie sich von Ihrem Kind nicht verabschiedet haben. Das hat für Babys noch keine Bedeutung. Es wird erst später wichtig, wenn Kleinkinder Trennungen von der Mutter bewusst wahrnehmen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
Anmerkung: bei den Trennungen vorher hat sich das Baby auch immer mal beschwert aber nicht in dem Ausmaß wie jetzt... Ich mache mir große Vorwürfe, dass diese Trennungen zuvor auch schon schädlich waren.
Weitere Anmerkung: die letzten zweimal konnte ich mich auch nicht richtig verabschieden, da ich beim ersten Mal in Eile war und beim zweiten Mal hat das Baby geschlafen als ich ging... Ich mache mir große Vorwürfe.
Hoffentlich letzte Anmerkung: mein Baby kennt Oma natürlich zwar, aber hat sie dennoch nicht öfter als zweimal die Woche gesehen. Mir tut es so sehr Leid, dass ich diese Trennungen so unglücklich gestaltet habe.
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