Guten Tag Frau Henkes, Mein 5-jähriger Sohn hat schon immer sehr fantasievoll erzählen können. In letzter Zeit lügt er uns allerdings regelmäßig, also mehrmals am Tag, an. Es sind immer Situationen, in denen er sich nicht wohl fühlt oder negative Konsequenzen erwartet. Beispielsweise nimmt er sich Stifte seiner Schwester, ohne sie zu fragen, und legt sie nicht wieder zurück. Wenn sie diese sucht, streitet er ab sie genommen zu haben, anstatt sie ihr zurück zu geben. Oder er behauptet auf Nachfrage Dinge erledigt zu haben, die er nicht getan hat (z.B. Hände waschen, aber auch später sichtbares wie aufräumen). Gestern hat er seinen Namen auf die Tischdecke geschrieben und behauptet es nicht gewesen zu sein. Also meistens lügt er, wenn man ihn direkt fragt, ganz selten stellt er mal unwahre Behauptungen auf. Wir wissen nicht so recht, wie wir damit umgehen sollen. Wir erziehen die Kinder ohne Strafen, aber mein Mann ist kurz davor es zu ändern. Wir haben versucht mit ihm zu sprechen, ob er es denn gut findet, dass er auf das Vertrauen kann was wir sagen und dass es uns traurig macht, wenn er uns anschwindelt. Ich habe auch versucht auf die Offensichtlichkeit mancher Dinge einzugehen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er testen möchte wie wir reagieren. Aber ich möchte keinen Machtkampf haben. Haben Sie evtl einen Tipp für uns oder können uns helfen das Verhalten besser einzuordnen? Vielen Dank.
Guten Tag, bei Fünfjährigen ist die Entwicklung der Moral noch nicht soweit fortgeschritten, dass sie das Lügen unter diesem Aspekt betrachten könnten. Sie nutzen Lügen, um unangenehmen Situationen zu entgehen, nicht beschämt zu werden oder sich zu entlasten. Das beobachten Sie bei Ihrem Sohn. Strafen helfen hier nicht weiter. Ich gehe nicht davon aus, dass Ihr Sohn Sie testet. Er merkt aber mit fünf Jahren schon sehr genau, dass er Sie mit seinem Verhalten provozieren kann. Das verleiht ihm ein unbewusstes Machtgefühl. Nehmen Sie dem Thema die Bedeutung, indem Sie weniger darauf eingehen. Fragen Sie ihn bei Offensichtlichem nicht erst, ob er seinen Namen auf die Tischdecke geschrieben hat. Geben Sie ihm einen Lappen, um den Namen wegzuwischen. Fragen Sie ihn nicht, ob er die Stifte der Schwester hat. Schicken Sie ihn los, diese zu holen. Begleiten Sie ihn dabei gegebenenfalls. So können Sie viele Situationen entschärfen, ohne Ihren Sohn in die Situation zu bringen, eine Lüge benutzen zu "müssen". Ihr Sohn ist darauf angewiesen, sich bedingungslos auf Sie verlassen zu können. Sie als Erwachsene wissen, dass Sie das bei einem Fünfjährigen noch nicht können. Vermitteln Sie Ihrem Sohn geduldig Ihre Erwartungen, bis er in der Lage ist, eigene Wertvorstellungen dazu zu entwickeln. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
Ernsthaft, es macht euch traurig dass er "lügt"? Ihr macht ihn für eure Gefühle verantwortlich? Eure Gefühle entstehen durch eure Gedanken, sie sind eure Verantwortung - nicht seine.
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