Deliz
Liebe Frau Henkes, unser Sohn 3,5 Jahre hat ein kleines Aufmerksamkeitsproblem. Mir ist aufgefallen, dass immer wenn zwei Personen interagieren er anfängt einer der beiden Personen wehzutun, egal ob Erwachsene Person oder Kind. Er hat 2 Cousinen eine 2 jährige und eine 5 jährige, sobald die beiden miteinander interagieren und er versucht liebevoll mitzuspielen aber die beiden ihn nicht wahrnehmen tut er der jüngeren weh und wenn ich ihn fragen wieso er das tut dann sagt er mir dass er sie doch nur weg schubsen wollte oder wollte dass sie sich dreht oder ähnliches oder er erzählt dass sie ihn doch vorher mit Sand beworfen hätte (was zum Beispiel paar Tage vorher passiert ist). Bei seinen anderen beiden Cousinen sieht es ganz anders aus, da tut er sich mit der 6 jährigen zusammen, sie kuscheln und spielen und haben sich extrem lieb und Grenzen dafür die jüngere (4 Jahre) etwas aus, aber weil er da mehr Aufmerksamkeit bekommt von der großen ist sein Umgang relativ harmlos im Vergleich. Schlimm wird es wenn eine erwachsene Person mit einem Kind interagiert, da richtet sich seine negative Interaktion gegen den Erwachsenen, gestern auf dem Spielplatz war eine fremde Mami mit ihrem 2 jährigen Sohn, mein Sohn wollte mitspielen und alles war super, jedoch hat die Fremde Mama nicht mit meinem Sohn interagiert und der kleine und mein Sohn haben sie angefangen mit einem kleinen Stock zu pieksen, als sie ihrem Sohn erklärte dass sie das nicht möchte warf mein Sohn ist diesen kleinen Stock mitten ins Gesicht und trag sie direkt an der Brille. Das ganze war eine Sache von 3 Minuten und ich war in der Zeit ganz kurz mit jemandem im Gespräch und hab es dadurch zu spät bemerkt. Natürlich hab ich ihn gefragt wieso er sowas macht und ihn ziemlich streng erklärt dass das nicht sein darf (auch bei den Dingen mit seinen Cousinen). Ich möchte demnächst versuchen die betroffene Person zu trösten und ihn erstmal ignorieren und schauen ob das mehr Effekt bringt als zu schimpfen. Er entschuldigt sich dann auch oft und ist sichtlich verunsichert und lächelt dann oder weiß nicht wohin mit sich bzw benimmt sich dann etwas verhalten oder ändern sofort die Situation. Gelobt wird es sehr viel von mir wenn er Situationen besser oder anders löst oder wenn er Dinge gut macht bzw wenn ich eingreifen bevor etwas passiert und er sein Verhalten sofort verändert bevor er haut oder schubst und dafür dann streichelt. Wir haben nun sich Nachwuchs (eine kleine Schwester 6 Wochen alt) seine negative Art richtet sich überhaupt nicht gegenüber ihr oder mir, ganz im Gegenteil. Zu mir ist es unwahrscheinlich sanft und lieb, er tut mir nie weh und seiner Schwester möchte er am liebsten den ganzen Tag küsse geben und macht mich im Umgang mit ihr auch nach, also fragt dann "was hat die kleine Maus" (das sage ich ganz oft) und küsst oder streichelt sie dann so wie ich es bei ihm und ihr tue. Mein Mann bekommt öfter Mal was ab, ich habe meinen Mann auch schön öfter gerügt weil die beiden sehr doll miteinander spielen und ich das Gefühl habe es liegt daran. Aber wilder Papa und wilder Sohn sind halt eine schwere Kombination und mein Mann möchte unseren Sohn auch auslasten beim toben. Insgesamt ist unser Sohn sehr sozial aber ich weiß einfach nicht wie ich mit solchen Dingen umgehen soll gerade wenn es sich auch gegen fremde Erwachsene richtet. Konsequenzen führe ich danach immer ein und er nimmt sie auch ohne Probleme an (zumindest wenn ich eins Ansage mache) bei meinem Mann wird diskutiert - und das obwohl ich die viel weichere, eher inkonsequente kuschel Mami bin die selten ansagen macht, das übernimmst dann eigentlich eher mein Mann. Ich hab das Gefühl dass es tatsächlich eher zum Nachteil ist. Vielen Dank und liebe Grüße Isabella
Guten Tag, ich vermute, dass Ihr Sohn mit seinem Verhalten nicht vorwiegend nach Aufmerksamkeit sucht. Es fällt ihm noch schwer zu triangulieren. Das bedeutet, dass er in einer Dreierkonstellation noch überfordert ist. Das geht vielen Kindern in diesem Alter so. Kleinkinder sind bisher meist die enge Zweierbeziehung zur Mutter oder zum Vater gewohnt. Wahrzunehmen und zu akzeptieren, dass man zu dritt ist, fällt noch schwer. In der Dreierkonstellation ist es immer möglich, dass sich zwei zusammentun und ein Dritter ausgeschlossen wird. Das macht Kindern Angst. Die Situationen, die Sie beschreiben, sind genau solche des Ausgeschlossenwerdens. Ihr Sohn reagiert aggressiv, um die Angst vor dem Ausgeschlossensein abzuwehren. Es hilft nicht, wenn Sie ihn fragen, warum er aggressiv war. Das weiß er mit drei Jahren noch gar nicht, weil er die zugrundeliegenden Prozesse nicht verstehen kann. Es ist auch wenig hilfreich, mit ihm zu schimpfen. Sie unterstützen Ihren Sohn, wenn Sie weiterhin den Schwerpunkt auf positives Verhalten legen und ihn dafür loben. Ich halte es auch für sehr wichtig, in den missglückten Dreiersituationen nicht nur auf Ihren Sohn zu reagieren, sondern auf alle drei Kinder. Sorgen Sie dafür, dass zu dritt gespielt wird. Das liegt nicht allein in der Verantwortung Ihres Sohnes. Auch in der Situation mit der anderen Mutter hat diese Ihren Sohn ausgeschlossen. Das steht ihr selbstverständlich frei. Dann wäre es sinnvoll, wenn Sie Ihren Sohn rechtzeitig aus der Situation nehmen, um ihm den Ausschluss zu ersparen. Auf einer sehr unreflektierten Ebene freut sich Ihr dreijähriger Sohn verständlicherweise, wenn er mit seinem Verhalten eine dritte Person ärgern kann. Das signalisiert ihm ja, dass er dem Ausschluss erfolgreich entgangen ist. Sobald das Erwachsene betrifft, sollten diese ihm möglichst keine negative Aufmerksamkeit geben. Möglicherweise wird das Verhalten Ihres Sohnes durch die Geburt der Schwester aktuell verstärkt. Auch wenn er zu ihr sehr liebevoll ist, hat sie ihn doch entthront und er muss unbewusst fürchten, dass er Ihre Liebe an sie verliert. Lassen Sie Ihrem Sohn Zeit, sich an die neue Familiensituation zu gewöhnen. Triangulieren lernen Kinder am besten am Beispiel der Eltern. Sie erleben, dass sie selbst zu jedem Elternteil eine wichtige Beziehung haben, die Eltern jedoch zueinander auch eine wichtige Paarbeziehung haben, an der das Kind keinen direkten Anteil hat. Vermitteln Sie Ihrem Sohn, dass Sie und Ihr Mann zusammenhalten und dass er zu jedem von Ihnen beiden eine gute Beziehung hat, auch wenn diese unterschiedlich gestaltet sind. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
Deliz
Ich würde gerne noch ergänzen dass ich das Gefühl habe mein Sohn hat Spaß an der Reaktion der Person
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