Sylvia Ubbens

Trotzphase mit 4 1/2?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Liebe Frau Ubbens,

Meine Tochter ist jetzt 4 1/2 Jahre alt. Sie trotzt eigentlich immer noch, tat sie auch immer schon sehr stark, seit etwa 2 Wochen extrem.

Vor einen Monat haben wir den Kindergarten (aus beruflichen Gründen) gewechsel. Anfangs war auch alles eher okay. Sie hat sich auf den neuen kindergarten gefreut (sie hat auch den alten kiga sehr gemocht). Die erste woche war bischen ungewohnt, danach hat es aber so ausgeschaut als ob alles passt, gut eingewöhnt, alles gut.

Der alte kindergarten war eher etwas lockerer, die pädagoginen waren (meiner meinung nach) etwas liebevoller und motivierter (wenn es um die arbeit mit kindern ging). Die kinder dürften viel auch ohne zu fragen machen. Der neue kindergarten ist zwar auch schon, die pädagoginen sind aber eher streng, sehr bestimmend und setzen sicher sehr stark die grenzen.

Diese grenzen sind in allen bereichen vorhanden, wenn es ums essen geht, wenns ums spielen geht, klo gehen usw. Für mich als mama ist das ganz toll, das mein kind gutes benehmen lernt, aber ich bin mir nicht so sicher ob das meine Tochter auch so gut findet. So viel zum kiga und zu der situation, weil das das einzige ist, was sich in letzter zeit verändert hat und meiner meinung nach, das verhalten meiner tochter beinflusst.

Jeden Tag, wenn ich sie abhole, gibt es erstens ein trödeln (aber nicht wie gewöhnlich, ich merke, das selbst sie es nicht will, aber es tut - ich schätze um ihre grenzen auszutesten). Vor ein paar tagen sind wir (nur weil sie es so wollte) etwa 15 Minuten vor einem fremden tor gestanden und haben dort mal so gewartet, sie hat währendessen ihre hände an der glastür abgewischt.
Während sie das tat, musste ich ihr zuschauen und bei ihr sein, weil sie sonst wirklich sehr sehr laut schrie bzw. einen heulkrampf bekam, bzw. dann lief sie zu mir, schlug mich, biß mich und spuckte mich an (das hat sie bis jetzt noch nie gemacht!).

Dann zu hause, geht es weiter mit trotzen, egal um was es geht, sie ist nicht mehr ein bischen geduldig, sondern schreit gleich wenn sie es nicht gleich oder nicht mehr bekommt. Schlägt zu, beisst und spuckt bei jedem nein, wenn ich versuche konsequent zu bleiben. auszeit nehmen (so wie sie es im kiga tun) auf einen sessel setzen, funktioniert nicht, sie schlägt noch mehr, dann ist sie erst recht nicht mehr zu beruhigen.

Gestern hat sie vor dem schlafen gehen einen schrei, trotz, unbedingt anders machen wollen-obwohl sie eigentlich müde war - "anfall" gehabt. Mit schreien meine ich wirklich sehr verzweifeltes sehr sehr lautes Schreien, das hat ihr die ganze kraft geraubt, dass sie noch müder war. Sie wollte nicht ins bett gehen, sie wollte nicht die zähne putzen, sie wollte einfach im wohnzimmer bleiben (ich habe ihr angeboten, paar minuten noch zu bleiben, bis ihr noch schnell zusamenräume (2 min), und dann weiter zu machen, das wollte sie nicht).

Wir haben einen eingeübten, immer gleich verlaufenden Rhytmus; essen, zähne putzen, umziehen, geschichte vorlesen und dann bringe ich sie ins bett, sie darf sich das nachtlicht einschalten, ich lasse die tür einen spalt offen, nach ein paar minuten schläft sie auch schon.)

Sie trotzt sehr stark, sehr ungewohnt viel, sie tut mir so leid und ich weiss nicht was mit ihr los ist, ich erkenne sie nicht wieder. Sie vom kiga nach hause zu bringen ist sehr schwer, ist eine herausforderung, sie läuft weg, läuft herum ohne ziel und wenn wir irgendwo nach dem kiga hingehen, hört sie mir dann auch garnicht mehr zu, tut was sie will und läuft auch weg.

Was mache ich falsch? Wie kann ich ihr helfen? Ich versuche schon beim abholen vom kiga sehr auf sie einzugehen, viel mit ihr zu reden, aber schon beim abholen ist sie wie ausgewechselt, hört überhaupt nicht was ich sage und antwortet nicht.

Kann es sein, dass ihr jemand im Kiga wehtut oder ihr etwas angst macht? dass sie mit etwas oder jemand nicht zurecht kommt? dass sie eventuell gemobbt wird? Wieso trotzt sie jetzt so stark? ist es üblich, dass sie mit 4 1/2 solche trotzanfälle hat? wie kann ich (oder kann ich überhaupt) diese trotzanfälle mildern?

p.s. Heute habe ich einige Minuten bevor ich sie abgeholt habe, eine ihrer KigaFreundinen gesehen, die genau so wie sie geschrien hat und wirklich wirklich verzweifelt aussah, ihre mama war ganz fertig und wusste ihr nicht zu helfen.ihre stimme hat die ganze straße (obwohl sehr befahrene straße) übertönt.

Vielen Dank für Ihre Hilfe.

lg,
Sani

von Sani30 am 01.10.2014, 16:35 Uhr

 

Antwort auf:

Trotzphase mit 4 1/2?

Liebe Sani,

Kinder haben etwa im Alter Ihrer Tochter noch einmal eine starke Trotzphase. Sie können mehr, sie dürfen mehr, sie fühlen sich groß und stark und sind es aber in vielen Bereichen noch nicht. Unterbewußt finden die Kinder diese Tatsache nicht sehr gut. Sie wollen doch alles können, alles bestimmen. Sie sind hin- und hergerissen, ohne es immer bewußt beeinflussen zu können.

Mit dem Kita-Wechsel hat das wenig zu tun. Der veränderte Alltag, die veränderte Struktur werden aber von Ihrer Tochter noch verarbeitet und somit hat sie ein etwas weniger stabiles "Nervenkostüm".

Begegnen Sie Ihrer Tochter mit möglichst wenigen Verändungen. Bleiben Sie Ihren Regeln und Ihrer Tagesstruktur treu. Sie müssen "des lieben Friedens willen" nicht 15 Minuten vor einem fremden Tor stehen. Stellen Sie fest, dass es jetzt nach Hause geht. Ihre Tochter weiß derzeit nicht so recht, was sie eigentlich möchte. Sie will auf der einen Seite etwas tun, von dem sie weiß, dass Sie es eigentlich nicht wollen (15 Minuten auf der Stelle zu stehen und zu warten) und auf der anderen Seite will sie es eigentlich auch nicht und wird wütend, weil Sie nicht die gedachte Reaktion zeigen, nämlich in Diskussion gehen, dass Sie doch weiter wollen.

Weiteres Beispiel: Das Zubettgehen. Ihre Tochter wollte den üblichen Ablauf durchbrechen, ist dann mit dem angebotenen Entgegenkommen auch nicht einverstanden. Sie versucht, die Grenzen zu überschreiten, sie will eine Reaktion und eigentlich will sie doch "nur" ihr ganz normales Bettgehritual, das ihr Sicherheit gibt.

Bleiben Sie, wie schon gesagt, bei Ihren Regeln und Strukturen und Sie werden gemeinsam schneller durch diese Schrei-Trotz-Phase durchkommen.

Nach einer entsprechenden Schrei-Attake dürfen Sie Ihre Tochter aber gerne tröstend in den Arm nehmen.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 02.10.2014

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