Re:Teilen - so früh immer schwer! (Achtung, lang)

Antwort in der Beratung Erziehung

Hallo,

wenn ich darf, würde ich auch gern etwas dazu sagen. Ich glaube, Du hast deutlich zu hohe Erwartungen an die sozialen und kognitiven Fähigkeiten eines erst zweijährigen Kindes. Es ist absolut normal, dass Dein Sohn noch nicht teilen will - schon gar nicht auf seinem eigenen "Terrain", also zu Hause. Man kann dies natürlich erzwingen oder das Kind zum Teilen drängen, um andere Kinder (und deren Mütter...?) zufriedenzustellen. Ich habe das bei meinen Kindern auch manchmal gemacht, um Gastkinder nicht zu sehr zu frustrieren. Was aber tabu war, waren die Lieblingsspielsachen meiner Kinder, die mussten sich nicht hergeben.

Dass ein zweijähriges Kind freiwillig und gern seine Spielsachen teilt, ist eher ungewöhnlich. Auch wenn es sicher Kinder gibt, die da etwas gelassener oder gleichgültiger sind als andere. Viele dagegen verteidigen ihr Hab und Gut mit Zähnen und Klauen, dies ist normal. Hab' etwas Geduld und Vertrauen in Deinen Sohn. Ein gutes Sozialverhalten zu entwickeln - das braucht viel Zeit und klappt oft erst im Laufe des Kiga-Alters, aber es kommt. Man kann diese Entwicklung auch nicht durch ausführliche Erklärungen und Predigten ans Kind beschleunigen. Es ist aber sicher okay, mit sanftem Nachdruck zum Teilen aufzufordern, wenn Du schlecht zuschauen kannst, wie er gar nichts abgibt (obwohl auch dies normal ist).

Dass er sich einerseits abgrenzen muss (wenn jemand seine Grenzen überschreitet), er andererseits aber das Teilen lernen muss - dieser Widerspruch kommt nur Dir kompliziert vor, weil Du sehr kopflastig und kontrolliert da herangehst. Für ein Kind ist dieser Lernprozess machbar, er geschieht (bei gutem Vorbild) von selbst, wirst sehen. Kinder sind klug, komplex, flexibel - sie verstehen diesen Unterschied irgendwann völlig problemlos.

Ich bin auch tendenziell eine eher kopflastige Mutter, habe sehr viel über kindliche Entwicklung gelesen (befasse mich auch beruflich damit) und habe daher früher gedacht, ich müsse absolut ALLES durch bewusste Erziehung leisten. Was hier unbewusst dahinter steckt, ist aber oft Angst: Ich bin an ALLEM Schuld, was bei meinem Kind nicht optimal läuft. Ich bin für die gesamte Persönlichkeit meines Kindes verantwortlich, denn mein Kind ist das Produkt meiner Erziehung. Ich muss daher alles kontrollieren, bis ins Kleinste, und ich muss alles richtig machen.

In Wirklichkeit ist das viel zu viel - zuviel Selbstanspruch, zuviel Anspruch ans Kind, was ich aber auch erst im Laufe der Jahre gelernt habe. Kinder entwickeln sich auch gut, wenn man nicht ununterbrochen an ihnen herumerzieht, sie psychologisch deutet, ungünstige Entwicklungen wittert, sich für ihre Persönlichkeit als maßgeblich sieht. Ich habe inzwischen zwei Kinder, die sehr unterschiedlich sind. Das entlastet mich irgendwo auch, denn ich sehe, wie unheimlich viel bei ihnen schlicht angeboren und Veranlagung ist. Ich bin nicht "Schuld", wenn das eine Kind eher zurückhaltend und schüchtern ist (und im Kiga-Alter schwer Anschluss fand). Und auch nicht, wenn das andere eher draufgängerisch ist und schneller Blessuren bekommt, weil es unvorsichtiger ist.

Kinder lernen vor allem durch unser Vorbild. Das ist eine Plattitüde, aber es stimmt. Unsere erzieherischen Interventionen sind sicher manchmal wichtig, aber nicht ausschlaggebend. Wenn Du ein offenes Haus pflegst, oft Gäste hast und diese gut gelaunt bewirtest, wenn Du Anderen hilfst, die gerade Unterstützung brauchen (Nachbarin beim Blumengießen) und dies Deinem Kind vorlebst oder (mit Begründung) erzählst, dann wird auch Dein Sohn das Teilen ganz von selbst lernen - im passenden Alter.

Und wenn Du andererseits gut auf Dich achtgibst, Deine Bedürfnisse gegenüber Deinem Kind und Deinem Mann, Deiner Verwandtschaft, Deinen Freundinnen oder auch Außenstehenden gut verteidigen kannst, darauf bestehst, respektvoll behandelt zu werden - dann wird auch Dein Kind lernen, auf sich achtzugeben und Anderen keine Grenzüberschreitungen erlauben - im passenden Alter (dies kann natürlich viele Jahre dauern, das ist normal).

Sorry für diesen Roman, aber irgendwo habe ich mich selbst (damals beim ersten Kind) ziemlich stark in Deinem ein bissel unnötig problematisierenden Posting wiedererkannt und musste einfach was dazu loswerden... :-)

LG

von Bonniebee am 15.02.2013, 12:40 Uhr

 
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