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Kaiserschnitt auf Wunsch - Pro und Contra

Kaiserschnitt auf Wunsch - Pro und Contra

In den letzten Jahren ist die Kaiserschnitt-Quote immer weiter angestiegen. Als Ursache wird unter anderem auch der Trend zum Wunschkaiserschnitt, also zur geplanten Operation ohne medizinische Notwendigkeit, angeführt.

Viele Frauen würden sich angeblich die Schmerzen einer natürlichen Geburt nicht mehr zumuten wollen oder hätten Angst vor Verletzungen ihrer Intimregion. Prominente wie Claudia Schiffer oder Victoria Beckham dienen hier als Vorbild und prägen das Image "to posh to push", also "zu fein zum pressen".

Wenn man sich Befragungen unter Frauenärzten und Untersuchungen der Krankenkassen ansieht, ergibt sich allerdings ein ganz anderes Bild: Nur etwa 2 bis 4 Prozent der Frauen entscheiden sich freiwillig und ohne medizinische Indikation für einen Kaiserschnitt! Obwohl die Tendenz zur Selbstbestimmung und die Offenheit gegenüber operativen Verfahren in der Gesellschaft unbestritten gewachsen sind, liegt es also wohl doch eher an den Medien, die das Thema "Wunschkaiserschnitt" hochstilisieren. Falls Sie mit dem Gedanken an einen geplanten Kaiserschnitt spielen, ist es grundsätzlich sicher ratsam, sich vorher in Ruhe mit allen möglichen positiven und negativen Konsequenzen auseinanderzusetzen.

Ist ein Kaiserschnitt wirklich weniger schmerzhaft?

Einer der Hauptgründe, warum sich Frauen für einen Kaiserschnitt entscheiden, ist die Angst, eine normale Geburt aufgrund der Schmerzen nicht durchzustehen. Aus psychologischer Sicht sollte diese Angst durchaus ernst genommen werden, vor allem wenn eine Frau bereits eine traumatische Geburt erlebt hat. Andererseits ist die Angst vor dem Geburtsschmerz etwas völlig normales. Es ist die Aufgabe einer guten Hebamme, einer Frau diese Angst zu nehmen, indem sie sie optimal auf die Geburt vorbereitet. Hinzu kommt, dass die körpereigenen Hormone, die unter einer Geburt in großen Mengen ausgeschüttet werden, den Schmerz in einem gewissen Maße "dämpfen". Die Unannehmlichkeiten, die nach einem Kaiserschnitt auftreten können, werden hingegen oft unterschätzt. Häufig verlagert sich der Geburtsschmerz durch den Kaiserschnitt nämlich einfach auf die Zeit nach der Geburt, wo man eigentlich fit sein und sich um das Baby kümmern möchte.

Medizinische Gründe für und gegen den Kaiserschnitt

Vom medizinischen Standpunkt her gleichen sich die Vorteile und Nachteile für die Mütter nahezu aus. Ein Kaiserschnitt bringt wie jede andere Operation Risiken wie Nachblutungen, Wundheilungsstörungen und Infektionen mit sich.

Nicht zu unterschätzen ist allerdings die Thrombose-Gefahr, die man trotz Heparin-Spritzen leider nicht ganz ausschließen kann. Außerdem kommt es relativ häufig zu Narbenbildung und Verwachsungen im Bauchgewebe, die später Problemen bereiten können. Demgegenüber steht der Vorteil, dass Frauen nach Kaiserschnitt-Geburten normalerweise keine großen Beckenboden- oder Dammverletzungen haben und weniger unter Inkontinenz und unter Störungen der Sexualität zu leiden haben. Die Sterblichkeitsrate der Mütter, die früher bei Kaiserschnitten noch wesentlich höher war, ist inzwischen bei beiden Entbindungsmethoden sehr niedrig.

Vor- und Nachteile fürs Baby

Für das Kind bedeutet der Kaiserschnitt zunächst keinen Vorteil, im Gegenteil: Kaiserschnitt-Kinder haben öfter Anpassungsschwierigkeit, mehr Probleme mit der Atmung aufgrund von Wasser in der Lunge und anfangs oft Verdauungsprobleme und schwächere Abwehrkräfte. Das Argument, man würde dem Baby durch den Kaiserschnitt unnötigen Stress ersparen, lässt sich ebenfalls nicht halten. Im Gegenteil: die Anstrengungen einer normalen Geburt scheinen fürs spätere Leben wichtig zu sein und bereiten Kinder in gewissem Maß auf unvermeidlichen Stress in der Zukunft vor.

Andererseits bringt eine natürliche Geburt immer gewisse Risiken mit sich, wie z.B. eine mangelnde Sauerstoffversorgung des Gehirns und mögliche Schäden dadurch. Vor allem Mütter, die sehr lange auf Ihr Wunschkind warten mussten, sind oft nicht bereit, hier selbst das geringste Risiko einzugehen.

Bessere Planbarkeit

Viele Väter kennen dieses Problem: Da haben sie sich extra für die Geburt drei Wochen Urlaub genommen und ihr Baby kommt just an dem Tag, an dem sie wieder arbeiten müssen! Ein unbestrittener Vorteil des Wunschkaiserschnittes ist die Planbarkeit. Die Eltern können ein Wunschdatum wählen - innerhalb eine vernünftigen Rahmens -, wo der Papa Zeit hat und die Betreuung für die Geschwisterkinder organisiert ist. Auch für selbständig berufstätige Mütter ist das ein wichtiger Beweggrund. Überhaupt ist Planbarkeit ein bedeutsamer Aspekt im Leben moderner Frauen, die es gewöhnt sind, ihren Alltag durchzuorganisieren. Ein geplanter Kaiserschnitt entspricht daher oft mehr ihrer Lebenseinstellung als die Ungewissheiten einer spontanen Geburt. Andererseits verpasst man damit natürlich die spannende Wartezeit, wann es denn endlich soweit ist...

Rechtlicher Aspekt

Immer wieder wird beim Thema Wunschkaiserschnitt natürlich auch über das Recht der Frau zur Selbstbestimmung diskutiert. Denn selbst wenn nur wenige Frauen für sich einen Wunschkaiserschnitt wählen würden, sind doch grundsätzlich sehr viele der Meinung, dass die Entscheidung dafür oder dagegen bei ihnen liegen sollte. Rein rechtlich ist die Regelung momentan folgendermaßen: Die Krankenkassen übernehmen die Kosten offiziell für die Operation nur, wenn sie medizinisch notwendig ist. Allerdings lässt sich fast immer ein Grund finden, z.B. eine unüberwindbare Angst vor dem Geburtsschmerz oder ein zu enges Becken, wenn man ihn sucht. Der Arzt ist durchaus berechtigt, auch ohne medizinische Indikationen einen Kaiserschnitt durchführen, verpflichtet ist er aber nicht dazu. In der Praxis stehen die Ärzte dem Wunsch der Frau aber schon deshalb meistens aufgeschlossen gegenüber, da eine natürliche Entbindung ohne ihre Bereitschaft in den Wehen mitzuarbeiten letztendlich erfahrungsgemäß ohnehin mit einem Kaiserschnitt endet.

Gute Beratung ist das Wichtigste!

Alles in allem gibt es also genügend Gründe für und gegen einen geplanten Wunschkaiserschnitt. Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sollten Sie sich unbedingt vorher gut informieren und beraten lassen. Am besten sprechen Sie nicht nur mit Ihrem Arzt darüber, der das Ganze aus einer rein medizinischen Sicht beurteilt, sondern auch mit einer Hebamme und mit anderen Müttern, die Ihnen gerne von Ihren jeweiligen Erfahrungen berichten werden. Auf diese Weise werden Sie sicher die für Sie und Ihr Baby beste Entscheidung treffen.

von Maxi Christina Gohlke

Zuletzt überarbeitet: August 2016

   

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