Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Meine Tochter will nicht essen.

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo, ich wende mich an Sie, weil ich ein paar Tipps bzgl. der Beikost meiner Tochter brauche.
Sie wird jetzt bald 9 Monate und ich stille gefühlt noch voll.
Seit dem 6 Monat habe ich es mit der Beikost probiert. Anfangs wie empfohlen mit Gemüsebrei (der nie wirklich gegessen wurde). Ich habe verschiedene Sorten probiert, Gläschen, selbstgemacht, mit Apfel oder Birne. Mehr als 3 Löffel hat sie nicht gegessen. Bei der U 5 habe ich dann mit der Kinderärztin darüber gesprochen. Diese hat mir empfohlen mit Abendbrei weiterzumachen. Gesagt, getan. Der Abendbrei kam ein kleines bisschen besser an. Aber nur, wenn er von meinem Mann gefüttert wurde. Bei mir gingen auch wieder nur 3 Löffelchen.
Ich habe dann versucht ihr Fingerfood schmackhaft zu machen. Gekochtes Gemüse, Babykekse, Obst, Brot, Gebäck (French Toast, Waffeln, Pancakes - was eben die Rezeptküche so hergibt)
Teilweise hat sie etwas gegessen. Teilweise landete alles auf dem Boden.
Gerne isst sie: Gurke, Brot, Nudeln, Himbeeren, French Toast. Aber eben auch nur Mengen, die sie nicht wirklich satt machen.
Seit ein paar Tagen ist es ganz schwierig. Sie würgt ständig beim Essen, sodass sie schlussendlich teilweise spuckt. Ich glaube es kündigen sich gerade ihre Zähne oben an. Kann es damit zusammenhängen?
Ganz schlimm ist Brei - obwohl er von der Konsinstenz ja eigentlich viel „leichter“ zum Essen ist. Bei Brei wird nur gewürgt. Klar bei einem großen Gurkenstück auch - aber das ist ja gut und verständlich.

Sie hat auch gute Tage. Vorallem wenn viele Menschen an einem Tisch sitzen und in ihrer Anwesenheit essen, isst sie auch richtig gut. Aber leider kommt das nicht allzuoft vor. Bei mir und meine Mann hat sie die Ausdauer nicht. Oft sieht sie mich und will dann gestillt werden.
Ich weiß langsam nicht mehr was ich machen soll, ich habe das Gefühl es geht gar nichts vorwärts. Gerade mit dem Würgen wird es ja gerade noch schlimmer.
Mich überfordert die ganze Essenssituation. Ich habe zusätzlich auch noch Angst, dass sie sich stark verschluckt und am Ende keine Lift mehr bekommt. Ich komme also gerade nicht weiter. Überall höre ich von Babys die genüsslich ihren Brei essen oder ihr Fingerfood verdrücken. Ich höre von Ärzten, die sagen, dass man nachts nicht mehr stillen soll - ich hab wirklich keine Ahnung wie ich das umsetzen soll. Meine Tochter hat bisher noch nie durchgeschlafen. Nachts will sie mindestens 3 mal gestillt werden (und das sind gute Nächte). Ich habe das Gefühl ich mache alles falsch, wenn es ums Essen geht. Mich frustriert das wirklich sehr. Ich will ja, dass sie mehr isst. Ich weiß aber nicht wie ich es umsetzen soll.
Vielleicht haben Sie einen Tipp für mich.
Vielen Dank!

von Sumsi145 am 23.07.2020, 06:23 Uhr

 

Antwort auf:

Meine Tochter will nicht essen.

Hallo Sumsi145
lass dich nicht so sehr verunsichern. Dein Baby kann selbstverständlich auch nachts noch, nach Bedarf, gestillt werden. Dein Baby isst, so wie du es beschreibst auch durchaus gerne. Nur isst deine Tochter nicht in der von dir gewünschten Weise und auch nicht die Mengen, welche du erwartest. Aber Vielfalt konnte deine Tochter bereits kennenlernen.
Jetzt ist deine Tochter fast 9 Monate alt und hat damit das Alter für die Familienkost knapp erreicht. Gib deiner Tochter jetzt noch mehr Möglichkeiten, um sich in eure elterliche Essgemeinschaft einzufügen. Bisher hat das, so wie du es beschreibst, durchaus ganz gut funktioniert, obwohl deine Tochter noch häufig gestillt werden möchte. Weißt du, stillen ist für deine Tochter auch sehr viel mehr als nur Nahrung zu tanken. Stillen ist auch Beruhigung und gibt Sicherheit. Das erleichtert auch das Zahnen. Möglicherweise macht deine Tochter gerade einen großen Wachstumsschub, will auch deshalb vielleicht häufiger gestillt werden. Die Beikost gestaltet sich vielleicht darum vorübergehend noch zäher als sonst. Aber vielleicht ist diese Phase ganz bald vorüber und deine Tochter kann anschließend wieder unbeschwert bei Tisch mitessen.
Um den 10. Lm herum passiert so einiges in der Entwicklung. Dein Baby wächst zum Kleinkind und braucht ganz viel liebevolle Zuwendung. Nach diesem Wachstumsschiub sieht die Welt im wahrsten Sinne des Wortes (für deine Tochter) plötzlich ganz anders aus. Sie wird neue Fähigkeiten haben, was sich auch auf die Beikost- und Familienkostzeit sehr positiv auswirkt.
Lass den Brei jetzt einfach mal komplett weg und gib ihr vermehrt die Möglichkeit, selbständig ungefährliche, babygeeignete Speisen zu entdecken.
Ganz wichtig: damit deine Tochter essen kann, muss sie leicht hungrig sein.
Tipps für ein gutes Stillmanangement, ob du bspw etwas ändern könntest, kann dir Biggi Welter geben.
Als Leitprinipien zur Konsistenz für breifreie Beikost kannst du dir merken: die angebotenen Speisen sollten weich sein (oder sich im Speichel auflösen), damit sie gefahrenfrei geschluckt werden können. Die Kost sollte salz- und industriezuckerfrei sein - das Probieren selbiger, in kleinen Mengen, als und im Rahmen der Familienkost ist aber durchaus okay.
Noch mehr Infos zum Konzept BLW/breifrei - bzw zur bedürfnisorienierten Beikost findest du hier:
https://www.rund-ums-baby.de/experten/kochen-fuer-kinder/Beikoststart_47820.htm
Es geht ja hierbei ganz viel um Geschmackerlebnisse und Gewöhnung, um Anpassung und Entwicklung, um Imitation und Gemeinsamkeit. Biete deinem Baby die passende Beikost an und lass deine Tochter damit ihre eigenen und selbständigen Erfahrungen sammeln. Stille dazu nach Bedarf.
Zusammenfassung:
Sofern du deiner Tochter die Erfahrungen mit Beikost ab der Beikostreife und der Famlienkost nicht absichtlich und willentlich vorenthältst,ist alles gut. Sofern du deine Tochter stattdessen nicht absichtlich und willentlich zum Stillen zwingst, steht dem vielen Stillen (nach Bedarf eben) bei deinem gesunden und normal entwickelten Baby nichts im Wege. Biggi Welter kann dir sicher noch viel mehr dazu schreiben.
Das bedeutet:
Vermehrtes Stillen sollte die normale Entwicklung, wozu auch das Essen von Beikost zählt nicht beeinträchtigen - die Entwicklung aber unterstützen und die Beikost ergänzen.
Manche Babys brauchen etwas länger (individuelle Entwicklung und Reife) bis sie Beikost so gut akzeptieren, dass sie davon gut satt werden und weniger Mumi fordern und trinken.
Im Zweifel und bei Unsicherheit gilt aber natürlich immer: fachkundigen Rat (ggf Stillberaterin) einholen.
Also dann
Grüße
Birgit Neumann

P.S. hier findest du noch Infos zur Beikost allgemein:
Thema: muss es Brei nach Breifahrplan geben?
https://www.rund-ums-baby.de/experten/kochen-fuer-kinder/Sie-mag-nicht-mit-dem-Loeffel-Essen_48742.htm
Thema: ab wann wird übermäßiges Stillen bei Beikostverweigerung zum Problem?
https://www.rund-ums-baby.de/experten/kochen-fuer-kinder/Wann-stillen_48452.htm

von Birgit Neumann am 24.07.2020

Mobile Ansicht

Impressum Team Jobs Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2020 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.