Frage im Expertenforum Ernährung in der Schwangerschaft an Prof. Dr. med. Serban-Dan Costa:

Fermentierte Lebensmittel mit geringem Alkoholgehalt???

Frage: Fermentierte Lebensmittel mit geringem Alkoholgehalt???

Anna_94

Beitrag melden

Lieber Herr Dr. Costa, ich habe eine Frage zum Thema Alkohol. Eigentlich ist es ganz klar: Alkohol ist in der Schwangerschaft tabu, das versteht sich von selbst. Mein Mann und ich haben daher bereits bei der Planung der Schwangerschaft klar alkoholische Getränke wie Bier, Wein etc. ausgeschlossen. Jetzt darf er freitags wieder ein Bierchen trinken – ich natürlich nicht 😅. Mit der Zeit wird das Thema jedoch zunehmend unklar. Fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Gurken oder Sojasoße darf man – wenn ich es richtig verstehe – trotz geringer Alkoholmengen konsumieren. Wie sieht es zum Beispiel mit Milchprodukten aus? Ich habe eine Zeit lang gelegentlich Kefir getrunken. Besonders gegen Ende des ersten Trimesters hatte ich nachts manchmal starke Heißhungerattacken und habe dann gerne eine 500-ml-Flasche Kefir (Müller Kalinka Kefir) getrunken. Nicht täglich, aber doch einige Male. Mir war bewusst, dass Kefir geringe Mengen Alkohol enthält, ich bin jedoch davon ausgegangen, dass es sich nur um Alkoholspuren handelt und daher erlaubt ist. Ich komme ursprünglich aus Russland, dort ist Kefir ein traditionelles, als gesund geltendes Getränk. Babys dürfen ihn ab etwa 8 Monaten trinken, ebenso Schwangere. Auch in der Kita haben wir ihn fast täglich bekommen. Meine Mutter sagte ebenfalls, dass ich ihn trinken dürfe, und eine Freundin von mir, die in Russland schwanger war, bekam sogar eine Kefir-Diät, als sie in der Schwangerschaft zu viel zugenommen hatte. Hier in Deutschland scheint das Thema Kefir jedoch umstritten zu sein. Ich habe bei der Molkerei nachgefragt und folgende Antwort erhalten: „Gerne informieren wir Sie, dass der Alkoholgehalt unseres Kefirs deutlich unter 0,5 % liegt und ausschließlich aus natürlicher Gärung entsteht.“ Was „deutlich unter 0,5 %“ konkret bedeutet, ist mir allerdings unklar – das könnte sowohl 0,45 % als auch 0,01 % sein. Das entspricht im Zweifel dem Alkoholgehalt von „alkoholfreiem“ Bier, von dessen Konsum in der Schwangerschaft wiederum abgeraten wird. Das erscheint mir irgendwie unlogisch, und ich frage mich, ob ich nicht doch lieber auf Kefir hätte verzichten sollen. Die Regel der absoluten Alkohol-Nulltoleranz in der Schwangerschaft ist zwar sinnvoll, aber praktisch kaum umsetzbar, wenn man auch Bananen oder Obstsäfte berücksichtigt. Fällt Kefir dann nicht in dieselbe Kategorie? Bitte verzeihen Sie, falls das eine blöde Frage ist – ich versuche lediglich, das Thema konsequent nachzuvollziehen. Als ich darüber nachgedacht habe, fiel mir noch ein weiterer Fall ein: Etwa eine Woche vor dem positiven Schwangerschaftstest waren wir in Polen auf einem Markt und haben Kwas getrunken. Wissen Sie, was das ist? Es handelt sich um ein leicht säuerliches, erfrischendes Gärgetränk aus Osteuropa, das hauptsächlich aus Wasser, Brot (oft Roggen) und Malz hergestellt wird und durch Fermentation entsteht. Mir war bekannt, dass es geringe Mengen Alkohol enthält. In Russland durften wir Kwas sogar als Kleinkinder trinken, und mein Vater hat ihn auch beim Autofahren getrunken (in Russland gilt 0,0 Promille, nicht wie hier die 0,5-Promille-Grenze). Daher bin ich davon ausgegangen, dass es sich ebenfalls nur um Alkoholspuren handelt. Nachträglich habe ich jedoch gelesen, dass Kwas 0,5–1,5 Vol.-% Alkohol enthält, obwohl er als alkoholfreies Getränk vermarktet wird. Bei hausgemachter Herstellung oder falscher Lagerung kann der Alkoholgehalt sogar auf 2–3 % steigen – das entspricht in etwa einem leichten Bier. Wir haben Kwas nur einmal getrunken und uns etwa 500 ml geteilt. Er schmeckte nicht alkoholisch. Theoretisch wären 2–3 % möglich gewesen, aber eher unwahrscheinlich – ich denke, das hätte ich geschmeckt. Im schlimmsten Fall hätte ich etwa 250 ml mit ca. 2 % Alkohol getrunken, also ungefähr 5 g Alkohol, einmalig in der 3. SSW. Ich bin jetzt in der 24. SSW und mit dem Kind ist alles in Ordnung. Trotzdem mache ich mir Sorgen, ob ich ihm damit geschadet haben könnte. Natürlich hätte ich das nicht trinken sollen, aber in dem Moment habe ich nicht daran gedacht. Was denken Sie – war das schlimm? Vielen Dank für Ihren Blog! Deine Schwangerschaftswoche: 24


Prof. Dr. med. Serban-Dan Costa

Prof. Dr. med. Serban-Dan Costa

Beitrag melden

  Milchprodukte darf und soll man in der Schwangerschaft konsumieren. Kefir kann durch natürliche Gärung Spuren von Alkohol enthalten. Kefir enthält, je nach Hersteller zwischen 0.1% - 2 % Alkohol, was auch von dem Gärungszustand abhängt. Der von Ihnen genannte Kefir enthält bis zu 1.5% Alkohol, hier ist also der Alkoholgehalt etwas höher als bei anderen Produkten. Auch wenn diese Mengen sehr wahrscheinlich als unbedenklich gelten, wäre die Wahl eines anderen Kefirs in der Schwangerschaft eine gute Idee... Wenn Sie "gelegentlich", also nicht jeden Tag Kefir trinken, sollte das zu keinen Problemen bei Ihrem Kind führen. Die Alkoholmengen im Kefir darf man als "Spuren von Alkohol" einstufen, die man im Alltag nicht meiden kann.  Sie haben völlig Recht, dass eine "Null-Alkohol-Regel" bedeuten müsste, dass keine Lebensmittel erlaubt sind, die z.B. durch natürliche Gärung entstehen oder bei denen Hefe verwendet wird, die aus Zucker eben Alkohol erzeugt. Aber diese Empfehlung bezieht sich auf alles, was wir im allgemeinen unter Alkohol verstehen - also alkoholische Getränke wie Bier, Wein, Sekt und Spirituosen. Alkoholfreies Bier ist kein Problem, aber mehrere Flaschen davon pro Tag ist ein Problem. Unter den Schwangeren gibt es sehr wohl welche, die alkoholabhängig sind und eine etwas laschere Empfehlung würde bei diesen dazu führen, dass "richtig Alkohol" getrunken wird, weil es ihnen nicht möglich ist, die Grenze einzuhalten. Wenn Sie also keine alkoholhaltigen Getränke trinken, haben Sie das Problem  des Alkohols eigentlich gelöst. Obst, Obstsäfte und Kefir sind in der Schwangerschaft kein Problem, auch wenn hier "Spuren von Alkohol" vorhanden sind. Auch aufgebackene Brötchen sind kein Problem. Kwas kenne ich und ich weiß, dass hier die Alkoholmenge ziemlich verschieden ist. Je nach Herstellungsmethode, also je nach Sorte können auch höhere Mengen an Alkohol bis zu 4-5 % enthalten sein. Nach meiner Einschätzung haben Sie dadurch Ihrem Kind nicht geschadet, aber es ist besser, wenn Sie künftig kein Kwas in der Schwangerschaft trinken, weil die Alkoholmenge eben schwanken kann. Es besteht bei Ihnen also kein Anlass zur Sorge. 


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.

Ähnliche Fragen

Guten Tag, was ist wenn ich ein Lebesmittel nachdem ich eventuell Symtome habe einschicken lasse um möglichst zeitgerecht Antibiotika bekomme, es handelt sich um Petersilie die eventuell mit Listerien kontaminiert sind. Wo kann ich diese einschicken und testen lassen, dass ich vor den Symptomen dann Antibiotika nehmen kann, weil wenn Symptome da s ...

Sehr geehrter Herr Dr. Costa, das Thema Essen in der Schwangerschaft ist für mich leider ein "rotes Tuch"; ich mach mir ständig Sorgen und Gedanken was ich darf und was nicht. Momentan bin ich wegen folgenden Situationen am verzweifeln: 1. Am Sonntag waren wir beim Italiener essen. Ich hatte diesmal statt meiner "sicheren" klassischen Pizza ...

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Costa, ich habe in der Schwangerschaft Milka Tender bzw. die Eigenmarkte von Edeka Cream Waves gegessen und leider erst hinterher gelesen, dass hier Alkohol enthalten ist. Nun mache ich mir natürlich Sorgen. Ich weiß auch, dass solche Produkte nicht sehr gesund sind aber hin und wieder habe ich es mir doch gegönnt. ...

Guten Tag Herr Prof. Dr. Costa, gestern habe ich eine Art Dampfnudeln (Dampfschnecken) in der Pfanne zubereitet. Ich habe dafür fertigen Pizzateig verwendet, in welchem Ethylalkohol als Zutat noch vor der Hefe angegeben ist, also wahrscheinlich nicht gerade wenig. Ich habe daraus Schnecken geformt und diese anschließend ca. 20-25 min, allerding ...

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Costa! Ich möchte Sie höflich um Ihre Einschätzung zur Eignung folgender Lebensmittel in der Schwangerschaft ersuchen: 1) Veganes "Beef Jerky" mit den Zutaten: 67% texturiertes Sojamehl (entfettet), Sojasoße (Wasser, Sojabohnen, Salz, Branntweinessig), Apfelessig, Feuchthaltemittel: Glycerin, Rapsöl, Zwiebel, Kno ...

Sehr geehrter Herr Dr. Costa, ich bin in der 7. SSW und u.a. toxo-negativ. Nach 2 Fehlgeburten bin ich noch vorsichtiger als ohnehin schon. Gerade besuchen wir Familie in der Schweiz. Hier ist natürlich gefühlt alles aus Rohmilch. Am Essenstisch gibt es auch immer Salami. Meine Frage: Wenn jemand erst Rohmilchkäse und Salami anfasst und d ...

Hallo Herr Dr. Costa, wir leben seit kurzem in der Schweiz, würden aber demnächst gerne in Deutschland Lebensmittel kaufen (mir fehlen hier einfach die ein oder anderen Sachen ;-) ) wir fahren allerdings bei normalen Verkehr 3,5 Stunden.  wir würden eine Kühlbox mit Kühlakkus mitnehmen. Denken Sie das reicht aus? Gerade im Bezug auf Aufschn ...

Guten Tag, ich bin derzeit schwanger (17+6) und konnte aufgrund von Übelkeit bisher nicht sehr variantenreich essen und habe daher eher regelmäßig kleinere Snacks gegessen. An vielen Tagen habe ich 1 oder 2 Milchbrötchen oder einzeln abgepackte Schokobrötchen gegessen. Erst jetzt habe ich gesehen, dass bei beiden Produkten Alkohol auf der Zutat ...

Hallo, mich beunruhigt seit gestern eine Situation.. meine Mutter hat heute einen Nachtisch mit wenigen Tropfen Zitronensaftwürze "Säurungsmittelkonzentrat" gemacht (diese typische Flasche in Zitronenform). Im Anschluss habe ich gesehen, dass diese seit September abgelaufen ist und es wird auch geraten, diese innerhalb 30 Tage nach Anbruch zu verb ...

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. med. Costa,  ich habe folgende Nachfrage: Würden Sie während einer Schwangerschaft eher die Wurst von einer Frischetheke wie Edeka einkaufen oder ist man auf der sicheren Seite wenn man fertig verpackte Wurst einkauft? Bisher hatte ich immer nur darauf geachtet das ich keine Rohwurst einkaufe und nicht woher die Wur ...