Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Ludger Nohr:

Verhalten bei 3-Jähriger

Frage: Verhalten bei 3-Jähriger

Jahne

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Sehr geehrter Herr Dr. Nohr, Tochter (6/2015) ist sehr verkopft. Sie ist nachdenklich, fragt tiefgründig, konnte schon früh und variabel sprechen. Gleichzeitig sehr zurückhaltend, ängstlich,Mamabezogen. Kinder mag sie nicht, erst ab Schulalter. Ich vermute eine Hochsensibilität, habe ich auch. Seit nunmehr 1,5 Jahren will sie nicht mehr, dass sie bei ihrem richtigen Namen genannt wird (M.), sie wird sonst sehr wütend und traurig. Sie spielt immerzu Rollenspiele, in denen M. auch auftaucht, aber stets als Baby oder Kind, welches Fehler macht. Sie nimmt rund um die Uhr andere Rollen an, mit denen sie auch angesprochen werden will. Hinzu kommt, dass sie gewisse Worte ablehnt. Jegliche diminutiv verwendete Wörter (Bsp: Mädchen, Bettchen, -chen/-lein) kann sie nicht akzeptieren, sie wird dann sehr wütend. Auch "Kind" darf man keinesfalls sagen. Passiert es doch einmal, dann weint sie, zieht sich zurück und murmelt Dinge wie "Keiner liebt mich". Das beunruhigt mich! Wir erziehen bedürfnisorientiert, Familienbett, es gibt wenige, aber klare Regeln. Woher kommt dieses Gefühl der Ablehnung? Wenn sie (in ihren Augen) einen Fehler macht, sucht sie sofort die Schuld bei sich und scheint verzweifelt. Sie ist perfektionistisch und versucht daher Vieles gar nicht erst. Wie kann ich mit diesem Verhalten umgehen? Ist es auffällig oder ist sie halt sehr phantasievoll/sensibel? Danke!


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Liebe Jahne, was Sie beschreiben klingt nach einem Kind, was sich immer wieder von sich distanzieren muß, weil das Selbstbild nicht positiv erlebt wird. Sie scheint mit ihrem Namen Kleinheit und Fehlerhaftigkeit zu verbinden. Oft ist es auch so, dass die Kinder sich in Gestalt der Rollenfigur bestrafen um so wieder "gut" zu werden. Warum das bei Ihrer Tochter so ist, vermag ich aus der Ferne nicht zu beurteilen. Was können Sie tun? Ich glaube es ist wichtig, den Namen und die Person Tochter wieder positiv zu verbinden z.B. i.S. von "ich spiele gerne mit dir dieses Spiel, aber am liebsten spiele ich mit meiner Tochter (Namen)" o.ä.. Person und Namen müssen wieder als etwas erlebt werden können, was mit liebenswert und wertvoll assoziiert wird. Immer wieder. Rollenspiele erlauben oft einen guten Zugang zum Erleben des Kindes. Das ermöglicht besser zu verstehen, was Ihre Tochter belastet. Es ist auch nicht nötig, sofort einzugreifen, sondern erstmal geschehen lassen. Vielleicht gelingt es Ihnen ja auch mehr zu verstehen, was sie Ihnen mit den Rollenspielen sagen will und dann können Sie darauf evtl. vorsichtig reagieren. ("Das Kind denkt keiner mag es, aber ich weiß genau, dass die Mutter es sehr, sehr lieb hat" o.ä..) . Sie können also real und im Spiel dieses Selbstbild verstehen lernen und dann auch verändern helfen. Veränderung passiert nicht schnell, erwarten Sie auch keine baldige Reaktion oder gar "Einsicht". Begleiten und unterstützen Sie Ihre Tochter auf diesem Schritt. Dr.Ludger Nohr


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