Mitglied inaktiv
Lieber Herr Dr. Posth, ich habe Ihre Texte zur Entwicklung gut verinnerlicht, möchte Sie dennoch bitten um einige Beurteilungen zu Geschehen aus unserer Familienpraxis, die mir sehr wichtig sind: Folgende Konfliktsituationen treten mit unserem (in 14 Tagen) 2jährigen Sohn derzeit häufiger auf: - Umziehen, Wickeln: Er wehrt sich heftigst, schreit, als ginge es um sein Leben, und dieser Protest scheint aber recht "kontrolliert" zu sein, dh er kann von einer auf die andere Sekunde ruhig werden, wenn man ihn zb mit einer Frage überrascht. Nun hilft das nicht immer bis zum Schluß, also tritt er mit den Füßen und gelegentlich haut er nach mir/uns. Dann habe ich ihn zuletzt ein, zweimal an den Händen hochgezogen, auf den Fußboden gesetzt und aufgefordert, in sein Zimmer zu gehen, da ich seine Reaktion unmöglich fände bzw. das Hauen und Schreien nicht akzeptieren würde. Mal geht er, mal schreit und weint er nun sehr verweifelt weiter, und wenn er richtig kreischt, habe ich ihn auch schon in sein Zimmer geschoben oder gezogen (bitte stellen Sie sich das nicht zu grob vor). Bei offener Tür, selbstverständlich, dennoch ist mir diese Eskalation der Situation äußerst zuwider. Nach kurzer Zeit weint er nur noch, möchte auf meinen Arm und ich nehme ihn auch zu mir, tröste ihn und er erzählt mir noch einmal, was passiert ist, also z. B. "Paul schreit, Mama Paul Zimmer" usw. Wir rekapitulieren dann, was war, und danach ist alles wieder in Ordnung bzw. Paul eher anhänglich. Aber wie verhalte ich mich richtig? Die Provokation gerät dabei in eine Schraube, in die ich nicht geraten möchte. - Paul bittet um eine Flasche Tee. Ich mache sie ihm und stelle sie vor ihn hin, worauf er schreit "nein, Paul keinen Tee!!!". Ich nehmen ruhig die Flasche wieder fort, sage etwa "oh, ich dachte, Du wolltest einen" und im selben Moment brüllt er "Paul doch Tee!!!!" Das könnte man unendlich wiederholen. Ich bin dazu übergegangen, ihm die Flasche dann ein letztes Mal wieder hinzustellen und zu sagen - paß auf, da steht sie, wenn Du nicht trinken möchtest, dann laß es einfach sein. Wie aber reagiere ich hier am besten? Diese Situation kann ja in allen Entscheidungsprozessen auftreten und ist teilweise so nicht lösbar. Kürzlich dasselbe Beispiel mit "Paul möchte auf dem Wickeltisch sitzen bleiben". Dann - nein, runter! Nein, oben bleiben. Bis ich ihn runtergehoben habe und er vollständig ausgerastet ist. Wie kann man ein solches "Spiel" vermeiden? Um selbst ruhig zu bleiben, habe ich seinen Protest dann beim Runtersetzen ignoriert und nur noch durchgeatmet. - Wenn Paul wütend ist, haut er, z. B. auf dem Arm, neuerding gelegentlich nach uns. Wir setzen ihn dann sofort auf den Boden und sagen ihm deutlich - nein! Du haust Mama/Papa nicht, wir hauen Dich auch nicht! Er weint dann oder versucht es noch einmal. Wie reagieren wir darauf? Ich bin mir einfach nicht sicher, wie klar die Grenzen hier sein müssen. Tendenziell ist das das Verhalten, wo wir am lautesten werden. Ist das denn so anzuraten? - Andere Situation: Paul ist wütend und haut mit der Hand gegen die Wand oder (wenn auch zögerlich und nicht in unkontrollierarer Rage) den Kopf in Richtung Boden. Ich reagiere bislang sehr ruhig hierauf und sage, wenn er sich selbst schlägt - tu Dir doch nicht weh und versuche ihn abzulenken. Oder sollten wir ihn einfach gewähren lassen und seinen Zorn respektieren, auf den er ja auch "ein Recht" hat (es sieht nicht so aus, dass er sich wirklich verletzt). Er fängt dann meist selbst an zu weinen, weil er sich weh getan hat. Wie reagieren wir am besten? Ich erwarte selbstverständlich keine Patentrezpte. Aber ich wäre sehr dankbar für ein paar konkrete Hilfestellungen! Allerbesten Dank! Ihre Caraly
Liebe Caraly, in meinem Langtext hatte ich ja die Möglichkeiten zur elterlichen Reaktion aufgezählt und die Abstufung Drohen, Schimpfen, Auszeit oder soziale Trennung vorgenommen. Letzteres ist das härteste Mittel. Danach richten sie sich offenbar schon und damit liegen Sie richtig. Ebenso richtig ist auch der anfängliche Versuch, durch überraschende Aufmerksamkeitssteuerung die Eskalation noch abzuwenden oder ggf. Deeskalation zu betreiben. Danach in einfachsten Worten über den Vorgang zu reden ist ebenso in Ordnung. Mehr gibt es dann aber nicht. Wie lange man geduldig bleibt, bis man das kleine Arsenal an Interventionen einsetzt, hängt von vielen Faktoren ab. Am meisten sicherlich von der eigenen momentanen Befindlichkeit. Stark beeinflussend sind auch die sozialen Begleitumstände, unter denen das passiert. Die Tendenz des Kindes, bei Unterbinden gestischer Wut, wie Schlagen, Beißen, Treten, etc. notfalls den Impuls gegen sich selbst anzuwenden, ist bei entsprechend veranlagten Kindern verbreitet. Sie schädigen sich nicht wirklich dabei, aber sie gehen manchmal schon ziemlich weit. Man muß immer im Auge behalten, daß diese Unentschiedenheit in der Willensbekundung gerade in diesem Alter noch mit innerer Unfähigkeit zu tun hat, vom Willen zum Entschluß zu gelangen. So "titscht" der Wille wie ein Ball zwischen zwei Wünschen hin und her und will nicht zur Ruhe kommen. Auch das Kind ist genervt und seine Wut entlädt sich auch immer gegen sich selbst. Dieses geradezu tragische Element im Geschehen wird meines Erachtens viel zu wenig gesehen. Seien Sie gewiß, daß wenn Sie so vorgehen, wie jetzt hier noch einmal besprochen, das Selbstbewußtsein Ihres Sohnes sich in günstiger Weise weiter entwickelt. Viele Grüße
Mitglied inaktiv
Hallo, alles von dem was Du geschrieben hast traf auch auf uns zu. ;-))Es gab immer Stress,Geschrei und Gehaue...Aber Du machst es schon richtig´.Wir haben einfach nur konsequent gehandelt.Wollte sie sich nicht wickeln lassen - pech, dann kann sie entweder auf die Toilette oder macht eben in die Buxe.Das war dann so ca. 1 Woche Thema Nr.1 und dann gegessen.Sie wollte Brot mit Schoko (Nutella);sie bekam es und das Geschrei war groooß. Gut gab es eben gar nichts anderes mit der Bemerkung, sie hätte das Brot unbedingt haben wollen,entweder sie isst es oder es bleibt liegen.Dauerte auch seine Zeit und dann war auch der Spuk vorbei.Es kommen dann noch Phasen wie "gib mir den Bechher, den Teller,die Puppe etc",obwohl alles vor ihrer Nase liegt.Ich sagte dann immer:"Das heißt, bitte bring mir den ..." und außerdem kannst Du das alleine.Und wenn dann auch das Getobe losging,habe ich demonstrativ ne Zeitung vor meine Nase gehalten. ;-)) Ich bin da ein wenig radikaler geworden weil ich auf Dauer solche Machtspielchen auch nicht mehr ab kann.Klar,manchmal lasse ich ihr auch heute den Willen und sie "siegt",aber da wäge ich mittlerweile wie ein Profi ab.Wir hatten auch ne gaaanzzzeeee Weile so einge Sorgen, und ich habe dann mal das Ruder herumgerissen und nun haben wir ein super tolles Mädel von gerade 3 Jhren. Sag Dir immer, daß es eine Phase ist, und die hält an bis ca. 5 Jahre ..... "lol" Gruß, Jamu
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