Mitglied inaktiv
Hallo dr. Posth, ich habe eine Frage zum Verhalten meiner Tochter (15 Monate): mit 4,5 Monaten fing sie an zu fremdeln, was für mein Empfinden auch recht lange angehalten hat (ca. 4 Monate). Wir haben das immer akzeptiert, d.h. sie war meißtens auf meinem Arm und mußte nie, wenn sie nicht wollte, zu jemadem anderen. Merkwürdigerweise wollte sie immer freiwillig zu ihrer Oma auf dem Arm, obwohl die sich nicht so richtig gekümmert hat und höchstens einmal im MOnat da war. BEi ihrem VAter gab es fast immer Protest, obwohl er sich wirklich super liebevoll bemüht. Auch da haben wir sie nie gezwungen und sie konnte sofort zu mir zurück (außer ich hatte mal einen Arzttermin und mußte weg, war aber selten).Danach kam fast übergangslos die Phase der Anhänglichkeit und sie wollte nur zu mir. Auch darauf sind wir immer eingegangen. Nun ist die Situation seit 2 Wochen so, daß meine Kleine nach relativ kurzer ZEit zu fast jedem geht und auch von ihm auf den Arm genommen werden will: Ich bin davon wirklich ziemlich iritiert. Zumal es bei uns Eltern nach wie vor so ist, daß sie, wenn beide da sind, sie ausschließlich zu mir will und das auch mit Protestgeschrei durchsetzt. Mit tut das für meinen Mann sehr leid, der sich wirklich viel Zeit nimmt und sehr liebevoll mit ihr umgeht. Nun meine Fragen: ist das "normal", wenn ein Kind in diesem Alter so völlig unbedarft auf fast jeden Fremden oder BEkannten (z.B: NAchbarin) zugeht. Woran liegt es, daß es jedesmal Protestgeschrei gibt, wenn ich das HAus verlasse und sie bei ihrem Vater bleibt, während sie mir fröhlich zuwinkt, wenn sie mit ihrem Papa das HAus verläßt? Vielen Dank für Ihre Zeit und Mühe!
Liebe Silke, teilen wir die Problembereiche besser auf. also die Fremdelnreaktion im Sgl.-alter war deutlich, sogar der Vater war eingeschlossen, was eigentlich nicht ungewöhnlich ist. Die Bindung erfolgte nahezu 100% an Sie. Nur eine selten gesehene Oma war noch gelitten Das kommt vor. Handelt es sich um Ihre Mutter? Vielleicht gibt es ja Ähnlichkeiten zwischen Ihnen und der Großmutter, welche die spontane Sympathie erklären. Der oftmals nahtlose Übergang in die Anhänglichkeit wird von mir beschrieben. Die Phase dauert jetzt an, und Ihre Tochter verhält sich wie ein sicher gebundenes Kind, was nach Ihrer Zuwendungsleistung zu erwarten war. Dabei probiert sie jetzt, mit Ihnen im Rücken, den Kontakt zu anderen Menschen (ohne Angst zu haben). Die "sichere Basis"(s. mein Text) sind also Sie, aber auch der Ort, wo Sie praktisch immer anzutreffen sind. Mutter und zu Hause sind in gewisser Weise noch weitgehend identisch. Geht Ihre Tochter mit dem Vater aus dem Haus, bleibt die "sichere Basis" doppelt zurück und der Vater wird akzeptiert (Mutter-Vater-Kind-Triade). Gehen Sie aber weg, wird die "sichere Basis" geteilt und die Mutter "verschwindet". Das ist doppelte Belastung, das Kind weint. Viele Grüße
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