Mitglied inaktiv
Hallo Herr Dr. Posth, seit einiger Zeit haben wir das Problem, dass meine Tochter (fast 2) keine andere Person mehr etwas machen läßt. Egal ob Anziehen, Helfen beim Klettern oder Sonstiges, es heißt immer "Mama macht´s". Macht es dann doch nicht die Mama schreit sie wie am Spieß. Mir macht es nicht sehr viel aus, da ich unter der Woche mit ihr allein bin (Mann auf Montage) und eh alles allein bewältige. Natürlich ist der Papa immer sehr geknickt, wenn er Liara nicht mal anziehen darf. Ich habe ihren Wunsch bis jetzt immer respektiert. Nun durfte ich mir vom meiner Familie anhören, dass es so ein "Theater" in unserer Erziehung nicht gab und dass ich den anderen Familienmitgliedern die Chance nehme, sich mit Liara zu beschäftigen. Das hat mich hart getroffen. Ist es wirklich so falsch, wenn ich den Wunsch meiner Tochter nachkomme? Soll ich es durchsetzen, dass die Mama nicht immer alles macht und sie einfach schreien lassen? Vielen Dank im Voraus. Viele Grüße Ina.
Stichwort Loslösung Liebe Ina, ganz so einfach ist die Sache nicht und die Hauruck-Psychologie, die zu solchen Entwicklungen bei Kindern gerne vertreten wird, taugt zu nichts, als nur dazu, dem Kind autoritär seinen Willen zu brechen. Was man damit erreicht, ist letztlich aber eine Schwächung des Selbstbewußtsein und die demütige Anpassung an den Druck aus der sozialen Umwelt. In Wirklichkeit aber hat ein solches Kind ein fundamentales Problem. Und das haben Sie selbst schon benannt. Ihrer Tochter fehlt das Loslösungsvorbild. Damit sich in Kind aus der primären Bindung lösen kann und zu sich selbst finden, braucht es eine zweite Bezugsperson, zu der es ebenso viel Vertrauen entwickelt wie zur Mutter, wenn die die primäre Bezugsperson ist. Im Idealfall ist die zweite Bezugsperson der Vater. Der muß es aber nicht sein, wenn sich eine andere Person als Ersatzbzugsperson für den Vater findet. Das ist dann der Fall, wenn der Vater aus beruflichen oder anderen Gründen nicht verfügbar sein kann. Ist hingegen keine zweite Bezugsperson verfügbar oder zumindest nicht ausreichend verfügbar, kommt es zur erschwerten Loslösung (s. gezielter Suchlauf). So schient es im Moment bei Ihnen zu sein und das Wichtigste für Ihre Tochter wäre eine zweite zuverlässige und möglichst oft verfügbare Bzugsperson als Loslösungsvorbild. Diese Person muß es nun schaffen durch hohe Einfühlsamkeit und Zuwendung das Vertrauen Ihrer Tochter zu gewinnen, dann ist der Knoten gelöst. Viele Grüße
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