Nana1984
Sehr geehrte Frau Henkes, meine Tochter wird diesen Mai 6 Jahre alt und kommt im Herbst in die Schule. Seit ca. 1,5 Jahren klappt es, dass sie in der Kita auf die Toilette geht. Sie macht das weitestgehend alleine und es geht auch so gut wie nie was daneben. Es beschränkt sich allerdings auf das Wasserlassen, Stuhlgang macht sie keinen. Wir hatten um Ostern 2025 herum schonmal einen Windelfrei-Versuch gestartet aber nachdem sie 5 Tage keinen Stuhlgang hatte wieder abgebrochen, aus Sorge vor Verstopfung. Wir haben nun seit letzten Sonntag keine Windeln mehr im Haus und hatten ihr auch schon weit vor den Weihnachtsfeiertagen angekündigt, dass es Anfang des neuen Jahres dann keine Windeln mehr gibt. Seitdem haben wir eine sehr unschöne Situation, sobald sie den Drang hat, Wasser oder Stuhlgang zu lassen. Sie läuft in einer Tour im Haus herum, oft um den Tisch oder vom Wohnzimmer in die Küche und immer so weiter. Sie will weder essen, trinken noch spielen und ist auch extrem gereizt wenn man sie anspricht. Mein Mann und ich haben ihr mehrfach angeboten sie zur Toilette zu begleiten. Sie darf völlig frei entscheiden ob und wer sie begleitet oder ob sie alleine gehen mag. Ihr steht frei die Toilette zu wählen (es sind insgesamt 3 im Haus vorhanden), oder das Töpfchen zu benutzen. Jede Toilette ist mit einem Sitzverkleinerer ausgestattet, wir haben Hocker und Kinderseife. Meiner Meinung nach fehlt es an nichts und auch wenn man fragt, ob noch was fehlt oder was denn verändert werden muss, damit sie daheim aufs Klo geht, verneint sie. Sobald sie es nicht mehr halten kann, fängt sie bitterlich an zu weinen, wird regelrecht hysterisch wenn man sie anspricht und antwortet auch nicht auf Fragen. Sie nässt sich dann ein. Ich dusche sie danach ab und ziehe sie um, alles ohne schimpfen. Erst heute hatte sie dann seit 4 Tagen wieder Stuhlgang, das hatte sie dann in die Dusche gemacht, die Toilette direkt daneben. Auch hier habe ich nicht geschimpft, aber immer wieder angeboten, die Toilette zu nutzen. Die Erzieherinnen meinten, wenn wir nur klar genug wären in unserer Entscheidung, würde es keine 2 Tage dauern, ähnlich äußerte sich der Psychologe bei der Beratungsstelle. Wir wurden auch aufgefordert, das zu machen, sobald wir dazu bereit sind, denn sie könne es. Auch medizinisch liegt kein Problem vor. Ich frage mich, warum sie sich so wehrt, ob sie Angst hat oder ob es mal einen problematischen Zwischenfall auf der Toilette gab, das alles verneint sie. Ich habe sie auch gefragt, ob sie jemand mal im Intimbereich berührt hat oder Ähnliches, ich habe tatsächlich die Sorge, dass ihr wehgetan wurde. Das verneint sie aber und sie weiß auch, dass sie da niemand anfassen darf, außer zum Saubermachen. Wenn ich jetzt einen Rückzieher mache und ihr die Windeln wieder gewähre, mache ich mich doch unglaubwürdig. Gleichzeitig macht es mich fertig, sie so aufgelöst und offensichtlich hilflos zu sehen, zumal auch der komplette Ablauf in unserer Familie dann kippt, an Kochen oder Abendessen ist z. B. nicht mehr zu denken. Sie hat noch eine kleine Schwester mit 15 Monaten, könnte hier der Grund liegen? Haben Sie Tipps, wie wir vorgehen sollten? Könnte es sein, dass wir als Eltern etwas falsch gemacht haben? Braucht sie tatsächlich einfach noch mehr Zeit und sollen wir sie tatsächlich alleine den Zeitpunkt entscheiden lassen? Auch bei oder mit den Großeltern möchte sie nicht zur Toilette. Ich bedanke mich für Ihre Rückmeldung. Viele Grüße, Nana
Guten Tag, da kein medizinisches Problem besteht, liegen der Stuhlverweigerung Ihrer Tochter vermutlich psychische Gründe zugrunde. Bei dieser Problematik handelt es sich oft weniger um Angst als um unbewusste Aggressionen, die Ihre Tochter den Stuhl nicht hergeben lassen. Da die psychischen Prozesse nicht bewusst sind, kann Ihre Tochter Ihnen nicht erklären, warum sie die Toilette nicht benutzt. Nach Ihrer Beschreibung des abendlichen Geschehens gibt das Symptom Ihrer Tochter viel Macht in der Familie. Rivalität zur jüngeren Schwester kann auch eine Rolle spielen, da Ihre Tochter sich mit ihrem Verhalten Aufmerksamkeit sichert. Es könnte sinnvoll sein, dem Thema die Aufmerksamkeit zu entziehen. Lassen Sie sie herumlaufen und gereizt sein. Sie brauchen darauf nicht zu reagieren. Sie brauchen auch keinen Rückzieher zu machen und ihr wieder die Windel geben. Möglicherweise bewirkt der Entzug der Aufmerksamkeit für die Problematik bereits eine Verhaltensänderung. Ansonsten kann Ihnen sicherlich der Psychologe, den Sie bereits zu Rate gezogen haben, am sinnvollsten weiterhelfen, um die Ursachen für das Verhalten Ihrer Tochter herauszufinden. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
Redaktion
Test aus der Redaktion. 2. Text 3. Text und noch ... 4. Text 5. Text
Nana1984
Guten Tag Frau Henkes. Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit und die Antwort auf meine Frage. Wir haben es nun versucht, dem Thema möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Jedoch ist ja alleine das Saubermachen, nachdem sie sich eingenässt oder eingekotet hat Aufmerksamkeit, die wir ihr zukommen lassen, auch wenn wir es zügig erledigen, wenig kommentieren, auf das Nötigste beschränken und danach rasch wieder zum regulären Tagesablauf übergehen. Wir können ja auch nirgends mehr mit ihr hingehen, was länger als 2 oder 3 Stunden geht. Als nächstes steht der Geburtstag ihres Großvaters an, der groß im Restaurant gefeiert wird. Dort sind wir sicher 5-6 Stunden und ich möchte diesen Termin weder absagen und gleichzeitig mich aber auch nicht blamieren, wenn meine Tochter ihr Geschäft in die Hose verrichtet. Wir haben ihr auch gesagt, dass so kein Übernachten bei den Großeltern mehr möglich ist und auch keine Besuche zum Spielen bei Freundinnen. Wie haben es auch mit einem Belohnungssystem versucht. Das alles beeindruckt sie überhaupt nicht. Wir haben nun damit begonnen, dass sie sich selbst saubermachen und ihre schmutzige Kleidung zum Trocknen aufhängen muss. Sie muss sich alleine saubere Kleidung holen und selbst anziehen. Wir haben ihr gesagt, dass wir ihre Kleidung nicht mehr waschen, so dass sie irgendwann nichts mehr zum Anziehen hat. Wenn es so wie bisher weitergeht, dauert das max. eine Woche, dass ihr nichts mehr an Unterbekleidung zur Verfügung steht und da sind sämtliche Jeans, Strumpfhosen, Jogginghosen und warme Strumpfhosen, die sie in Kombination mit Kleid oder Rock tragen kann gemeint. Natürlich werden wir alles waschen, aber außerhalb ihres Kleiderschranks lagern, so dass sie keinen Zugriff darauf hat. Meinem Verständnis nach sollte das doch eine positive Veränderung und ein Einsehen meiner Tochter nach sich ziehen. Nach wie vor sagt sie, sie hat keine Angst und auch keinen Ekel davor, wovon ich auch nicht ausgegangen bin, da sie ja im Kiga wenigstens zum Wasserlassen sehr verlässlich auf die Toilette geht. Ein neuer Termin bei der Elternberatungsstelle ist vereinbart, allerdings erst in 2 Wochen. Mit der Bezugserzieherin ist ein Termin zum Entwicklungsgespräch vereinbart, aber auch das dauert noch. Ich glaube alle hatten erwartet, dass sie zur Toilette geht, sobald sie keine Windeln mehr bekommt. Dass meine Tochter nun so ein Durchhaltevermögen zeigt bringt mich und meinen Mann richtig an die Grenzen und lässt uns natürlich auch an uns zweifeln. Am meisten ärgert mich, dass wir dadurch als Eltern bzw. als Familie so eingeschränkt sind, indem wir nie länger weggehen können. Wenn mal was in die Hose geht ist das kein Ärgernis für mich, aber wenn mit Absicht in die Hose gemacht wird schon. Vielleicht haben Sie noch eine Idee wie wir vorgehen können, damit sich die Situation entspannt, ich wäre Ihnen dafür sehr dankbar. Herzlichen Dank und viele Grüße. Nana
Liz123
Das arme Kind kann einem einfach nur leid tun. Ich verstehe sie total, dass sie bei solchem Psychoterror durch euch Eltern dicht macht. Gebt ihr die Windel und gut ist
Nana1984
Und wie lange soll ich das deiner Meinung nach noch so laufen lassen? Es ist immer vieles einfach dahergesagt, wenn man nicht selbst in der Situation ist. Soll ich sie mit Windel in die Schule lassen? Wie soll sie in der Schule den Toilettengang absolvieren wenn sie es daheim nicht übt? Hast du darauf Antworten? Dann immer her mit.
Liz123
Lol, es ist nicht meine Aufgabe, fremder Leute Kinder zu erziehen 😀 Ihr müsst aber mal den psychischen Druck aus der ganzen Situation nehmen, so ist es total festgefahren und wird nicht besser werden durch Strafen. Und beim Zur-Toilette-Gehen gibt es nichts zu üben, jedes Kind hat sein eigenes Tempo, da kann man als Eltern nichts gegen tun. Und wenn man es zu früh auf die Toilette drängt, kommt eure Situation dabei raus
Nana1984
Dann geb hier auch keine Kommentare ab wenn du nichts Sinnvolles beitragen möchtest. Meine Tochter ist fast 6 Jahre alt und sämtliche Erzieher und der Psychologe der Beratungsstelle haben mir zu genau dieser Vorgehensweise geraten. Aus freien Stücken hätte ich mich nicht dazu entschieden, nachdem mir die Fachleute aber den Sachverhalt erklärt haben, leuchtete mir ein, dass das wohl so am ehesten fruchtet.
Schnecki2014
Ich kann dich voll und ganz verstehen und finde den Kommentar völlig unnötig und überheblich. Meine Söhne (Zwillinge) haben auch lange Windel gehabt und sich geweigert, groß aufs Klo zu gehen. In der letzten Ausbaustufe haben sie sich selbst eine Windel geholt und angezogen, um da groß reinzumachen. Ich habe mir das viel länger angeschaut als mein Mann wollte. Dann habe ich einen Schlussstricht gezogen - und es war die totale Katastrophe. Sie sind weinend am Klo gesessen und nichts ist rausgekommen. Ich schätze da waren sie 5. Mir hat das so weh getan, ich habe nur 2 Tage oder so durchgehalten, dann haben sie wieder Windeln bekommen. Ich glaube es war dann 6 Monate oder so später, da habe ich den zweiten Anlauf genommen. Ich hab ihnen eine Windelpackung gezeigt und hab ihnen gesagt, dass es keine Windeln mehr gibt, wenn die hier leer ist. Und tatsächlich hat es funktioniert. Plötzlich ist es gegangen. Kleine Einschränkung, sie sind jetzt 9 und lassen sich immer noch von mir den Popo wischen, was ich auch tue. Das ist meine nächste und hoffentlich letzte Baustelle bei diesem Thema. Ich kann dir also leider nur mein Mitgefühl anbieten. Rein vom Bauchgefühl her würde ich sagen, gib nochmal die Windel zurück und starte in 6 Monaten einen neuen Anlauf mit viel Vorlaufzeit. Weil so ist die Situation für euch alle untragbar. Und versuche in der Vorlaufzeit mit ihr zu reden. Üben muss sie für die Schule sicher nichts, weil entweder es funktioniert oder nicht. Da reicht es auch, wenn es am Tag vor Schulbeginn das erste Mal klappt. Ich wünsche dir gute Nerven. LG, Schnecki
KielSprotte
Jetzt bloss nicht Einknicken und zurück zur Windel. Da sie seit 1.5 Jahren im Kiga selbstständig auf Toilette geht, ist klar, dass es nicht ums Thema "Sauber werden" geht, sondern sie sich im schönsten Machtkampf mit euch befindet.
Guten Tag, solche Veränderungsprozesse brauchen Zeit. Wenn ein Verhalten bereits lange besteht, dauert es eine Weile, bis es sich verändert hat. Sie erwarten sicherlich von Ihrer Tochter zu viel, wenn Sie auf ihre Einsicht setzen. Die kann sie in diesem Alter noch nicht haben. Es geht darum, dass Sie diesem Machtkampf die Grundlage entziehen. Dabei benötigt Ihre Tochter Ihre Begleitung und Konsequenz. Ihr frische Wäsche zu entziehen, bedeutet eine Bestrafung für sie und wird sie nicht zu einer Änderung motivieren. Sie sitzt da am längeren Hebel, denn wenn sie nichts mehr zum Anziehen im Schrank hat, haben Sie vermutlich ein Problem. Kinder benötigen in solchen Situationen die geduldige Begleitung ihrer Eltern. Das kann für Eltern auch bedeuten, auf etwas zu verzichten, wenn ein Kind aufgrund einer aktuellen Situation nicht mitgenommen werden kann. Vielleicht könnte einer von Ihnen bei der Tochter bleiben, während der andere an der Geburtstagsfeier teilnimmt. Das würden Sie bei einer Krankheit sicherlich nicht anders machen. Ihr Ärger über die beschriebenen Einschränkungen ist sehr verständlich. Trotzdem wäre es hilfreich zu versuchen, ihn zu überwinden. Ihre Tochter ist in einem Alter, in dem Kinder ihre Handlungsmächtigkeit erproben. Sie wird unbewusst erfreut registrieren, dass sie mit so wenig Aufwand und einer so kleinen Handlung wie dem Einnässen , bei Ihnen so starke Gefühle auslösen kann. Dem können nur Sie die Grundlage entziehen. Alles Gute Ingrid Henkes
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