Mitglied inaktiv
Hallo, nochmal zu meiner 10 Monate alten Tochter. Sie ist sehr Mamafixiert und weint , wenn ich den Raum verlasse. Sie beruhigt sich schnell und lässt sich ablenken, aber erst weint sie halt. Wenn Papa geht ist das nicht so. Sie weint auch auf seinem Arm, wenn ich nur zur Toilette gehe, selbst wenn sie mich weiter reden hört. Wenn ich allein mit ihr bin, ist es fast unmöglich den raum zu verlassen ohne sie mitzunehmen. Sie hat schon Krabbeldecken in jedem raum mit Spielzeug damit ich überhaupt etwas schaffe. Ist das eine Art fremdeln oder Erziehungssache? Ist sie einfach verwöhnt oder ist das eine Phase die vergeht. Wie verhalte ich mich? Danke, Melanie
Liebe Melanie, eigentlich kann man dieses Verhalten nicht mehr als Fremdeln bezeichnen. Man verwendet hierfür besser das Wort Anhänglichkeit. Diese Anhänglichkeit ist Ausdruck der entstandenen Mutter-Kind-Bindung. Im Gegensatz zur Mutter begehrt das Kind in diesem Alter aber die totale Bindung, und zwar deswegen, weil sein Selbstverständnis noch an das (sichtbare) Vorhandensein der Mutter gebunden ist. Im Klartext heißt das, daß bei Verschwinden der Mutter aus dem Gesichtsfeld über kurz oder lang (je nach Temperament und Charakteranlage, aber auch nach Vorerfahrungen im Umgang mit seinem Fremdeln) das Kind Angst bekommt, in seiner Verlassenheit quasi verloren zu gehen. Daher weint es ziemlich bald, um seine Mutter zurückzurufen und um seinen negativen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Mit Verwöhnen oder Falschbehandeln hat das nichts zu tun. Abhärten für diesen Moment, wie manche wenig einfühlsame Menschen fordern, geht aus Gründen der gefühlsmäßigen und geistigen Entwicklung noch lange nicht, und tut man es fälschlicherweise doch, dann führt das zur Vermeidung von tatsächlichen Gefühlen beim Säugling um des Überlebens willen mit dem Effekt, daß sich mit der Zeit eine unsicher-vermeidende Bindung herausbildet (s. mein Langtext, Teil 2). Letztlich erscheint jetzt das Kind unberührt von der Situation, ist aber innerlich extrem angespannt und ängstlich besorgt um sein Wohl, was ungünstige Auswirkungen auf die weitere seelische Entwicklung hat. Die Anhänglichkeit nimmt im zweiten Lebensjahr unter Normalbedingungen ab, wobei die Bindungssicherheit und die Zuverlässigkeit der Mutter eine entscheidende Rolle spielen. Viele Grüße
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