Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Entwicklung 5 Jähriger

Frage: Entwicklung 5 Jähriger

Bto.20

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Hallo,  mein Sohn wird in wenigen Tagen 5 Jahre alt. Vor 4 Monaten ist er große Bruder geworden. Auch vor meiner Entbindung hat er sich "anders" als gehabt verhalten. Also denke ich, dass es mit der schwesterchen nichts zu tun hat eigentlich. Dennoch ist er gegenüber uns sehr aggressiv, gegenüber seinen Freunden ist er wie gehabt und reagiert lang nicht wie er bei den erwachsenen reagiert. Heißt, er diskutiert sehr viel, schreit oder schubst uns wenn nicht es nach seinem plan läuft.  er darf täglich 45-50 Minuten Medien konsumieren ob es Tablet (Edurino), Nintendo oder Tv schauen ist. Er entscheidet selbst. Es war schon immer so. Seit paar Monaten diskutiert er darüber, dass er mehr gucken möchte und er selbst entscheidet darf und ich nichts zu melden habe.  hinzu kommt noch das lügen. Egal ob es was schlimmes ist oder nicht. Er lügt und wenn man ihm mit der Wahrheit konfrontiert kommt meistens " ich habs nicht gesehen".  wir versuchen seit einiger zeit mit ihm das Fahrrad zu lernen. Wir haben viele Nachbarschaften mit gleichaltrigen Kindern. Alle sind im guten wetter mit den Fahrrädern draussen und meiner schaut denen zu. Wenn ich ihn anspreche und versuche es mit ihm lernen zu wollen lehnt er es ab und streickt komplett.  Ich weiss nicht mal was ich mit ihm machen soll. Ich versuche mit ihm zu reden oder die taten manchmal zu ignorieren. Alles funktioniert nicht.  wenn er bestraft wird zb kein medien konsum ist es ihm total egal und akzeptiert es.  was könnte los mit ihm sein und wie kann ich mit ihm umgehen damit es zuhause etwas mehr harmonischer wird.  danke 


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, Ihr Sohn scheint sich in einem Machtkampf mit Ihnen zu befinden. Er will sich behaupten und autonom fühlen. Es fällt ihm noch schwer zu akzeptieren, dass Sie die Regeln vorgeben und zu bestimmen haben. Das kommt bei Fünfjährigen häufig vor. Es ist auch ganz in Ordnung, dass Ihr Sohn sich behaupten will. Er muss jedoch auch lernen, Grenzen zu akzeptieren, die Sie ihm setzen. Zu solchen Situationen gehören Konflikte dazu. Die gilt es, gemeinsam zu lösen. Ignorieren hilft hier nicht weiter. Ihr Sohn benötigt dabei Ihre Unterstützung, damit die Bewältigung dieser Konflikte ihm weitere Entwicklungsschritte ermöglicht. Es gibt sicherlich Themen, die Sie mit Ihrem Sohn diskutieren können. Das fördert die Autonomieentwicklung. Es gibt aber auch Themen, wo Sie entscheiden, ohne das zu diskutieren. Der Medienkonsum gehört unbedingt dazu. Die Medienzeit Ihres Sohnes ist ohnehin schon sehr hoch für einen Fünfjährigen. Zeigen Sie Ihrem Sohn, dass Sie seinen Ärger verstehen, wenn er etwas nicht darf oder bekommt. Er kann noch nicht genügend Frustrationstoleranz haben. Die muss er erst mit Ihrer Hilfe erlernen. Machen Sie jedoch auch deutlich, dass Sie trotz seines Ärgers wollen, dass er auf Sie hört. Bei Fünfjährigen sind Reden und Ermahnungen noch nicht so hilfreich wie Handlungen. Hindern Sie Ihren Sohn daran, bestimmte Dinge zu tun. Suchen Sie sich dafür zunächst einige wichtige Situationen aus, bei denen Sie sich durchsetzen. Alles auf einmal kann Ihr Sohn nicht ändern. Verhindern Sie, dass Ihr Sohn Sie schubst oder angreift. Es tut Ihrem Sohn nicht gut, wenn er damit durchkommt. Unbewusst muss er dann ständig fürchten, dass Sie sich von ihm abwenden, weil er so aggressiv ist. Das ist angesichts der Konkurrenz durch die Schwester nicht gut für seine psychische Entwicklung. Lügen haben bei Kindern im Alter Ihres Sohnes noch einen anderen Stellenwert als bei älteren Kindern oder Erwachsenen. Kinder versuchen, durch Lügen Nachteile wie Strafe oder Beschämung zu vermeiden. Moralische Kategorien können für Fünfjährige noch keine große Bedeutung haben. Diese bilden sich erst später heraus. Signalisieren Sie Ihrem Sohn, dass Sie wissen, was sich in einer bestimmten Situation abgespielt hat. Es ist jedoch noch nicht hilfreich, ihn mit seinen Lügen zu konfrontieren. Sie können ihm sagen: "Ich dachte, du wüsstest auch, wie es gewesen ist." Ich gehe nicht davon aus, dass Ihrem Sohn Strafen egal sind. Er wird eher nur so tun, als seien sie ihm egal, um sich vor Ihnen keine Blöße zu geben. Das ist jedoch keine wünschenswerte Entwicklung, da Ihr Sohn so seine wahren Gefühle zu verbergen sucht. Helfen Sie ihm dabei, sich wieder zu trauen, Ihnen seine wahren Gefühle zu zeigen. Das stärkt Ihre gute Beziehung. Fünfjährige müssen nicht Radfahren können. Lassen Sie Ihrem Sohn Zeit, sich in seinem Tempo auf das Radfahren einzulassen. Ohne Druck wird er den anderen Kindern bald nacheifern wollen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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