Sylvia Ubbens

Vater wird aggressiv, Grenzfall?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo, eine sehr gute Freundin und Mutter meines Patenkindes hat sich hilfesuchend an nicht gewandt. Da ihr Mann immer wieder aggressiv gegenüber den Kindern 1 1/2 und knapp 4 wird. Ich empfinde es als schwer die Lage richtig einzuschätzen und komme am meine Grenzen. Es ist wohl so: Ihr Mann wird wenn die Kinder ihn provozieren oder sich gegenseitig "verletzen" (Haare ziehen o.ä.) sehr laut und schubst auch die Kinder Recht unsanft aus dem Weg. Des weiteren hält er ihnen wenn sie nach seinem empfinden zu laut sind sehr fest den Mund zu, so dass man danach seine Fingerabdrücke sieht usw. Also er schlägt die Kinder nicht aber tut ihnen doch immer wieder weh, packt sie bewusst zu fest an. Und verbal wird er sehr laut. Ich habe mit ihm gesprochen ( ich bin Erzieherin) und es sind Situationen in denen er überfordert ist. Ich habe ihn versucht die Kinder zu erklären (warum trotzt ein fast 2 jähriger, warum wiederspricht eine 4 Jährige usw) er versteht es von Kopf her und trotzdem handelt er so und ist auch nicht bereit es wirklich zu ändern "die Kinder sollen spüren dass es so nicht geht".
Meine Freundin ist verzweifelt. Sie versucht ihrem Mann so viel Luft zu geben wie es geht damit er nicht so angespannt ist, trotzdem kommt es immer wieder zu diesen Momenten.
Ich weiß nicht mehr was ich ihr raten soll, zwar ist es nie so heftig dass wirkliche Verletzungen entstehen, trotzdem sollte m.M.n so nicht mit Kindern umgegangen werden. Was raten sie? Kann sie was tun. Soll sie das Jugendamt benachrichtigen? Würde das überhaupt was tun in so einem Fall?

von Löwenmädchenmama am 07.01.2020, 10:26 Uhr

 

Antwort auf:

Vater wird aggressiv, Grenzfall?

Liebe Löwenmädchenmama,

meine Vorrednerinnen haben schon gut und ausführlich geantwortet. Ich werde die Worte hier nicht wiederholen. Mir bleibt nur zuzustimmen, dass eine Erziehungsberatung ein erster richtiger und wichtiger Schritt sein kann.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 08.01.2020

Antwort auf:

Vater wird aggressiv, Grenzfall?

Du schreibst ja selbst, er ist überfordert. Ich verstehe das so, dass er das eigentlich so nicht will, sich aber nicht anders zu helfen weiß?
Jugendamt - was sollen die tun? Ihrem Mann die Leviten lesen? Würdest du es einschalten mit der Begründung "Familie/Vater ist überfordert und Gesprächen nicht zugänglich - ok. Aber die Mutter ruft an und beschwert sich über den Vater - ihren Mann? Ich glaube, da sind sie noch nicht wirklich zuständig. Sie könnte anrufen und nach Stellen fragen, wo ihrem Mann geholfen wird, Erziehung anders zu sehen und auszuüben.
IHM müssten ja Möglichkeiten aufgezeigt werden, anders mit diesen Situationen umzugehen.
Ich würde es daher erst mal mit einer Erziehungsberatung versuchen in der Hoffnung, dass ihm dann klar wird, das er etwas ändern muss und kann. Oder ein Kurs wie "Starke Eltern - starke Kinder".
Die Frage ist: würde er sich auf so etwas einlassen? Oder ist er eher der Meinung, er macht alles richtig und würde sich noch mehr in die Eck gedrängt fühlen?

Fakt ist natürlich, dass er eine Form von Mißhandlung ausübt - also körperlich wird ohne akut zu verletzen, Macht ausübt. Auch häufiges Anschreien ist eine Form von psychischer Mißhandlung. Ja, das Wort klingt hart und man bringt es eigentlich hauptsächlich mit Verletzungen in Verbindung - das JA sieht das aber anders (ich habe wegen einer Familie da mal nachgefragt, daher weiß ich das).

Wenn er Hilfsangebote nicht annehmen will, wird der Mutter im Endeffekt nichts anderes übrig bleiben, als ihn vor die Wahl zu stellen, das er sich Hilfe sucht, um einen anderen Umgang mit Stresssituationen zu erlernen oder ...

Ich persönlich würde meine Kinder schützen wollen vor einer Kindheit mit einem übergriffigen, in gewissem Sinne Gewalt ausübenden Vater. Sorry.
Ich weiß, das klingt hart und solche Überlegungen sind auch hart. Aber wie gesagt: es geht um Kindeswohl und eine Erziehung ohne Gewalt und Angst vor Gewalt.

Ich würde auch mal grundsätzlich überlegen, ob die Ursache evt. eigentlich woanders liegt - zB im Job. Wo er seinen Frust evt. nicht äußern kann oder sich nicht traut und deswegen zu Hause so reagiert.

von cube am 07.01.2020

Antwort:

@cube

Also hmm, ja er weiß dass es nicht richtig ist, im Sinne von gesellschaftlich nicht gewollt, er versteht auch das es den Kindern nicht langfristig "hilft", trotzdem handelt er so. Ein Beispiel: er versucht das Kleine ins Bett zu bringen, es schläft fast da sagt das große Kind: Papa ich muss Pipi dann springt er auf und hält ihm den Mund richtig fest zu. Er ist wütend weil er sich sicher ist dass große Kind muss nicht wirklich und das kleine nun wieder wach ist. Er hat sein Temperament nicht im Griff. Wenn man ihn später in Ruhe frägt ob das richtig war weiß er schon dass es dass nicht war, aber er findet es auch überhaupt nicht schlimm.
Ich frage mich ob eine Erziehungsberatung etwas bringt. Erklärt ihn diese nicht warum die Kinder so handeln und erklärt was seine Handlungen für Ursachen haben? All das weiß er.
Momentan versucht meine Freundin alles um ihn zu entlasten und Luft zu geben, nach meinem Empfinden hat er echt viel Ausgleich und Raum für sich.

Ich empfinde es genau wie du das es so nicht geht, aber was wären die Alternativen? Würde sie sich trennen hätte er die Kinder immer wieder ganz alleine und wäre noch mehr überfordert. Tatsächlich bin ich Ideen los inzwischen, ich hatte gehofft meine Erklärungen würden helfen, weil er immer wieder betont dass er meine Art mit Kindern zum zu gehen sehr schätzt, tja.

von Löwenmädchenmama am 07.01.2020

Antwort:

@cube

Erziehungsberatung erklärt ja nicht nur, warum Kinder wie handeln, sondern auch, wie man darauf am Besten/besser reagieren könnte.
Natürlich müsste man der Dame oder dem Herrn auch reinen Wein einschenken und klar sagen, dass man leider selbst zu den falschen Reaktionen neigt.

Erziehungsberatung kann auch rein den Eltern zugewandt sein im Sinne von Gespräch genau darüber. Dann versucht herauszufinden, warum derjenige sich nicht "im Griff" hat bzw. eben Tipps gegeben, wie man sich selbst erst mal runterfahren kann bevor an so reagiert.

Letztendlich wird aber niemand helfen können, wenn er gar nichts ändern will und/oder die Situation geschönt darstellt.

War es denn schon immer so? Oder erst / verstärkt, seitdem das 2. Kind dazu gekommen ist? Oder vielleicht sogar erst seit kurzem? Da komme ich wieder auf das Thema, es hat vielleicht gar nichts mit dem Verhalten der Kinder zu tun, sondern Stress an anderer Front.
Aber auch hier müsste er selbst diese Erkenntnis erlangen, um dann auch etwas ändern zu können.

Das er bei solch banalen Dingen wie "muss Pipi" so reagiert, finde ich schon echt hart. Das ist ja nicht einmal eine Situation, die wirklich stressig ist wie Theater weil man nicht ins Bett will etc

Ich glaube leider, wenn er nicht begreift, das es eben doch schlimm ist und nicht normal (ob durch dich oder eine externe Stelle) wird die Mutter kaum eine Chance haben, als ihn da tatsächlich vor eine Wahl zu stellen. Ob er dann die Kinder unter diesen Umständen überhaupt sofort alleine haben betreuen dürfte, müsste ja erst geklärt werden. Wenn die Mutter beim JA angibt, das sein Umgang mit den Kindern der Trennungsgrund war, könnte es schon sein, dass er erst mal nur unter Aufsicht darf.

Aber ich will hier niemanden zu einer Trennung drängen! Viel sinnvoller fände ich, dass er eben etwas tut, um die Situation zu ändern. Aber ja, in letzter Konsequenz würde ich meine Kinder schützen wollen und wenn das nur unter dieser Option noch möglich ist ...

von cube am 07.01.2020

Antwort:

@cube

Vielleicht kannst du ihm ja mal schildern oder besser mit Fachartikeln aufzeigen, was ein solcher Machtmißbrauch mit Kindern macht. Welche Probleme oder auch Ängste Kinder dadurch entwickeln können?

Kann es auch sein, dass er es selbst nicht anders kennt? Er als Kind zu gehorchen/funktionieren hatte und seine Eltern sich auch so gar nicht um seine Gefühle geschert haben? Gerne kommt ja dann "hat mir auch nicht geschadet" oder "heute dürfen Kinder eh viel zu viel", "ich lass mir doch nicht auf der Nase herumtanzen"

von cube am 07.01.2020

Antwort:

Nein, das ist kein Grenzfall...

Das ist kein Grenzfall mehr, hier gibt es nichts schönzureden. Sondern das ist Gewalt gegen Kinder. Und wenn der Vater sich schon bei sehr kleinen, körperlich noch zierlichen Kindern nicht beherrschen kann, wie heftig werden seine Ausfälle werden, wenn die Kinder im Schul- oder Teenie-Alter sind? Wenn sie wirklich gegenhalten, also weitaus energischer, als sie das jetzt können? Kinder legen sich mit ihren Eltern an, und Teens erst recht. Das wird nicht gutgehen, wenn er sich nicht ändert.

Egal, ob es um Deine Freundin oder vielleicht sogar um Dich selbst geht: Hier darf man sich nicht selbst beschwichtigen, sondern muss ehrlich sein. Das heißt: Der Vater braucht eigentlich eine Therapie. Da er dazu aber vermutlich, wie die meisten Männer, keine Lust haben wird, ist zumindest eine Erziehungsberatung dringend nötig. Wie eine Vorrednerin schon sagte: Hier geht es nicht nur ums Kind, sondern um die Gesamtfamilie. Auch die Eltern erhalten Tipps, wie sie Konfliktsituationen im Alltag mit Kindern adäquater lösen können.

Wenn mein eigener Mann in so einem Fall nicht bereit wäre, ein paarmal zur Erziehungsberatung mitzukommen, könnte ich nicht mit ihm leben. Kinder von Vätern, die verbal oder gar körperlich (Packen, Schubsen) gewalttätig sind, haben ein extrem hohes Risiko, später eine Angststörung, Depressionen oder Alkoholmissbrauch zu entwickeln. Es gibt eigentlich kein Kind, das heil aus so einer Situation herauskommt.

LG

von Lillimax am 08.01.2020

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