Sylvia Ubbens

Total weinerlich

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo Frau Ubbens,

mein Sohn ist jetzt 3 1/4 und seit einiger Zeit total weinerlich geworden. Bei jedem noch so kleinen Pups fängt er an zu heulen und zu jammern und kann sich nur schwer beruhigen. Am Anfang bin ich da auch noch drauf eingegangen, hab versucht ihn zu trösten und Verständnis auszusprechen - selbst wenn es keinen wirklich "Grund" dafür zu geben schien, außer dass er eben nicht das bekam was er wollte. Aber dadurch wurde es nur noch schlimmer und inzwischen heult er wirklich bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit.

Dazu kommt, dass der kleine Bruder (1,5) nicht gerade zurückhaltend ist (war der Große in dem Alter aber auch nicht) und eher wie der Elefant im Prozellanladen durch die Gegend tollt. Wenn der große Bruder heult feuert ihn das nur noch mehr an.

Natürlich will jeder immer genau mit dem Ding spielen, das der andere sich gerade zuerst ausgesucht hat. Den Kleinen kann ich ja ab und an noch überzeugen, was anderes zu nehmen, beim Großen bricht sofort der Staudamm und er sitzt heulend am Boden. Der Kleine sieht das und patscht ihm auf den Kopf - soll aber glaube ich eher ermutigend sein - und dann heult der Große noch mehr, denn der Kleine hat ihm dann ja sooooooooooo sehr wehgetan. Dann wird Geschubst und rumgehauen und der Große heult noch mehr, weil der Kleine wenig zimperlich ist, wenn er sich in die Enge getrieben sieht - hat er gut vom großen Bruder gelernt.

Irgendwann nimmt der Große dem Kleinen dann das Spielzeug einfach weg und dann heult natürlich der Kleine.

So allmählich nervt mich das ehrlich gesagt extrem.

Am Anfang hab ich in solchen Situationen noch versucht zu schlichten, aber inzwischen bin ich der Meinung sollen sie das auch mal unter sich ausmachen. Ich dachte, der Große hat dadurch etwas mehr Rückgrat und setzt sich auch mal gegen den Kleinen durch - und umgekehrt kapiert der Kleine vielleicht mal, dass er nicht einfach die Sachen vom Großen nehmen darf, wenn der damit spielt. Aber irgendwie bekommen es die beiden nicht auf die Reihe, das unter sich zu klären. Vielleicht sind sie wirklich einfach noch zu klein.

Aber wenn ich eingreife, dann wird das Geschrei auch nicht weniger.

Der Große darf den Kleinen auch mal zurückschlagen (wurde mir von der KiÄ geraten), das scheint aber keinem von beiden zu helfen. Der Kleine kapiert trotzdem nicht, dass er nicht der Chef ist und der Große sitzt weiter weinend am Boden.

Und natürlich lassen sich beide dann auch nur und ausschließlich von Mama trösten, was zum nächsten Streit führt, denn jeder ist der Meinung, dass Mama ja bitte schön nur ihn trösten darf.

Beide bekommen ihre Portion Mama, der Große noch eher als der Kleine, weil der sich wenigstens ab und zu mal von Papa ins Bett bringen lässt.

Was mich am meisten nervt ist die ständige Weinerei beim Großen. Der Kleine beruhigt sich ja sofort wieder, wenn der Streit vorbei ist, aber der Große heult quasi beim nächsten Krümel, der auf den Boden fällt schon wieder los, weil's ihm nicht recht ist. Manchmal hat man den Eindruck er sucht zwanghaft etwas, bei dem er genau weiß, dass er es jetzt nicht darf, nur damit er wieder losheulen kann.

Ist das noch normal und "nur" im Rahmen vom Trotzalter?

Wie kann ich dem Großen den Rücken stärken, damit der nicht immer bei jeder Kleinigkeit gleich losheult?

Es ist halt echt in jeder Situation, wo irgendwas nicht 100%ig nach seinem Kopf geht. Selbst wenn man ihm eine Alternative anbietet.

Gestern hat er geheult, weil er (nachdem eine andere Spielidee drinnen abgelehnt werden musste, weil er das nur spielen darf, wenn der Kleine im Bett ist) noch mal draußen spielen wollte. Also hat Papa ihm angeboten, er geht mit ihm raus, wenn er noch mal auf Toilette geht vorher. Das Geheule ging weiter, weil er eben nicht auf Toilette sondern rausgehen wollte. Es hat fast fünfzehn Minuten gedauert bis er sich endlich aufs Klo bequemt hat (was auch bitter nötig war, wie man dann gesehen hat) und danach rausgehen konnte. Kaum saß er auf dem Klo war alles wieder gut.

Mein Mann ist wirklich extrem geduldig (deutlich mehr als ich) und hat verdammt gute Nerven, aber selbst er ist allmählich bis zum äußersten genervt von dem ständigen heulen und schreien.

Vielen Dank

LG Lilly

von lilke am 14.02.2018, 11:32 Uhr

 

Antwort auf:

Total weinerlich

Liebe Lilly,

Ihr großer Sohn war immer derjenige, der bestimmen konnte. Seit ein paar Wochen ist nun der kleine Bruder zum wahren Konkurenten geworden. Er weiß sich nicht mehr zu helfen und weint. Erst war es nur die Hilflosigkeit über weggenommenes Spielzeug, die sich nun auch auf andere Lebensbereiche übertragen hat.

Streiten sich die Brüder um ein Spielzeug, dann schreiten Sie gleich ein. Lassen Sie es erst gar nicht zum großen Weinen kommen, aus dem Ihr Sohn so schlecht wieder herausfindet. Die Jungs sind noch so jung, dass sie solche Streitigkeiten noch nicht alleine klären können. Zudem sollte der große Bruder auch nicht zurückschlagen oder überhaupt schlagen. Lieber sollte er erfahren, dass der kleine Bruder dafür gerügt wird (an die Seite genommen wird und ein klares Nein zu hören bekommt).

Evtl. haben Sie die Möglichkeit, Ihrem großen Sohn einen eigenen Spielbereich einzurichten. Vielleicht bei offener Tür mit einem Türgitter, so dass der Kleine sich kein Spielzeug, dass der Große gerade in der Hand hat, holen kann. Ihrem Sohn wird solch eine Rückzugsmöglichkeit sicherlich gut tun.

Bestärken Sie Ihren Sohn, in dem Sie viele Dinge mit ihm machen, die er gut kann. Loben Sie ihn für Dinge die er gut macht.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 15.02.2018

Antwort auf:

Total weinerlich

Frau Ubbens wird dir sicher noch einen ausführlichen Rat geben, aber ich würde dennoch eines gerne anmerken: beide sind noch zu klein, einen Streit alleine schlichten zu können. Klar muß man nicht sofort dazwischen gehen und klären, aber wenn es denn in echten Streit ausartet, brauchen sie deine Hilfe bzw. Anleitung, wie man nun eine Lösung finden könnte oder wer etwas warum zurückgeben muß.

von cube am 15.02.2018

Antwort auf:

Total weinerlich

Bei meinen ist der Altersunterschied zwar ein bisschen größer (die Große ist 3,5 und die Kleinen sind 13 Monate), aber ich erkenne uns in deinen Beschreibungen echt wieder. Vor allem das Heulen, weil irgendeine Kleinigkeit nicht so läuft wie die Große das will. Und das Patschen auf den Kopf, was zu noch mehr Heulerei führt. Hab mich grad sehr zerkugelt. Ich schlichte übrigens sofort, damit die Sache nicht außer Kontrolle gerät.

Bin neugierig, was Frau Ubbens zu sagen hat. Ich bin bis jetzt davon ausgegangen, dass das, wenn auch extrem nervig, doch normal ist.

von Schnecki2014 am 15.02.2018

Antwort auf:

Total weinerlich

Wenn es richtig eskaliert, dann greife ich bei einem Streit natürlich ein ;) Ich meinte mit "selbst klären" eigentlich sowas wie wenn der Kleine versucht dem Großen was wegzunehmen, dann setzt der sich halt mal durch und versucht wenigstens mit einem klaren "nein" den Kleinen in seine Grenzen zu weisen.

Das hat auch schon eine Weile gut geklappt, als der nicht immer gleich bei allem angefangen hat zu weinen. Da hat er dann einfach dem Kleinen gesagt "Nein, das hab ich jetzt, das kannst Du jetzt nicht haben" und hat ihm dafür ein anderes Spielzeug gegeben. War für beide okay so.

Aber seit ein paar Wochen, vielleicht zwei Monate, fängt der Große immer sofort an zu Heulen und steht dann nur noch weinend und schreiend da "Der ... hat mir das... weggenommen!!!!!!!!!!!!!!!!!"

Umgedreht würde ich es ja verstehen. (wobei der Kleine natürlich noch nicht so sprechen kann)

LG
Lilly

von lilke am 15.02.2018

Antwort auf:

Total weinerlich

Ja, wahrscheinlich hast Du Recht und es ist vollkommen normal ;) Ich hab nur irgendwo noch einen Funken Hoffnung, dass man es irgendwie für den Großen erträglicher oder einfacher machen kann. Es geht mir ja nicht primär um meine Nerven, obwohl ich die klar auch schonen möchte. Aber es ist doch auch nicht schön, wenn man ständig weinen muss. Das schlägt einem doch irgendwann auf die Seele und das möchte ich nicht.

Aber ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Immer seinen Willen kann er eben nicht haben, es gibt Grenzen, die muss ich nun mal leider auch durchsetzen. Er kann nicht immer alles essen, trinken, spielen, Fernsehen was er gerade will. Das war auch schon immer so, ist jetzt also nichts neues.

Trösten funktioniert in den meisten Fällen nicht - lässt er nicht zu -, ablenken geht auch nicht mehr, stachelt ihn meistens nur noch mehr auf, weil er dann erst so richtig trotzig wird.

So Sachen wie "Selbständigkeit" machen wir schon immer, er soll ja viele Sachen wirklich selbst machen (Anziehen, ausziehen, beim Tischdecken helfen usw.) Aber das will er dann oft genug einfach gar nicht machen.

Vielleicht muss man das wirklich einfach aushalten. Ich weiß es nicht. Meine Hoffnung ist, dass man ihn noch irgendwie unterstützen kann. Wenn er da besser durchkommt, wird es für uns alle leichter ;)

LG
Lilly

von lilke am 15.02.2018

Antwort auf:

Total weinerlich

Hallo!

So wirklich der Bestimmer war der Große nie, dass sie sich um Spielzeuge zanken geht sicherlich schon ein halbes bis dreiviertel Jahr so. Dass er dabei immer wirklich sofort anfängt zu weinen ist allerdings eher neu.

Ich werde dann mal versuchen eher einzuschreiten aber so schnell kann man leider meist gar nicht schauen, wie die Tränen fließen :/

Schimpfen hatten wir generell vermieden, da das nur zu noch mehr Tränen beim Großen führt (er nimmt ja genauso gern was dem Kleinen weg, wie der dem Großen). Natürlich haben wir beide jeweils ermahnt das Spielzeug zurückzugeben und zu warten, bis der Andere mit Spielen fertig ist. Von den extrem begehrten Spielzeugen haben wir inzwischen auch zwei... Irrsinnigerweise funktioniert das eher beim Kleinen als beim Großen... Aber dann werden wir das Schimpfen wohl bei beiden Seiten nochmal probieren. Nur den Kleinen schimpfen wäre ja auch unfair.

Leider lässt sich der Große überhaupt nicht auf getrennte Spielbereiche ein. Ich hab ihm schon oft angeboten, er soll doch im Kinderzimmer spielen, während der Kleine im Wohnzimmer weiterspielt. Beide Zimmer grenzen aneinander und es wäre immer einer von uns Erwachsenen bei einem Kind. Das akzeptiert der Große leider gar nicht, er will dann immer im gleichen Zimmer spiele wie der Kleine :(

Loben tun wir ihn sehr oft, wenn er denn mal was alleine macht. Leider ist es ein Kampf ihn dazu zu bringen diese Dinge auch wirklich selbst zu tun.

Danke für ihre Ratschläge, ich werde versuchen, ob wir sie umsetzen können und hoffe, dass es dann etwas besser wird.

LG
Lilly

von lilke am 16.02.2018

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