Sylvia Ubbens

6jaehrige hört nicht und ist frech

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo Frau Übbens,

ich bräuchte bitte mal Ihren Rat.
Wir haben eine 6jaehrige Tochter und einen 1jaehrigen Sohn. Nach anfänglicher Eifersucht, die nach der Geburt eines Geschwisterchens ja normal ist, verstehen sich die beiden inzwischen gut und hängen sehr aneinander.
Eigentlich.

Das Problem ist, dass die Große scheinbar gerade eine schwierige Phase durchlebt. Sie hört nicht, bzw macht das genaue Gegenteil von dem, was wir sagen. Zum Beispiel weiss sie ganz genau, dass sie den Kleinen nicht hochnehmen und herumtragen darf. Wir haben ihr mehrfach erklärt, dass er zu schwer ist und sie ihn fallen lassen könnte. Aber trotzdem macht sie es immer wieder.

Das ist nur ein Beispiel von vielen. Es kommt regelmäßig zum Krach zwischen ihr und meinem Mann. Er beschwert sich bei mir, weil sie nicht hört, obwohl wir alles für sie tun. Er schimpft mit ihr und verhängt Sanktionen, die aber weitestgehend wirkungslos bleiben und nur dazu führen, dass sie ihren Frust an unseren beiden Hunden oder dem kleinen Bruder auslässt. Wir haben zum Beispiel beobachtet, wie sie ihm, der gerade anfängt zu laufen, absichtlich ein Bein gestellt hat, damit er hinfällt. Und als wir sie deswegen zur Rede stellten, behauptete sie steif und fest, sie hätte nichts gemacht.

Was soll ich nur tun? Ich liebe meine Tochter wirklich sehr, aber mit ihrem Verhalten reisst mir manchmal der Geduldsfaden und ich möchte sie fuer eine Weile gar nicht mehr sehen.
Ich komme auch nicht mehr an sie heran. Reden und erklären hilft nichts, schimpfen schon gar nicht, und ich sitze immer zwischen den Stühlen und kriege von beiden Seiten den Ärger ab, wenn es zwischen meinem Mann und ihr wieder Krach gibt.

Seit sie in die Schule geht, ist es noch schlimmer geworden. Jetzt kriege ich von ihr auch mal zu hören, dass ich die Klappe halten soll. Und auch ihr übriges Vokabular bringt mich zum Fremdschämen und macht mich teilweise auch wütend, weil ich solche Woerter von meinem Kind nicht hoeren will. Mir ist klar, dass sie das bei ihren Klassenkameraden aufgeschnappt hat und wahrscheinlich gar nicht weiß, was es bedeutet. Aber sowas in der 1. Klasse finde ich trotzdem erschreckend.

Was können wir tun, damit wir wieder ein schönes und harmonisches Familienleben führen können, und damit uns unsere Tochter nicht völlig entgleitet?

Herzlichen Dank im Voraus und viele Grüße,
Sylvia 1980

von Sylvia 1980 am 11.11.2019, 14:30 Uhr

 

Antwort auf:

6jaehrige hört nicht und ist frech

Liebe Sylvia 1980,

fragen Sie Ihre Tochter nicht, ob sie Zeit mit Ihnen verbringen möchte. Bieten Sie ihr immer wieder mit konkreten Vorschlägen gemeinsame Zeit an. "Komm, wir wollen eine Runde Mau Mau spielen."

Für Kinder ist es immer wieder faszinierend, kleinere Kinder zu tragen. Die Gefahren erkennen sie noch nicht. Es ist nicht böse gemeint. Dennoch dürfen/sollten Sie Ihre Tochter, wenn Sie sehen, dass Sie ihren Bruder trägt, immer wieder erklären, dass sie ihn nicht tragen darf.

Versuchen Sie, Konsequenzen auszusprechen, die mit der vorangegangen, nicht gewünschten Handlung zu tun hat. Ihre Tochter ärgert den kleinen Bruder, dann darf sie eine Wiedergutmachung leisten, wie z.B. ihm ein Bild malen o.ä.. Ärgert sie den Hund, darf sie für einige Minuten den Raum verlassen. Ärgert sie Sie, verlassen Sie den Raum mit den Worten, dass Sie nicht möchten, dass sie so mit Ihnen umgeht (gerne benennen Sie genau, was sie gerade gemacht hat) und Sie darum aus dem Raum gehen.

Neben dem, dass vielleicht ein wenig Eifersucht eine Rolle spielt, ist die Umstellung von Kindergarten auf Schule auch zu bedenken. Manche Kinder brauchen etwas länger, um mit den neuen Anforderungen entspannt umzugehen.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 11.11.2019

Antwort auf:

6jaehrige hört nicht und ist frech

Mhhh, wie habt ihr denn die anfängliche Eifersucht in den Griff bekommen? Ebenfalls mit Sanktionen, Schimpfen etc? Oder mit Einbinden in die Babypflege, Extra-Zeit nur für sie mit dir oder Papa etc?
Für mich hört es ich nämlich so an, als wenn die Eifersucht nur oberflächlich nicht mehr da wäre.
Und dazu kommt dann noch, dass - so liest es sich zumindest - zwischen dir und deinem Mann nicht so große Einigkeit in der Erziehung herrscht. Er beschwert sich bei dir - warum? Bist du ins einen Augen alleine dafür verantwortlich, wie die Kinder erzogen sind? Er verhängt Sanktionen - die gleiche, wie du? Und sind das Strafen oder Konsequenzen?
Willkürliche Strafen wie "2 Tage kein TV weil du den Hund geärgert hast" führen logischerweise zu Frust - sie sind willkürlich, nicht nachvollziehbar und für das Kind damit ein reines Macht zur Schau stellen.
Dazu kommt aber noch etwas ganz anderes: Schule ist eine enorme Anstrengung für Kinder. Das ist eine große Umstellung und harter Einschnitt in das bisherige "laue Leben" eines KiGa-Kindes.
Wenn also zu dem Stress/Druck der Schule auch noch dazu kommt, das zu Hause auch viele Erwartungen und Anforderungen da sind und wenig Anerkennung für das, was sie toll macht, wir sie einfach auch überlastet sein. Ihr solltet das zumindest mal in Betracht ziehen. Sie ist zwar 6 - aber ein junges Schulkind, das offenbar gleichzeitig zu Hause als große Schwester funktionieren soll und deren Eltern sich über ihr Benehmen streiten bzw. sich gegenseitig? die Schuld zuschieben dafür, während sie daneben steht und zuhören muss, das sie Schuld daran ist, dass ihr euch streitet/Papa schlechte Laune hat.
Ich habe das jetzt im letzten Satz mal ganz "hart" formuliert - weil es so für sie wirken könnte. Könnte! Bitte nicht so auffassen, als wenn ich sicher wäre, das es so ist.
In diese Falle "große Schwester muss das doch können/soll keinen Ärger machen" tappen sehr viele Eltern. Man vergisst einfach, das das größere Kind kein kleiner Erwachsener ist, sondern immer noch auch ein junges Kind, das Aufmerksamkeit und vor allen Dingen auch Bestätigung für seine guten Seiten braucht.
Im Zweifelsfall holt euch doch mal eine Erzeihungsberatung ins Haus. Die schaut dann einfach mal, wie euer Tag so läuft und gibt Tipps, wo man etwas entzerren könnte, kleine Umstellungen etc - das bringt oft sehr viel und hat nichts mit Jugendamt oder "wir haben als Eltern versagt" zu tun!

von cube am 11.11.2019

Antwort auf:

6jaehrige hört nicht und ist frech

Hallo cube,

obwohl du uns nicht kennst, hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist nämlich tatsächlich so, dass mein Mann und ich uns in Erziehungsfragen nicht einig sind. Ich finde seine Reaktionen oft völlig überzogen und sage ihm das auch. Dafür kriege ich dann zu hören: "Gut, dann mische ich mich nicht mehr ein. Sieh du zu, wie du klar kommst!"
Und natürlich bin ich dann Schuld, wenn es nicht gut funktioniert.

Und ja, die Sanktionen reichen von 5 Tage Fernsehverbot bis hin zu 1 Woche nicht bei ihren Freunden spielen.
Und als ich sie dabei erwischt hatte, wie sie den Hund getreten hat, habe ich richtig mit ihr geschimpft.

Tja, wie haben wir das Problem mit der Eifersucht gelöst? Ich hatte ihr damals Zeit mit mir alleine angeboten, aber das fand sie nur kurzzeitig schön. Irgendwann hat sie den Wunsch geäußert, dass der Baby Bruder auch dabei ist.
Dann durfte sie auswählen, was er anziehen sollte. Aber auch daran hat sie schnell das Interesse verloren.
Stattdessen fand sie es immer toll, ihn ihren Freunden in der Kita vorzuführen und mit ihm "anzugeben". Deshalb dachte ich wirklich, die Eifersucht wäre vorbei.

Erziehungsberatung wäre keine schlechte Idee. Nur fühlt man sich dabei, als hätte man als Eltern versagt. Und andere Familien können es doch auch. Warum klappt bei denen alles so reibungslos?
Bevor ich diesen Schritt gehe, wollte ich mir erstmal hier Ratschläge holen.

Vielen Dank schon mal!

von Sylvia 1980 am 11.11.2019

Antwort:

Erziehungsberatung - keine Hemmungen oder Scham!

Ich kann das verstehen, das man sich schlecht fühlt, wenn man so ein Angebot in Anspruch nimmt bzw. Hemmungen hat.
Aber genau dieses Bild von "bei allen anderen klappt das doch auch" stimmt nicht!
Genau wie du/ihr möchten sie nur nicht darüber reden - weil auch diese Familien/Eltern denken "bei den anderen ...".
Nachbarn von uns haben eine Beratung in Anspruch genommen, 2 Kinder, 1 Kiga, 1 Schule. Weit entfernt von gravierenden Problemen aber mit Sand im Getriebe, der zusehends an den Nerven zerrte. Bzw. das Gefühl, das einfach immer wieder die gleichen Probleme/Problemchen auftreten, obwohl man doch alles tut, um diese zu vermeiden.
Die Dame kam dann, hat wie ein ganz normaler Besuch Kaffee getrunken, sich mit den Eltern unterhalten und dabei beobachtet, wie so alles abläuft.
Das war kein Kontrollbesuch nach dem Motto "jetzt schau ich mal, was die alles falsch machen, wenn die mich schon rufen müssen".
Und dann waren es wirklich kleine Schräubchen, an denen gedreht wurde. Eingefahrene, gar nicht mehr wirklich bewusste Reaktionen, auf die sie hinwies, Tipps/Anregungen zu bestimmten Alltagssituationen.
Es hat ihnen sehr geholfen und sie machen das jetzt zum 2. Mal - nicht, weil es wieder hakt, sondern weil der Blick von außen einfach total gut tat.
Mach dich frei davon, dass bei anderen alles perfekt läuft. Wir leben alle nicht in der Werbe-Rama-Familie und meiner Erfahrung nach sind es oft die nach außen hin ach so perfekten Familien, in denen es gewaltig hakt. Nur wollen diese Eltern das oft gar nicht sehen oder schämen sich, das schöne Außenbild ein wenig relativieren zu müssen.

von cube am 12.11.2019

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