Krankschreibung: beim eAU-Verfahren
geht alles digital und automatisch

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Wer gesetzlich krankenversichert und krank ist, muss seinem Arbeitgeber ab Januar 2023 keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in Papierform mehr vorlegen. Die Übermittlung der Arbeitsunfähigkeit erfolgt automatisch und elektronisch.

Der neue Modus nennt sich eAU-Verfahren, also elektronische Arbeitsunfähigkeit. Davon ausgenommen sind Privatärzte, Ärzte im Ausland, Rehabilitationseinrichtungen und Physio- sowie Psychotherapeuten. Außerdem kann das Verfahren noch nicht für Privatversicherte angeboten werden, da hier noch eine gesetzliche Regelung fehlt, so der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV).

Praxis meldet die Arbeitsunfähigkeit an die Krankenkasse

Zuvor musste der Arbeitnehmer / die Arbeitnehmerin die umgangssprachlich genannte Krankschreibung beim Arbeitgeber und bei der Krankenkasse einreichen. Dies fällt nun für gesetzlich Krankenversicherte weg. Beim eAU-Verfahren müssen die Praxen die Bescheinigung noch am selben Tag elektronisch an die Krankenkasse übermitteln. Der Arbeitgeber kann anschließend die Daten von den Krankenkassen elektronisch abrufen. Voraussetzung ist: Die Arztpraxen müssen auf das neue Verfahren umgestellt sein.

Zwar fiel die Verpflichtung zur Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in Papierform weg, unverändert gilt aber: Gesetzlich Krankenversicherte müssen weiterhin rechtzeitig zum Arzt gehen und die Erstellung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ermöglichen, so Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Anschließend müssen sie selbst dem Arbeitgeber die Erkrankung mitteilen und ihn auch über die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit informieren.

Diagnose und Befund – nicht für den Arbeitgeber

Auch beim eAU-Verfahren bekommt der Arbeitgeber keine Kenntnis von der Diagnose oder dem Befund. „Er erfährt lediglich, ob die Fortdauer einer Arbeitsunfähigkeit oder eine erneute Arbeitsunfähigkeit auf derselben Krankheit beruht“, sagt Bredereck. Außerdem werden künftig keine Angaben zum behandelnden Arzt mehr weitergegeben. Arbeitgeber nutzen zum Abrufen der eAU zertifizierte Systeme, laut GKV-Spitzenverband (Bund der Krankenkassen) sei der Datenschutz dabei gewährleistet./p>

Das neue Verfahren ist moderner. Es sei ein wichtiger Schritt hin zur papierlosen Praxis, so Bredereck. Der Fachanwalt erwartet jedoch Unregelmäßigkeiten in der Einführungsphase und Anfragen von Arbeitgebern, die Fehlermeldungen erhalten haben. Für Arbeitnehmer dürfe dabei aber kein Nachteil entstehen.

Papierversion – ein Beweis zur Sicherheit

Grundsätzlich erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trotzdem weiter auch eine Papierversion der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, worauf auch der Name des Arztes zu finden ist. Nach wie vor erfülle sie eine wichtige Funktion, für den Fall, dass der Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit anzweifelt, sagt Bredereck. Deshalb sollten die Patienten auf das Papier bestehen Damit können sie im Zweifel beweisen, dass sie arbeitsunfähig sind. „Nur so sichert der Arbeitnehmer seinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung und vermeidet eine Abmahnung oder Kündigung wegen Untätigkeit“, betont der Anwalt.


Quellen:
Westdeutsche Zeitung: Änderung bei Arbeitsunfähigkeit: So funktioniert das neue eAU-Verfahren

Zuletzt überarbeitet: Januar 2023

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