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Eine frau ist traurig und ihre freundin steht ihr bei
Antonioguillem - stock.adobe.com

Wir kennen sie alle: Meinungsverschiedenheiten und Konflikte. In allen sozialen Beziehungen gibt es sie – mit den Eltern, Großeltern, Kindern und Partner*innen. Wir streiten, diskutieren, handeln aus und manchmal drehen wir uns dabei im Kreis. Konflikte können sich manchmal auch zuspitzen und Muster zeichnen sich ab. Wenn dir Freund*innen immer wieder von Streitereien in ihren Beziehungen erzählen und du ein schlechtes Bauchgefühl hast, ist es gut, aufmerksam zu bleiben und da zu sein!

Wenn es nicht bei einzelnen Konflikten bleibt

Konflikte in Beziehung kommen vor und sind erstmal nichts Schlimmes. Wenn wir offen über unsere Meinungsverschiedenheiten, Wünsche und Ideen sprechen können und ernstgenommen werden, dann ist das ein gutes Zeichen.

Manchmal besteht jedoch ein Ungleichgewicht zwischen den Beziehungspersonen, das zu andauernden Sorgen, Ängsten und Anspannungen führt. In manchen Fällen entwickeln sich aus diesem Ungleichgewicht auch kontrollierende, toxische oder sogar gewalttätige Beziehungsdynamiken. Das passiert selten von heute auf morgen, sondern ist in vielen Fällen ein schleichender Prozess, der fast unmerklich beginnt. Oftmals ist es schwer, diese Dynamiken festzustellen und zu benennen. Denn in fast allen Beziehungen mit solchen Dynamiken gibt es auch ruhige oder sogar gute Phasen.

Gewalt in der Beziehung ist kein Einzelfall!

In Deutschland erlebt jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt in ihrer Beziehung. Wenn wir Formen wie emotionale Gewalt, wirtschaftliche oder digitale Gewalt hinzuzählen, sind noch weitaus mehr betroffen. Beziehungsgewalt ist somit sehr häufig und hat oftmals schwere Folgen für betroffene Personen. Sie richtet sich in den meisten Fällen gegen Frauen, nicht binäre oder trans* Personen. Auch Männer können betroffen sein.

hände halten andere hände
fizkes - stock.adobe.com

Wer kann unterstützen?

Es gibt ein Hilfesystem für Personen, die sich in einer konfliktreichen oder sogar gewalttätigen Beziehung befinden. Dort kann professionelle Beratung in Anspruch genommen werden. Beratungsstellen unterstützen dabei, die Situation einzuordnen und weitere Schritte einzuleiten.

Es ist in der Realität aber leider so: Viele Personen suchen sich keine oder erst sehr spät Unterstützung im professionellen Hilfesystem. Denn es ist häufig nicht klar, ob die erlebten Konflikte Gewalt darstellen. Noch immer besteht in der Gesellschaft die Idee, dass es erst zu körperlicher Gewalt gekommen sein muss, um sich Hilfe holen zu können. Dabei wissen wir, dass emotionale Gewalt viel häufiger vorkommt und in vielen Fällen der Anfang eines Verlaufs ist, der auch zu Formen wie körperliche Gewalt führen kann.

Unterstützung aus dem Umfeld ist wichtig!

Wenn Personen sich in ihrer Beziehung unwohl fühlen oder unsicher sind, ob Verhaltensweisen ihrer Beziehungsperson ok sind, wenden sie sich in den meisten Fällen erstmal an ihr nahes Umfeld. Es kann hilfreich sein, Erlebnisse durch Gespräche mit Vertrauenspersonen einzuordnen und zu entscheiden, wie weiter vorgegangen werden kann. Dabei spielen Freund*innen, Familienmitglieder und Kolleg*innen eine wichtige Rolle.

Wenn eine Person, die dir am Herzen liegt, von Streitereien und sich zuspitzenden Konflikten erzählt, kann das sehr überfordernd sein. Wahrscheinlich machst du dir Sorgen und möchtest, dass die Person in Sicherheit ist.

zwei frauen eine denkt nach die andere wartet
Talia Mdlungu/peopleimages.com - stock.adobe.com

Wie kann ich darüber sprechen?

Wichtig ist, dass du erstmal genau zuhörst und der Person die Möglichkeit gibst, ihre Erlebnisse zu erzählen. Dabei solltest du ihre Erzählung nicht hinterfragen oder abtun, auch wenn du von der Erzählung schockiert oder überrascht bist. Vielleicht wunderst du dich auch, weil du der Beziehungsperson, das beschriebene Verhalten nicht zutraust. Das kommt häufig vor. Denn gewaltausübende Personen verhalten sich im Umfeld oftmals anders als in der Beziehung und wirken nach außen zugänglich und liebenswert.

Die meisten Personen, die kontrolliert werden, möchten sich nicht trennen, sondern wünschen sich, dass die Gewalt aufhört. Ständiges Kritisieren der Beziehungsperson kann also auch dazu führen, dass dein*e Freund*in sich zurückzieht oder die Schuld bei sich sucht. Gib keine Ratschläge oder entscheide, was deine befreundete Person jetzt braucht. Sie kennt ihre Situation selbst am besten und muss am Ende entscheiden, was sich am sichersten anfühlt - auch wenn du dir etwas anderes für sie wünschen würdest. Manchmal hilft es auszudrücken, dass du dir Sorgen um sie machst und schockiert bist, oder einfach für sie da zu sein und gemeinsam Gedanken zu sortieren. So kann die Person ihre eigene Situation besser einordnen.

Häusliche Gewalt ist strukturell und Muster sind erkennbar. Du kannst dir Informationen über häusliche Gewalt einholen und diese teilen, falls sich ein guter Gesprächsrahmen ergibt. Es kommt nicht selten vor, dass Personen, die die Anzeichen selbst nicht erkennen, weil sie eingeschüchtert wurden oder sich selbst und Erlebtes abwerten.

Hier findest du weitere Infos zum Thema: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/infothek/haeusliche-gewalt/merkmale-und-tatsachen.html

Was kann ich tun?

Wenn sich dir eine Person anvertraut hat, ist es wichtig, gemeinsam zu überlegen, was für sie gerade möglich scheint. Bleib an ihrer Seite und unterstütze sie dabei, was sie sich in dem Moment zutraut.

Für viele Personen ist es schwer, den ersten Schritt zu tun und zu einer Beratungsstelle zu gehen. Das fällt oftmals leichter mit Unterstützung an der Seite. Du kannst auch zu Terminen begleiten oder mit ihr gemeinsam bei einer Beratungsstelle anrufen. Hier kannst du nach passenden Beratungsstellen in eurer Nähe suchen: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/hilfe-vor-ort.html

Wenn es für dich ok ist, kannst du auch dein Zuhause als sicheren Ort anbieten. Vielleicht ist es möglich, dass dein*e Freund*in deine Couch oder dein Gästezimmer als Ausweichoption nutzen kann. Oder du bietest an, dass sie wichtige Dokumente oder eine Notfalltasche für ein paar Tage bei dir hinterlegen kann.

mann tröstet eine frau auf einer parkbank
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Veränderung braucht oft Zeit

Auch kleine Gesten der Unterstützung - wie kleine Check-Ins per Nachricht - können einen großen Unterschied machen. Manchmal reicht es schon, dass zu zeigen, dass die Person nicht allein ist und ihr geglaubt wird. Veränderung braucht oft Zeit und der Weg in ein Leben ohne Gewalt ist manchmal mit Umwegen verbunden. Mit Geduld kannst du eine wichtige Vertrauensperson als Begleitung auf diesem schwierigen Weg sein.

Manchmal können konfliktreiche Beziehungen sich schnell zuspitzen und auch sehr gefährlich werden. Achte auf Anzeichen, die darauf hindeuten, dass die Situation eskaliert: Wenn die Person plötzlich kaum noch an sozialen Verabredungen teilnimmt, wenig zurückschreibt oder immer wieder absagt, dann solltest du aufmerksam werden! Auch wenn sie Angst davor hat, nach Hause zu gehen, ist es ein ernstzunehmendes Signal! Frage konkret, was du in diesem Moment tun kannst, um die Person zu unterstützen. In akuten Gefahrensituationen zögere nicht, professionelle Hilfe zu holen oder den Notruf zu wählen. Lieber einmal zu viel anrufen!

Auf eigene Grenzen achten

So wichtig es ist, für Freund*innen da zu sein, so wichtig ist es auch, auf dich selbst zu achten. Es ist in Ordnung, wenn du dich manchmal überfordert fühlst oder eine Pause brauchst. Es ist auch normal, verunsichert über die eigenen Handlungen zu sein, wenn du einer nahestehenden Person helfen möchtest. "Schätze ich das richtig ein?", "Tue ich genug oder übersehe ich etwas?" können Fragen sein, die in solchen Situationen aufkommen können. Diese Unsicherheit ist ein Zeichen dafür, dass du verantwortungsbewusst handelst.

Achte auf deine eigenen Bedürfnisse und hole dir Unterstützung, wenn du sie brauchst. Beratungsstellen beraten nicht nur Betroffene, sondern auch deren Angehörige und Freund*innen. Dort kannst du besprechen, wie du am besten vorgehst und gleichzeitig deine eigenen Grenzen wahrst. Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" ist unter 08000 116 016 oder per Chat über https://onlineberatung.hilfetelefon.de/ rund um die Uhr kostenlos erreichbar und kann dir bei allen Fragen weiterhelfen.

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junges paar in einer stadt
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