Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

6jähriger Junge zunehmend gemein

Frage: 6jähriger Junge zunehmend gemein

Grandessa

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Liebe Frau Henkes, ich habe einen 6jährigen Sohn, der von seinem Charakter her ein liebenswerter, fröhlicher und hilfsbereiter Junge ist. Doch zunehmend beobachte ich, dass er gemein ist. Angefangen bei seiner kleinen Schwester: Entweder provoziert er sie aus dem Nichts heraus (sie spielt z.b. mit ihren Puppen und dann tritt er die Spielzeuge weg) oder beleidigt sie o.Ä.. Doch was ich richtig traurig finde: er will sich nur noch bedienen lassen. Wenn er Durst oder Hunger hat, soll ich es ihm bringen. Und wenn ich sage, dass er es sich auch selber holen kann, weil es eh auf dem Tisch steht,  sagt er, ich sei doch sein Diener. Gestern haben wir zufällig darüber gesprochen, wenn wir ein Gegenstand wären, welcher wir wären. Er hat da genau überlegt, was er sagt. Er wäre gern ein Lenkrad, dann könnte er bestimmen. (Eigentlich tut er das eh schon.) Und zu mir sagte er dann, ich wäre eine kackwurst. Das hat mich ziemlich getroffen. Zumal unser Tag gestern wunderschön und harmonisch war. Wie soll ich seine Aussagen deuten? Für ihn bin ich ein Diener und eine Kackwurst. Über eine Einschätzung Ihrerseits würde ich mich sehr freuen.   Vielen Dank im Voraus und viele Grüße  Grandessa


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, Ihr Sohn ist in einem Alter, in dem Kinder versuchen, die eigene Bedeutung durch Dominanz und Machtgehabe zu demonstrieren. Sechsjährige haben bereits viele Fähigkeiten erworben und zu mehr Autonomie von den wichtigsten Bezugspersonen gefunden. Dieses Selbstbewusstsein ist jedoch noch sehr brüchig und muss immer wieder durch Dominanzverhalten bestätigt werden. Daher will Ihr Sohn mit seinen Äußerungen und seinem Verhalten imponieren. Sie sollten die Zuschreibungen Ihres Sohnes nicht übernehmen. Ein Sechsjähriger hat keine Deutungshoheit über Sie. Wenn Ihr Sohn spürt, dass er Sie mit seinen Bemerkungen kränkt und erschüttert, sieht er das als Erfolg an. Er ist schon wer, weil er so dominiert. Eine solche Erfahrung hilft ihm nicht in seiner Entwicklung. Versuchen Sie, möglichst gelassen und nicht emotional zu reagieren. Sie können Ihrem Sohn sagen: "Das wäre ja blöd für dich. Der Sohn von einer Kackwurst wäre dann doch ein Kackwürstchen. Das willst du doch bestimmt nicht sein." Sie müssen mit Ihrem Sohn über das Bedienen nicht diskutieren. Hören Sie einfach auf, ihn zu bedienen. Erklären Sie ihm, dass es nicht die Aufgabe von Eltern ist, ihr Kind zu bedienen. Das Verhalten Ihres Sohnes beruht sicherlich auch auf einer unverarbeiteten Geschwisterrivalität. Darauf deutet das Ärgern der jüngeren Schwester hin. Achten Sie darauf, dass Ihr Sohn die Schwester nicht zu stark ärgert. Bedenken Sie jedoch auch, dass seine Rivalität auf einer großen Angst vor Liebesverlust beruht. Ihr Sohn braucht Ihre positive Aufmerksamkeit und die Sicherheit, dass Sie ihn weiterhin lieben. Er muss sicher werden, dass die Schwester ihm in Bezug auf Sie nichts wegnimmt. Dazu benötigt er Ihre Hilfe. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


Grandessa

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Vielen lieben Dank für Ihr schnelles und ausführliches Feedback, Frau Henkes.


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