HannahMi
Sehr geehrter Hr. Dr. Nohr, unser Sohn (2,2 Jahre) geht seit 14 Mo. in eine Krippe (9 Kinder, 2 Betreuer). Die ersten 8 Monate waren prima: Die Eingewöhnung war problemlos, er ist immer gerne gegangen und hat sich auf seine "Lieblings-"Betreuerin gefreut. Dann kamen 2 Wo. Sommerferien - danach war alles anders. Beide Erzieherinnen wurden durch zwei Neue ausgewechselt, von den 9 Kindern waren 6 weg - unser Sohn wollte ab dann nicht mehr gehen. Er hat extrem geweint und sich kaum/nicht beruhigen lassen, so dass wir ihn häufig früher abgeholt haben. Hinzu zu dem personellen Wechsel kam, dass er in den Ferin von meinem Mann betreut wurde und er extrem auf meinen Mann fixiert war. Diese schwere Phase ging nach ca. 4 Wochen vorbei. Seitdem war es mit kleinen Aufs und Abs ok - wobei er kein enges Vertrauensverhältnis zu den neuen Betreuerinnen aufgebaut hat (es gab hier auch wieder Wechsel). Jetzt spitzt es sich seit Mitte Januar wieder zu - erst mit moderatem Weinen (Mitte/Ende Januar) - jetzt eskaliert es seit kurzem wieder total; er weint permanent / immer wieder, ist kaum/nicht zu beruhigen. Es gab diesmal kein äußeres Ereignis, außer, dass ich als Mutter im Jan. zwei Wochenenden weg war (mein Mann hat auf ihn aufgepasst, seitdem ist er wieder total auf meinen Mann fixiert und in Summe anhänglich). Wie ist sein Verhalten zu erklären? Ist eine solche Situation einem Kind zuzumuten? Danke für Ihre Einschätzung
Dr. med. Ludger Nohr
Hallo, um mit der letzten Frage zu beginnen, halte ich diesen Ablauf für ein Kind in diesem Alter für eine emotionale Überforderung. Fremdbetreuung mit 10 Monaten ist schon eine Herausforderung, unvorbereiteter Wechsel der nahen Bezugsperson und der umgebenden Kinder verständlicherweise sehr belastend und verunsichernd und die Trennungen von Ihnen für ihn nicht wirklich verstehbar und wahrscheinlich zusätzlich verunsichernd. Diese Beziehungserfahrungen (besser Trennungserfahrungen) belasten sein Vertrauen in andere. Das alles macht mir seine Ablehnung der KiTa und sein Verhalten sehr verständlich. Das Verhalten ist aber nicht das Problem, sondern ein Hinweis auf seine Überforderung. Mit dieser Sichtweise können Sie Ihr Kind besser verstehen und eher passende Lösungen finden. Ich weiß nicht wie Ihre Möglichkeiten sind, aber mir scheint es sinnvoll zu sein, den KiTa-Aufenthalt wieder mit kürzeren Zeiten aufzubauen, am besten mit einer verlässlichen Bezugsperson, und auch familär ihm mehr Kontinuität und Sicherheit zu vermitteln. Dr.Ludger Nohr
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