Gänseblümchen_1990
Hallo Frau Henkes, Ich brauche nochmals Ihren Rat. Mein Sohn, vor wenigen Tagen 3 Jahre als geworden, hat wirklich haarsträubende Wutausbrüche. Ich weiß dass es normal ist und hab es auch bei der U Untersuchung vorletzte Woche angesprochen. Die Ärztin meinte er meinte er wäre kognitiv und sprachlich enorm weit und sein Kopf würde nicht hinterher kommen. Diese Kinder wären eben schwieriger zu händeln. So, wie gehe ich nun damit um? Wenige Tage nach seinem Geburtstag hat er von 6.30 bis 9.20 getobt und gebrüllt. Es ist immer mal wieder abgeebbt und gleich wieder angestiegen. Dazwischen mehrere Ambivalenz Situationen. Er will einen Abschiedskuss von Papa, nein doch nicht, er will kneten, nein doch nicht, er will dies er will das nein doch nicht. Dabei habe ich ihn begleitet so gut ich konnte und ihm auch all die Dinge einmal gegeben und wenn er sie dann doch nicht wollte auch nicht wieder gegeben. Ich habe alles versucht, Gefühle benannt, mehrfach zu verstehen gegeben dass auch Wut ok ist, dass ich ihn lieb habe auch wenn er wütend ist, dass auch ich mal wütend bin usw. Alles was ich bei den Gurus der heutigen Zeit je gelesen habe (Nora Imlau, Daniela Graf und Katja Seide usw.) ich bin legendär ruhig geblieben dafür dass ich in der 38 SSW bin und noch nicht gefrühstückt hatte. Irgendwann gegen 9 hatte ich dann die Nerven verloren und bin kurz richtig laut geworden und habe ihn wehement von mir weg gesetzt (er hatte nach meinem Bauch getreten) und geschrien dass ich jetzt genug habe. Habe mich dann sofort aus der Situation genommen und bin kurz ins Bad geflüchtet. Mein Sohn ist mir hinterher und hat gegen die Tür geschlagen panisch und wütend. Nach ein paar Augenblicken hatte ich mich wieder einigermaßen im Griff und habe es nochmal versucht, meine Grenze aufgezeigt, angeboten dass ich da bin wenn er möchte. Hat alles nichts gebracht. Habe dann aus lauter Verzweiflung den Fernseher angemacht. Dann war sofort Ruhe. Er hat sich sogar gefreut. Ich habe ihm dann erklärt dass es so nicht geht, dass die Wut auch mal wieder weg gehen muss. Er meinte dann er hätte sie jetzt raus geschickt zu den Vögeln. Die hätten sie aufgegessen. Es kann aber doch nicht sein dass ich 3 Std wutanfall aushalten muss und er da nicht von selbst irgendwann aufhört. Wie kann ich ihm beibringen dass es irgendwann genug ist? Ich habe auch Bedürfnisse und mein Bedürfnis ist ganz klar! 3 Std Wut ist genug! Wie kann die Wut abebben ohne dass ich zu solchen Mitteln wie Fernsehen greifen muss? Oder ist es völlig normal dass Kinder eben 3 Stunden und länger toben und man muss das aushalten können?! Liebe Grüße
Guten Tag, Ihr Sohn wird von seinen heftigen Gefühlen in solchen Situationen überrollt. Er ist ihnen noch ganz ausgeliefert und braucht Ihre Unterstützung, um sich zu orientieren. Sein Verhalten scheint mir ein deutlicher Appell an Sie zu sein, ihm die benötigten Grenzen zu setzen. Sie können einem Dreijährigen schon sagen, dass Sie merken, dass er im Moment gar nicht weiß, was er will. Daher würden Sie jetzt entscheiden, was gut für ihn wäre. Kleinkinder beruhigen sich meist durch Bewegung an der frischen Luft. Das geht auch morgens früh im Dunkeln. Ihr Sohn kann nicht verstehen, dass Sie "jetzt genug haben". Er muss hören, dass er jetzt genug geschrieen hat. Sie sollten ihm zudem nicht Ihre Grenze aufzeigen sondern seine. Ihr Sohn wird es verkraften, dass Sie einmalig laut geworden sind. Die Erinnerung wird mit der Zeit verblassen. Ich möchte Ihnen jedoch zu bedenken geben, dass Sie mit dem Einschalten des Fernsehers Ihrem Sohn eine schwierige Lernerfahrung ermöglicht haben. Wenn er erlebt, dass er zur Belohnung für drei Stunden Wutanfall Fernsehen darf, kann er nicht verstehen, dass er die Wutanfälle abbauen soll. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
Gänseblümchen_1990
Hallo Frau Henkes, Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich habe dazu noch eine Frage: Wie kann ich ganz konkret ihm hier seine Grenzen aufzeigen? Gerade in dieser Situation. Ich glaube ich brauche ein ganz konkretes Bild dazu. Und belohnen ich ihn nicht, ähnlich wie beim Fernsehen, wenn ich mit ihm raus gehe um den Wutanfall zu unterbrechen? Er geht nämlich sehr gerne raus. Vielen herzlichen Dank für Ihre Nachricht. Liebe Grüße
Guten Tag, eine direkte Grenze könnte z.B. sein, Ihren Sohn festzuhalten. Manchmal hilft auch eine kleine Auszeit im Kinderzimmer. Das geht bei einem Dreijährigen jedoch nur sehr begrenzt. Bei Kindern, die sich in ihren schwierigen Gefühlen festgefahren haben, hilft oft ein Umgebungswechsel wie das Rausgehen. Es geht ja nicht darum, Ihren dreijährigen Sohn zu bestrafen. Er sollte erleben, dass Ihnen möglichst gelassen etwas einfällt, um die Situation für ihn zu erleichtern (damit natürlich auch für Sie, aber das spielt für ihn keine Rolle). Rausgehen entspannt Kinder, während Fernsehen Kinder in der Regel unzufrieden macht, spätestens beim Ausschalten. Alles Gute Ingrid Henkes
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