Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Nuckeln

Frage: Nuckeln

Sunny Bee

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Hallo, ich habe eine Frage: Meine Tochter ist jetzt vier Wochen alt. Im Moment will sie - oft abends - an etwas nuckeln. Sie möchte gerne meinen Finger oder die Brust, ist dann viel ruhiger. Ohne was zu nuckeln schläft sie unruhig, oft nur eine halbe Stunde. Ich will ihr die Brust ja nicht verweigern, aber ich kann sie ihr auch nicht immer geben, da das mittlerweile teilweise unangenehm ist. Generell will sie relativ häufig an die Brust. Manchmal schon nach ein paar Minuten, obwohl sie vorher an jeder Seite 20 Minuten getrunken hat. Wird sie eventuell nicht satt? Das kann eigentlich nicht sein, da sie pro Woche 350 Gramm zu nimmt. Kann ein Neugeborenes zu viel zunehmen? Ich finde 350 Gramm sind ja Recht viel. Sie wiegt schon 1.100 Gramm mehr als zur Geburt vor vier Wochen. Ist das nuckeln eine Phase? Oder ist es falsch sie nuckeln zu lassen, weil sie sich dran gewöhnt. Kann man ein Neugeborenes zu sehr verwöhnen? Ab wann sollte man dem Baby nicht mehr alles geben was es will? Ich weiß es sind viele Fragen, aber ich fühle mich im Moment an meine Wohnung gefesselt. Ich kann mit der kleinen nicht Mal raus, da die kleine im Kinderwagen anfängt zu weinen und sich nicht mehr beruhigen will. Vor zwei Wochen konnte ich zumindest für ein paar Minuten raus. Jetzt ist alles undenkbar. Ich fühle mich sehr unwohl mit der Situation und mich mit dem stillen gar nicht mehr wohl. Leider... Ich möchte schon gerne bis zum sechsten Monat stillen, aber im Moment ist das undenkbar für mich.


Biggi Welter

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Liebe Sunny Bee, das„Marathonstillen“ ist in diesem Alter so weit verbreitet, dass es als „normal“ angesehen werden sollte. Der Fachausdruck dafür lautet „Cluster Feeding“. So kleine Babys wollen häufig, aber vor allem in unregelmäßigen Abständen gestillt werden und fast alle Babys haben eine Tageszeit, zu der sie fast ununterbrochen an der Brust trinken (oder auch nur nuckeln) wollen. Das Nervensystem eines Babys ist ständigen Reizen ausgesetzt und während des Tages sind das viel mehr Reize als in der Nacht. So ist es nicht erstaunlich, dass sich bis zum späten Nachmittag oder frühen Abend einiges aufgestaut hat und das Kind dann „über" reizt ist und sich wieder abreagieren und beruhigen muss. Dazu kommt, dass auch die Mutter nach einem langen Tag ebenfalls mehr oder weniger stark belastet und gestresst ist und sich die Gefühle und Stimmung der Mutter auf das Kind übertragen. Ein weiterer Punkt ist der Prolaktinspiegel der Mutter. Damit Milch gebildet wird, braucht die Frau (vor allem in den ersten Wochen der Stillzeit) eine gewisse Prolaktionausschüttung, die durch das Saugen des Kindes angeregt wird. Das „Marathonstillen" am Abend sorgt dafür, dass die Prolaktinausschüttung angeregt wird und dem Kind dann im weiteren Verlauf genügend Milch zur Verfügung steht. Das Marathonstillen kann für Sie sehr anstrengend und auch nervend sein, aber es hat seinen Sinn. Rein wissenschaftlich gesehen ist es so, dass das Baby durch den Stillmarathon die Prolaktinausschüttung anregt und so dafür sorgt, dass die Milchbildung angeregt wird und genügend Milch für das Kind zur Verfügung steht. Ein Baby sollte nach Bedarf gestillt werden. Alle Stillexperten sind sich einige, dass Stillen nach Bedarf für Mutter und Kind am besten ist. So wird sichergestellt, dass das Baby die Nahrung, die es braucht, genau dann bekommt, wenn es sie braucht und sich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einstellen kann. Während eines Wachstumsschubs kann es durchaus sein, dass ein Baby alle Stunde an die Brust möchte. Es gibt keinen Grund einen Mindestabstand zwischen zwei Stillmahlzeiten einzuhalten. Im Extremfall kann das „Hinhalten" des Babys zu Gedeihstörungen führen. All die Erzählungen von einem bestimmten Rhythmus eines Babys sind schlicht und ergreifend falsch. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut und der Organismus eines Babys ist auf häufige Mahlzeiten eingestellt. So kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl). Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys. Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Dazu kommt, dass in bestimmten Altersstufen Wachstumsschübe zu erwarten sind, in denen die Baby manchmal schier ununterbrochen an die Brust wollen. Ich kann Ihnen gerne empfehlen, einmal ein Stillgruppentreffen zu besuchen oder zumindest einmal mit einer Stillberaterin in ihrer Nähe ein direktes Gespräch (auch am Telefon) zu führen. Viele Unsicherheiten lassen sich im direkten Gespräch sehr viel besser ausräumen und der Austausch mit anderen stillenden Müttern kann sehr ermutigend sein und vor allem werden Sie sehen und erleben, dass sich andere Babys genau so verhalten wie Ihr kleines Menschlein. Adressen von Stillberaterinnen finden Sie im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). LLLiebe Grüße Biggi


Sunny Bee

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Noch eine kleine Anmerkung: Meine Tochter hat bisher nachts ganz gut geschlafen, wofür ich dankbar war, da sie tagsüber schon Recht anstrengend ist. Sie schläft tagsüber so gut wie gar nichts, will nicht abgelegt werden und will immer beschäftigt werden. Ich komme daher zu gar nichts und weiß auch nicht, wie ich sie den ganzen Tag beschäftigen soll. Mittlerweile kommt die kleine aber auch nachts jede Stunde, will an die Brust zum nuckeln und schläft dann wieder ein. Dauerhaft ist das sehr schwer durchzuhalten. Ich will ja nicht aufhören zu stillen, aber wenn der Papa auch Mal eine Flasche geben könnte, wäre das eine echte Erleichterung.


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