Frage im Expertenforum Stillberatung an Kristina Wrede:

Mein Baby schläft Nachts nicht mehr, muss ich mit Beikost anfangen

Frage: Mein Baby schläft Nachts nicht mehr, muss ich mit Beikost anfangen

Mitglied inaktiv

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Wunderschönen Tag wünsche ich, meine kleine Tochter (5 Monate und 2 Wochen) schläft seit einigen Tagen Nachts zwar wie gewohnt an der Brust ein (um 20 Uhr) wacht aber um 23 Uhr auf, will erneut an die Brust (war am Anfang schon so, war dann besser, dann wachte sie nur um 3 Uhr auf und um 6 Uhr) und wenn ich sie weglege, wacht sie wieder auf und schreit und will mit in unser Bett, da ist auch alles gut, da schreit sie nie. Wenn sie dann mal Durst bekommt, was in letzter Zeit häufiger ist, oder sie einfach nur nuckeln will, dreht sie sich zu mir und nuckelt/trinkt. Sie war die Tage auch sehr kalt im Nacken, und ich habe sie im Bett unter die Decke genommen, da war ihr aber auch noch etwas kalt...Sonst hatten wir das Problem nie. Was denken sie, sollte ich mit der Beikost beginnen? Ich wollte dann erstmal eine Banane pürieren und ihr geben, muss ich die Banane dann kochen? Liebe Grüße Isabelle


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Liebe Isabelle, es ist nicht nur Hunger oder Durst, was die Kleinen in der Nacht an Mamas Brust zieht. Auch und gerade das Bedürfnis nach Nähe und Wärme treibt sie an, und ein Baby IST von Natur aus so angelegt, dass es die körperliche Nähe seiner Vertrauensperson BRAUCHT, damit es sich gut entwickelt. Das "im eigenen Bettchen schlafen" haben Erwachsene Menschen vor gar nicht sooo langer Zeit erfunden, und heute denken viele Menschen, dass DIES natürlich sei - was aber nicht stimmt. Ob deine Kleine tatsächlich Beikost braucht, erkennst du NICHT daran, dass sie nachts unruhiger ist als früher. Ein Baby ist meist bereit für Beikost, wenn folgende Faktoren erfüllt sind: • es ist in der Lage aufrecht zu sitzen (evtl. leicht gestützt), • der Zungenstoßreflex, durch den das Baby feste Nahrung automatisch wieder aus dem Mund herausschiebt, hat sich abgeschwächt, • es zeigt Bereitschaft zum Kauen, • es kann selbstständig Nahrung aufnehmen und in den Mund stecken, • es zeigt ein gesteigertes Stillbedürfnis, das sich nicht mit einer Erkrankung, dem Zahnen oder einer Veränderung in seiner Umgebung oder in seinem Tagesablauf in Verbindung bringen läßt. Wenn alle diese Punkte erfüllt sind, ist der Zeitpunkt für den Beginn der Beikost gekommen (meist ist das Kind dann etwa ein halbes Jahr alt, es kann aber auch jünger oder älter sein. Es ist ein normaler entwicklungsphysiologischer Verlauf, dass Babys in diesem Alter nachts (wieder) vermehrt aufwachen. Dieses Aufwachen liegt nicht an der Ernährung des Kindes, sondern ist entwicklungsbedingt. Deshalb ist die Einführung von fester Nahrung oder künstlicher Säuglingsnahrung oder eben das Abstillen auch keine Garantie für angenehmere Nächte. Die Kinder beginnen die Welt sehr konkret zu erleben, sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen. All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen, dass vielleicht die erste Erkältung kommt und, und, und ... Der scheinbare Rückschritt im Schlafverhalten ist eigentlich ein Fortschritt, denn er zeigt, dass die Entwicklung des Kindes voranschreitet. Seit Urzeiten schlafen Mütter mit ihren Babys und es hat noch nie einem Baby geschadet. Ein 11 Wochen altes Baby muss mit Sicherheit NICHT alleine einschlafen müssen! Es gibt keinen Grund, dass Du etwas daran ändern musst, dass Du dein Baby bei dir im Bett hast und nach Bedarf stillst und auch in den Schlaf stillst, es sei denn DICH persönlich stört etwas daran. Auch die immer wieder geäußerten Argumente, das Baby würde auf diese Weise verwöhnt oder es würde so nie lernen alleine einzuschlafen bzw. nie wieder aus dem Elternbett ausziehen, sind nicht stichhaltig. Babys in diesem Alter können noch nicht verwöhnt werden und Kinder, die sich den Platz im Elternbett nicht erkämpfen oder ertrotzen mussten, ziehen von selbst aus dem Elternbett aus, sobald sie reif genug dafür sind. Im Gegensatz dazu wollen viele Kinder, die als Babys alleine schlafen mussten noch lange ins Elternbett, weil ihr Bedürfnis (noch) nicht gestillt wurde. Sobald ein Baby die nötige Reife hat, lernt es alleine (ein)zuschlafen und wird auch längere Schlafphasen haben. Ich möchte dir zu diesem Thema das Buch "Schlafen und Wachen ein Elternbuch für Kindernächte" von Dr. William Sears empfehlen. Dr. Sears (Professor für Kinderheilkunde) hat zusammen mit seiner Frau Martha einige Bücher zum Thema Schlaf und Kindererziehung geschrieben, in die nicht nur sein Wissen als Kinderarzt sondern auch die reichhaltige eigene Erfahrung als achtfache Eltern eingeflossen sind. In "Schlafen und Wachen" beschreibt er nicht nur, warum Kinder so schlafen, wie sie es nun einmal tun und wo sie am besten schlafen, er gibt auch Tipps wie Eltern und Kinder zu ruhigeren Nächten kommen können. Das Buch ist im Buchhandel, bei der La Leche Liga und bei jeder LLL Stillberaterin erhältlich. Lieben Gruß, Kristina PS: Und wenn es dann irgendwann soweit ist, braucht die Banane nicht gekocht werden...


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