kathrinundclara
Lieber Herr Dr. Nohr, das Verhalten meiner fast 4-jährigen Tochter in einer bestimmten Situation ist mir seit jeher ein Rätsel, und vielleicht haben Sie eine Erklärung dafür: Wenn wir sie mit etwas überraschen möchten, reagiert sie sehr häufig mit dem Gegenteil der Reaktion, die man sich erwarten würde: nämlich Abwehr. Ein Beispiel: mein Mann hat ihr gestern ein Malheft vom Einkauf mitgebracht. (Sie mag Malhefte sehr gern). Ihre Reaktion darauf "Neeiii n, das mag ich nicht!" in Kombination mit Auf-den-Boden-Werfen und lautem Heulen. Erst, als wir das Heft komplett weggeräumt haben, hat sie sich beruhigt. Oft zeigt sie diese Reaktion auch, wenn Gäste ihr etwas mitbringen. Mir ist es dann immer ein wenig peinlich... Wenn sie hingegen etwas Neues wie "zufällig" findet - vor einiger Zeit hat sie Plastilin im Schrank entdeckt, auf das ich ganz vergessen hatte,- reagiert sie hingegen begeistert. Woran könnte dieses abweisende Verhalten liegen? Danke im Voraus
Dr. med. Ludger Nohr
Hallo, der Unterschied der Situationen ist, dass Ihre Tochter in die eine Situation (Geschenk) gebracht wird, die andere (Plastilin) aber selbst kreiert und gestaltet. Man könnte sagen, dass die Überraschung sie in dem Moment überfordert, emotional und auch vom erwarteten Verhalten. Es wird Dank oder Freude erwartet und das scheint Ihr Kind als "fremdbestimmt" zu erleben, zumindest als nicht von ihr entschieden und somit verunsichernd. Das ist oft verbunden mit einer Unsicherheit im Selbsterleben, was ja in diesem Alter noch häufig ist. Das bedeutet, dass sich das mit der Zeit und wachsendem Selbst-Vertrauen ändern wird. Es ist aber hilfreich, das Verhalten für den Moment zu akzeptieren und das erwachsene Verhalten darauf einzustellen. Überraschungen sind jetzt noch zu sehr verunsichernd aber Vorfreude ist ja auch was Besonderes. Dr.Ludger Nohr
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