WildeMeuteundIch
Sehr geehrter Dr. Nohr, ich habe eine Frage zum sonderbaren Verhalten meines großen Sohnes, 4J. Seit er ein Baby war, möchte er bei jeder Gelegenheit auf mich draufliegen. Früher probierte er teilweise Stoßbewegungen, dies habe ich rigoros unterbunden. Er versucht meinen (etwas wabbeligen) Bauch freizulegen, zieht sein Hemd hoch und legt sich mit nackter Haut auf mich. Er hat auch so tagsüber quasi ständig die Finger an meinem Bauch, knetet, blubbert rein. Ich verbiete das und es passiert immer wieder. Ich bin mittlerweile genervt bis... sorry... angewidert. Ständig wird an mir herummanipuliert, besonders morgens wenn Kids 1 und 2 (3 und 4 Jahre) zum Kuscheln kommen. Sohn "groß" war ein Schreibaby, der Bruder kam sehr früh direkt nach. Sein Verhalten ist grundsätzlich leider oft "anders", wobei ihn sein willenstarker jüngerer Bruder erdet. Er ist ein leises Kind, belesen, in der Kita weicht er jedem Streit aus, auch Konflikte mit dem Bruder scheitern daran, dass er sofort wie eine Sirene weint und meine Einmischung möchte. Empathie kam erst zuletzt. Er lacht oft zu laut, stachelt andere an, spricht kaum mit Unbekannten. Wenn er sich wehrt, dann auch vollkommen "außerhalb der Norm", d.h.es die Reaktion ist oft "zu" brachial. Ich weiß nicht, wie ich meinem Sohn helfen kann. Wie kann ich konkret meine Situation verändern?
Dr. med. Ludger Nohr
Das sind viele Einzelfragen und ich versuche, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Ihr Sohn zeigt Verhaltensweisen, die auf eine gewisse Selbst-Verunsicherung hinweisen. Deshalb kann er sich wenig behaupten, sucht viel Schutz und Nähe und ist in seinen Reaktionen immer wieder inadaequat. Grundlage im Verhältnis zu diesen Kindern ist, ihre Stärken zu unterstützen und nicht dauenrd auf Mängel hinzuweisen. Verunsichert sind sie schon selbst, das bedarf nicht dauernder Bestätigungen. Sie brauchen Anerkennung in Wort und Tat, sie müssen das Gefühl wieder stabiler glauben können, auch so wertvoll und liebenswert zu sein. (Die Entthronung kam ja auch recht früh, da ist die Bindung noch nicht sicher) . Das dauert seine Zeit und kann nicht durch viele Worte und Einsichtsappelle beschleunigt werden. Verhaltensweisen, die Sie stören, können Sie natürlich unterbinden . Aber man muß den Sohn nicht für seine Wünsche und Bedürfnisse kritisieren oder abwerten. Dr.Ludger Nohr
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