Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Papa ist der Held!

Frage: Papa ist der Held!

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Guten Tag Dr. Posth, ich bin im Moment sehr frustriert und verunsichert. Wir haben einen Sohn im Alter von 22 Monaten. Er ist ganz normal entwickelt und meistens gut drauf. Ich bin immer für ihn da, der Papa ist trotz Beruf sehr oft für ihn da, dies aber zu unregelmäßigen Zeiten. Insgesamt zeigt unser Sohn alle Anzeichen einer sicheren Bindung. Nun habe ich schon seitdem er so 14 Monate alt ist ein Problem damit, dass er, wenn der Papa anwesend ist, sich nur von ihm trösten lassen will. Seit ca. einem Monate will er sich auch nur noch von ihm ins Bett bringen lassen. Ich werde regelrecht aus dem Zimmer geschoben. Wenn er nachts weint, kriecht er immer zum Papa (Familienbett mit Babybalkon). Ist der Papa nachts nicht da, was ca. 1 - 2 mal die Woche vorkommt, habe ich mind. eine Stunde ein großes Geschrei. Ich kann ihn überhaupt nicht beruhigen. Letzet Nacht hat mein Mann im Kinderzimmer geschlafen, weil um 5 Uhr sein Wecker geschellt hätte und unser Sohn dann auch um 5 Uhr die Nacht beendet hätte. Mein Sohn ist dreimal aus dem Bett raus und hat ganz hysterisch nach dem Papa gesucht. Mitten in der Nacht. Ich bin dann nur Luft oder werde vor lauter Wut sogar von ihm geschlagen, wenn ich ihn beruhigen will. das alles macht mich wirklich sehr traurig. Vielleicht könne sie mir ja einen Rat geben. Ich denke immer, dass ich der schlechtere Elternteil bin und er zu mir nicht das Vertrauen hat, wie zu meinem Mann (vorallem beim Trösten geht es mir so). Ach ja, wenn mein Mann abends nicht da ist, lässt er sich absolut problemlos von mir ins Bett bringen. Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar! Liebe Grüße Elli


Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Elli und die anderen Mütter, auch ein sicher gebundenes Kind muß sich von seiner primären Bezugsperson lösen. Andernfalls gelänge es ihm nicht, ausreichend selbständig und autonom zu werden. Schließlich muß ja jeder Mensch in seinem eigenen Körper leben. Um nun zu diesem eigenen Selbst zu gelangen, braucht jedes Kind ein Vorbild, das nicht mehr die Mutter ist (wenn diese die primäre Bezugsperson ist). Im Idealfall ist es also der Vater, der, wenn er sehr einfühlsam und zuwendungsaktiv ist, dann auch sehr geliebt wird. Er bekommt einige Vorzüge vom Kind verliehen, die bislang der Mutter zugeordnet waren. Im Gegensatz zur Mutter-Kind-Dyade entwickelt sich eine Mutter-Vater-Kind-Triade. So ist es eigentlich richtig und von der Natur gewollt. Nun sollte aber die Mutter nicht gekränkt sein, wenn sich das Kind von ihr scheinbar abwendet, denn, was sich hier vollzieht, ist ein wichtiger Reifungsschritt ihres Kindes hin zu seiner Selbständigkeit. Das mütterliche Bild ist ja längst fest verankert in der Vorstellungswelt ihres Kindes. Und von dort wirkt es beständig weiter, und die Mutter bekommt in Zukunft neue Aufgaben und bleibt so immer bedeutend in den Augen ihres Kindes. Z.B. wenn es dem Kind wirklich schlecht geht (Krankheit, etc.) oder bei der weiteren Lösung aus der Familie in die Krabbelgruppen oder in den Kindergarten wird die Mutter wieder ganz in den Mittelpunkt bei Ihrem Kind rücken. Ein Kind, das seelisch gesund ist, wird sich immer das nehmen, was es zu seiner Weiterentwicklung braucht. Darin sollte man es bestärken! viele Grüße


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Hallo Elli! Sorry, das ich meinen Senf dazugeb, aber das könnte genau mein Posting sein. Meine Tochter ist jetzt 16 Mo. alt. Bis vor kurzem war alles i.O. Als Ihr Papa über den Feiertagen zu Hause war hat sie mich die ganze Zeit völlig links liegen gelassen. Bei den Feiern in der Familie war mir das immer total peinlich, da ich nicht in der Lage war mein Kind zu beruhigen wenn ihr Papa mal rausging oder so. Zu Hause störte mich das ja weniger. Bei uns ist es ähnlich. Mein Mann arbeitet auch unregelmäßig und im Schichtdienst, da wird jeder Schritt von ihm beäugt. Es könnte ja vorkommen, das wenn er rausgeht, sie ihn 2 volle Tage nicht sieht oder so. Ich kann mir das aber gut erklären weswegen das so ist. Bei mir und dann ja auch bei Dir haben unsere Kinder das Gefühl, die Mama hab ich sicher, die ist immer da. Aber beim Papa muß ich aufpassen, der geht und kommt nicht mehr. Für die Kleinen sind 2 Tage ne Ewigkeit. Das ist mein Trost für Ihr Verhalten, denn Zeitweise fühlt man sich als ob man als Mutter versagt hätte, aber dem kann ja nicht so sein. Wenn ich mit ihr alleine bin, dann zähle ich aber voll für sie, dann gibt es kein Problem. Wir haben ein Familienbett. Die meiste Zeit wird auch "drüben" gekuschelt. Ihr Papa darf nicht mal aus Klo gehen. Das merkt sie und weint ihm jämmerlich nach. Ich konnte Dir zwar nicht wirklich helfen, aber Du siehst Du stehst nicht alleine, Du hast als Mutter auf keinen Fall versagt im Gegenteil, er hat ja keinen Grund Dir nachzuheulen, Du bist ja immer für Ihn da. Ich lasse meine Tochter auch bewußt mit Ihrem Vater zusammen sein solange sie will und habe mich an diese Situation gewöhnt. Mein Mann geht darauf ein, indem er Josi sagt: Schau mal Deine liebe Mama ist da, oder bezieht mich in seine Spiele mit Ihr ein indem er sagt, die Mama macht das und das, die Mama geht jetzt mit Dir wickeln oder oder oder. Ich wünsche Dir viel Kraft und alles Gute. LG Dani


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hallo Elli, das finde ich grade sehr amüsant, denn vor genau drei Tagen war ich kurz davor, ein ähnliches Posting hereinzusetzen( hab mich aber nicht getraut) Meine Tochter( 13 Monate) immer sehr Mama-anhänglich war letzte Woche von einem Tag auf den anderen, ohne daß dem etwas hervorgegangen ist, totales Papakind.4 Tage hat sie mich gänzlich ignoriert, und dies hat unglaublich weh getan( ich kann diesen Schmerz bei Dir absolut nachvollziehen)Ich habe mir schreckliche Vorwürfe gemacht, unwissendlich etwas falsch gemacht zu haben. Jetzt arbeitet Papa wieder und die Kleine ist krank, und plötzlich ist sie wieder in den Schoss der Mama zurückgekehrt. Bin nun sehr gespannt, was Herr Dr Posth dazu sagt. Auch für mich, damit ich nächstes mal mit meinen Gefühlen gewappneter bin. Herzliche Grüsse, naxos


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Bei uns genau dasselbe mit unserem 20 Mt. alten Sohn. Wir teilen uns die Betreuung des Kleinen. Bin ich mit ihm alleine, ist alles o.k.Kaum geht der Papa zur Tür raus -> Geschrei (das war mir ausser Haus auch oft peinlich..), der Kleine fällt hin, ich nehme ihn hoch, doch er streckt die Arme nur zu Papa, ins Bett gehen will er praktisch nur mit Papa ect. ect. Langsam mache ich mir keine Gedanken mehr, ich glaube auch, dass unsere Kinder einfach wissen, dass wir immer für sie da sind. Sie konnten Urvertrauen bilden! Dennoch tut es gut, zu lesen, dass man nicht die einzige Mutter ist, die sich manchmal deswegen als unfähig vorkommt...


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Hallo, es tut schonmal unendlich gut, dass es tatsächlich identische Verhaltensweisen bei ganz verschiedenen Kindern gibt. Das beruhigt ungemein. Vielen Dank für Eure Antworten!!! Als ich ein paar Mal das mit der Peinlichkeit gelesen habe, viel mir unsere Silvesterparty ein. Wir haben im Kreis von 50 Freunden und Bekannten gefeiert. Viele hatten unseren Sohn noch nie gesehen. Er war das einzige Kind auf der Party und somit das Highlight. Er hat den ganzen Abend mit dem Papa und für ihn Wildfremden rumgealbert. Ich hatte die absolute Statistenrolle. Er hat mich überhaupt nicht beachtet, es war schrecklich. Ich dachte immer nur, was sollen die denken, wenn ein Kind seine Mutter praktisch gar nicht wahrnimmt. Einmal ist er von einem Stuhl gefallen und hat geweint. Ich habe ihn auf den Arm genommen und er hat heulend die Arme zum Papa ausgestreckt. So schrecklich es war, so peinlich war es mir auch. Und tatsächlich stehe ich auch mit dieser Verhaltensweise nicht alleine da, gut zu wissen. Danke! Mal schauen, was Dr. Posth so sagt! Elli


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Würdest Du Dir auch so viele Gedanken machen wäre die Situation umgekehrt? Umgekehrt kommt sie viel häufiger vor und die lieben Papas müssen damit umgehen und können dies wohl auch etwas besser als die Mütter. Es gibt nun mal Mama-Kinder und Papa-Kinder. Sie froh und genieße es. Bei uns ist es umgekehrt und Papa ist doch manchmal recht irritiert. Servus Karin


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Hallo Karin, ich finde Elli hat ein absolutes Recht darauf, traurig, verletzt zu sein und eine Art Liebeskummer zu haben. Es sind ihre Gefühle, und ich finde es spielt überhaupt keine Rolle, wie es andersrum wäre, WEIL es nicht anders rum ist. Die Frage war ja nicht:" Hilfe, mein Kind hat den Papa lieb" sondern" Warum scheint mich mein Kind abzulehnen"bzw"Was könnte ich in der Bindung falsch gemacht haben"...und wie man an Ellis Beiträgen ersehen kann, mit großem innerlichen Schmerz an einen Fachmann gerichtet. Es war sicher nicht ihr Sinn, eine Diskussion mit Menschen auszulösen, die ihrem Gefühl noch eine kleine Ohrfeige geben. Ich finde solch Beiträge wie den Deinigen immer sehr schade, weil es hier nicht um einen Diskussionspunkt, sondern um eine ganz tiefe intime Gefühlsregung geht. Ebenfalls Servus, Naxos


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Hallo Karin, ich habe mir schon öfter Gedanken dazu gemacht, wie es wäre wenn die Situation anders herum wäre, aber leider hilft mir diese Vorstellung bei meinem Problem nicht weiter. Ich bin vielleicht einfach kein selbstverliebter, total selbstsicherer Mensch, der anderen nur das schlechte wünscht und sich selber nur die Liebe von allen Seiten. Und ich sage es Dir ganz ehrlich und aus vollem Herzen: Mir täte mein Mann sehr leid, würde er manchmal so abgewiesen und vom Kind gehauen, wie ich es werde. Und ich habe auch viele Freundinnen, deren Väter ab und zu "irritiert" sind. Wie Du siehst, auch Du bist nicht alleine. Aber leider fühle auch ich mich sehr oft alleine. Daher Danke an Naxos! Ohne die Mail direkt dahinter hätte ich gerade vermutlich meine nächste Depri-Phase. Elli


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