MammaMia75
Guten Tag! Es geht um meinen bald 3jährigen Sohn (jüngster von 3 Kindern). Er hat immer mal wieder so schlimme Ausraster. Beispiel: Ich biete ihm an, das Garagentor selber zu schliessen (mit Drücken eines Knopfes). Er sagt "nein" also schliesse ich es selber. Dann geht das Theater los. Er schreit und zeigt auf den Drücker. Ich drücke das Tor wieder auf, damit ER es schliessen kann und halte ihm den Drücker hin. Dann sagt er wieder "nein", aber sobald ich es tue schreit er wieder. Dieses Spiel mach ich bis es mir zu bunt wird, ich schliesse das Tor und lass ihn schreien. Gestern: ich wollte rasch zur Nachbarin und fragte ihn, ob er mitkommen wolle oder nicht (mein Mann war zuhause). Er natürlich wieder "nein" aber sobald ich draussen war hämmerte er wie verrückt an der Haustüre er wolle mitkommen. Ich wieder zurück will ihn mitnehmen aber sobald wir draussen waren schrie er und wollte wieder zurück. Ich hab das Theater 5mal mitgemacht bis ich ganz genervt alleine zur Nachbarin ging und ihn hörte wie er an der Haustüre hämmerte. Nach 15 Minuten brachte mein Mann ihn genervt zu uns, er habe die ganze Zeit geschrien. Solche Ausraster kann er so 2-6mal am Tag haben, und das seit etwa 5 Monaten. Zwischen diesen Vorfällen ist er aber wieder ganz brav. Ist das noch die normale Trotzphase? Oder muss ich mir Sorgen machen?
Dr. med. Ludger Nohr
Hallo, so unangenehm die Situationen auch subjektiv sind, von aussen wirkt das ja wie ein Spiel, das die "blöde" (aus Kindersicht) Mutter nicht versteht.("Missverständnis ist die häufigste Form der menschlichen Kommunikation" sagt ein Ratespiel) Sie wollen die Garagentür schliessen (eine funktionelle Handlung) und er möchte was völlig anderes. Sein Ziel ist nicht die geschlossene Garagentür, sondern mit dem Knopf, mit Ihnen o.ä. spielen. Somit gibt es völlig verschiedene Bedürfnisse und Ziele, die schlecht zusammenpassen. Zum anderen erleben die Kinder oft eine Gefühlsambivalenz. Sie wollen mit zur Nachbarin und auch nicht und sie können keine Lösung finden. Das ist leidvoll, wie wir Erwachsenen in ähnlichen Situationen auch wissen. Und bei beiden Situationen ist sicher auch ein Autonomiebedürfnis, ein Wunsch nach Selbstwirksamkeit, ein sich durchsetzen wollen, mit dabei und gehört dahin. Wichtig ist jetzt zu realisieren, wann Sie auf sein Spiel eingehen wollen oder können und wann nicht. Bei Letzterem ist es dann wichtig, dass er Ihre Intention versteht, verstehen lernt.Das bedeutet in diesen Situationen, dass er auf etwas verzichten muss und das mag niemand. Also halten Sie das in dem Moment aus und in ruhigen Zeiten erklären Sie den Zusammenhang. So können sie sich langsam und Schritt für Schritt besser verstehen . Dr.Ludger Nohr
März2016
Ich finde das Verhalten noch relativ normal. Das was mir als Außenstehende bei deinem Text aufgefallen ist (aber das ist jetzt nur meine Meinung, keine psychologisch untermalte oder so ;)): Vielleicht ist das Problem, dass dein Sohn nicht aus den Situationen lernt. Er erkennt die Konsequenzen von seiner Entscheidung nicht, weil du seine Meinungsänderung immer mitmachst. Ich vermute du überforderst ihn mit dieser Entscheidungsfreiheit, weil die kleinen Menschen häufig selbst nicht genau wissen, was sie möchten. Ich an deiner Stelle würde zb bei dem Torbeispiel ihn fragen, er sagt „nein“, du drückst, er will doch, du hälst das Tor an. Nimmst ihn beiseite und sagst ruhig zu ihm „Du darfst das gerne drücken und zu machen. Ich gebe dir gleich den Knopf. Wenn du dann aber doch nicht willst, dann mache ich es. Hast du das verstanden?“ dann auf Reaktion warten, dass er es verstanden hat. Und dann drückt er - oder lässt es. Und du hälst die Konsequenz liebevoll aus, mit Verständnis, trösten und verbalisieren seiner Gefühle „du bist jetzt doch traurig, dass du es nicht zumachen kannst, was? Manchmal sind Entscheidungen doof, geht mir auf oft so, morgen kannst du neu entscheiden“. Die ersten Male wird das sehr ungemütlich. Aber so hat er die Chance die Reaktion auf seine Entscheidungen zu erlernen. Ich hoffe es war okay, dass ich meinen Eindruck hier erläutert habe. Vielleicht ein gedankenanstoss, wenn auch nicht DIE Lösung. Ganz liebe Grüße und halte durch - es ist eine Phase ;)
Meeresschildkröte
Ich habe auch das Gefühl, dass er im Moment einfach noch nicht versteht, dass sein "Nein" eine Entscheidung ist, die Konsequenzen bedeutet. Das ist wohl normal und hat weder mit Trotz noch mit Austesten o.ä. zu tun, sondern einfach mit einer kognitiven Entwicklung, die du unterstützen kannst, indem du ihm (geduldig) immer wieder erklärst und zeigst, dass sein "Nein" eine Auswirkung hat.
MammaMia75
Vielen herzlichen Dank für alle Antworten, das hat mir sehr geholfen. Tut einfach auch mal gut von Aussenstehenden (neutralen) Personen zu hören was sie dazu denken (meine Mutter hat schon gemeint, dass mit meinem Sohn was nicht stimme). Ich gehe nun etwas ruhiger und gelassener mit solchen Situationen um. Danke :-)
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