Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Extremes Fremdeln?

Frage: Extremes Fremdeln?

Mitglied inaktiv

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Hallo Herr Dr. Busse, meine Tochter ist jetzt 10 1/2 Monate alt und war ein Schreibaby, sie hat die ersten 7 Monate fast nur geschrien. Das haben wir mit Hilfe einer Schreiambulanz gut hinbekommen. Sie ist ein sehr anhängliches Kind und traut sich selten etwas weiter von mir weg. Seit einigen Wochen kommt es mir so vor als ob sie Fremdelt!? Sie mag nicht von anderen gehalten werden, ist aber auch auf Mamas Schoss im Beisein von Fremden und in fremder Umgebung sehr quengelig und schreit - an spielen ist da überhaupt nicht zu denken. Wie reagieren? In der Schreiambulanz haben wir gelernt, dem Kind "falsche" Verhaltensmuster, wie z.B. Rumtragen bis zum Einschlafen, beim Schreien im Bett oder auch Tagsüber nicht so viel Hochnehmen usw. abzugewöhnen. Jetzt habe ich Angst, dass ich durch dieses Fremdeln (wenn es das denn ist) ihr wieder was falsches angewöhne. Sie ist da sehr anfällig, kaum ist Papa, der sie oft beim Quengeln hochnimmt, einige Tage am Stück da, wird auch das Schreien wieder schlimmer. Manuela


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Manuela, mich würde einmal interssieren, in welcher Schreiambulanz Sie gewesen sind und warum man dort Herumtragen zur Beruhigung oder Hochnehmen und Trösten beim richtigen Schreien als falsche Verhaltensmuster bezeichnet. Hier in diesem Form lesen Sie ja ganz andere Dinge und die basieren auf vielen tiefenpsychologischen und neurobiologischen Erkenntnissen. Schreibabys sind nach neueren Studien sehr häufig unsicher gebundene Kleinkinder und verhalten sich auch schon im späteren Säuglingsalter durch starkes Fremdeln wie solche. Das scheint auch auf Ihre Tochter zuzutreffen. Am besten, Sie lesen sich die ersten beiden Kapitel über das emotionale Bewußtsein, link oben rechts einmal durch, und melden sich dann bitte noch einmal mit Fragen wieder. Viele Grüße


Mitglied inaktiv

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Hallo Herr Dr. Posth, wir waren bei einer Ergotherapeutin/Verhaltenstherapeutin in Regensburg, die aber 2 Jahre Zusatzausbildung in der Schreiambulanz in München gemacht hat. Meine Tochter hat ab der 2. Lebenswoche begonnen zu Schreien, vorallem ab Spätnachmittag bis spät in die Nacht. Wir dachten, dass Kolliken/Blähungen schuld seien, haben alle möglichen Mittel (Lefax, Saab, Bauchsalbe, ...) ausprobiert. Leider hat das alles nichts gebracht und das Schreien hat auch nach 3 Monaten nicht aufgehört. So haben wir unser Kind eben ab der 2. LW stundenlang umhergetragen (sie konnte auch schon von Anfang an nicht alleine einschlafen, nur mit schlafen). Ich dachte, dass mein Kind eben viel Nähe braucht und habe getragen und getragen, jeden Tag viele Std. Doch je mehr ich sie trug, umso schlimmer wurde es. Zuletzt konnte ich mich mit dem Kind auf dem Arm nichtmal mehr runterbücken oder hinsetzten, da hatte sie schon Angst ich würde sie hinlegen. Bis zum Einschlafen auf dem Arm dauerte es auch immer länger, zum Schluss bis zu 2 1/2 Std.!! Mir wurde in Regensburg erklärt, dass Julia durch das Tragen von Anfang an einfach falsch gelernt hat, sie wusste, dass sie durch das Schreien schnell hochgenommen wird und natürlich auch gewarnt, wenn sie einschläft, dass ich sie dann vom Arm runter ins Bett lege, so dass es eben immerlänger dauerte bis sie einschluf. Wir haben dann gegonnen sie bei Müdigkeit wach ins Bettchen zu legen und sind nach der Methode von Dr. Ferber (ich denke, das kennen sie) verfahren, und innerhalb von 2-3 Tage schlief das Kind friedlich im Bettchen ein. Sie war wesentlich freundlicher und ausgeschlafener. Dann bemühten wir uns untertags sie nicht mehr so häufig hochzunehmen, das klappte eigentlich nach einigen Wochen auch sehr gut. Ich habe gemerkt, dass sie vor jeder motorischen Weiterentwicklung wieder einige Tage viel schreit. So war es beim Um- und Zurückdrehen, beim Robben und eben jetzt beim Sitzen und Krabbeln. Seit 2 Tagen Krabbelt das Kind und ist wie ausgewechselt. Gestern waren wir in der Krabbelgruppe und keinerlei Anzeichen mehr davon, was ich Ihnen vor einigen Tagen noch beschrieben habe. Ich denke das war dann wohl kein Fremdeln!? Ich habe mich mittlerweile dran gewöhnt ein dickköpfiges, schwierigeres Kind zu haben, als eben andere. Je mobiler sie wird, desto besser wird die Situation, und darüber bin ich sehr froh. Und das gibt auch Hoffnung für die Zukunft! Danke für Ihre Zeit Manuela


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Manuela, Sie können natürlich nichts dafür, wie man Sie berät. Das Problem ist (und das nicht nur von Ihnen allein), daß Sie jetzt in der Folgezeit in dieser Vorstellungswelt weiter das Verhalten Ihrer Tochter interpretieren müssen, weil Sie sonst an der Richtigkeit der Grundthesen zweifeln müßten (und damit auch an dem, was Sie unternommen hatten). Wenn ein kleiner Säugling auch beim Herumtragen und bei liebevoller Betreuung weiter unruhig ist und schreit oder sogar noch unruhiger wird, dann hat er ein organisches Problem. Denn kein Säugling schreit und ist negativ erregt, wenn er sich mit seinen beiden liebsten Gewohnheiten versorgt sieht, nämlich gestillt und herumgetragen werden. Menschen sind "Säuglinge" und Traglinge! Die organischen Probleme, die in wahrscheinlich 90% Bauchbeschwerden bei der Keimbesiedlung des Darmes sind (es geht hier um mehr als 1 Billionen! Bakterien), können entgegen landläufiger Auffassungen beseitigt werden. Hier im Form habe ich schon viel dazu geschrieben (Stichwort Trimenonkoliken). In meiner eigenen Praxis kann ich einen Großteil der sogenannten Schreibabys erfolgreich behandeln, der Rest sind sog. Interaktionsstörungen zwischen primärer Bezugsperson und Säuling auf dem Boden eines angeborenen, schwierigen Temperaments oder Auswirkungen mütterlicher und allg. familiärer Probleme. Am bekanntesten und eindruckvollsten sind die Schwierigkeiten mit den sog. Wochenbettdepressionen. Ein Vorwurf darf der Mutter daraus natürlich nie erwachsen, Hilfen jeder Art sind angesagt. Das gilt auch für die ganze Familie. Auf diese Aufgaben sollten sich Schreiambulanzen spezialisieren. Noch einmal viele Grüße


Mitglied inaktiv

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Lieber Herr Dr. Posth, ich habe über 10 Jahre als Arzthelferin und MTA gearbeitet und muss sagen ich bin sehr erstaunt darüber, dass gerade bei dem Thema "Schreibabys" sogar die Meinungen der Mediziner so weit ausseranderliegen. Ein Kinderarzt meinte, es seien die Zähne (mit 4 Monaten) ein anderer wiederum meinte, das Kind ist einfach verwöhnt und ich solle sie mal schreien lassen, das wird schon wieder. Beide hatten die Kleine untersucht und keine org. Probleme gefunden, allerdings wurde auch keine Stuhluntersuchung gemacht. Hilfe war überhaupt nicht zu erwarten. Wochenbettdepressionen hatte ich nicht, allerdings muss ich schon sagen, dass ich nach 6 Monaten Dauerschreien sicherlich einer Depression sehr nahe war. Hab ich sie richtig verstanden? Sie meinen, dass in den meisten Fällen eben die Darmflora bei den Kleinen gestört ist? Stuhluntersuchung machen lassen? Und Med.wie z.B. Symbioflor geben? Oder was kann man machen? Macht das jetzt noch Sinn (Julia ist jetzt 10 1/2 Monate alt) ? Das erklärt, dann zwar immernoch nicht, warum sich der Zustand bei unserer Methode gebessert hat, oder habe ich den Willen des Kindes gebrochen? Meinen Sie, dass sie durch unser Vorgehen irgendwelche psych. Schäden davontragen könnte? Danke für Ihre Antwort Manuela


Mitglied inaktiv

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Hallo Manuela, meine älteste Tochter hat zwar nicht extrem viel geschrien als Baby, aber dennoch sehe ich einige Parallelen. Zunächst wurde sie abends in den Schlaf gestillt. Dass ich sie dann in den Schlaf begleite, hat sie nach dem abendlichen Abstillen natürlich beibehalten. Dann dauerte das Einschlafen immer länger, weil sie ständig unter dem Druck stand, aufzupassen, dass ich nicht weggehe. Und dann wurde sie natürlich ständig wach, um meine Anwesenheit zu kontrollieren. Das ist bis heute so: sie ist jetzt 3,5 Jahre und kommt noch jede Nacht zu mir ins Bett. Ich versuche immer, ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, soweit sie noch nicht rational damit umgehen kann. Ob diese "Konditionierung" so richtig war, bezweifle ich allerdings manchmal schon. Vielleicht hat sie dadurch auch einfach nicht gelernt, dass es nix Schlimmes ist, allein zu schlafen. Da sie immernoch sehr "anspruchsvoll" und zuwendungsbedürftig ist, hätte ich bei ihrer Schwester (9 Monate) diese Faxen gar nicht machen KÖNNEN, zumal ich die ganze Woche über allein mit den beiden bin. Mit Sicherheit spielt Veranlagung eine nicht unwesentliche Rolle, aber dass Franca dann derart fixiert auf mich war, dass sie sich oft selbst im Weg stand, dazu habe ich bestimmt auch meinen Beitrag geleistet, indem ich sie in ihren "Schwächen" unterstützt habe. Sie war auch extrem verschlossen gegenüber Fremden und wollte sich auch später im KiGa zunächst gar nicht auf andere einlassen. Sie wollte darauf bestehen, dass ICH ihr z.B. beim Schuhe-anziehen oder beim Toilettengang helfe. Bei meiner Mutter und meinem Mann konnte sie das meist durchsetzen: sie hat abends gebrüllt, bis die mich nach Hause zitiert haben. Und so wurde sie immer abhängiger von mir. Und ich hatte immer den Eindruck: desto mehr ich auf sie eingehe, desto extremer wird's UND desto unzufriedener wird sie. Die Eingewöhnung in den KiGa habe ich zwar mit viel Zeit und Begleitung, aber auch mit einem Stück Härte durchgesetzt, sonst hätte sie den nie besucht. Mittlerweile ist sie stolz darauf, auch auf die Eigenständigkeit, die sie dort lernt und natürlich auf ihre Freunde, die sie nie kennenlernen wollte; weil sie ja mich hatte! Liebe Grüße Judith


Mitglied inaktiv

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Hallo Judith, genau das habe ich bei meiner Kleinen auch bemerkt, je mehr ich auf sie eingegangen bin, also je mehr ich sie getragen habe, bzw. je mehr ich sie jetzt ins schwierigen Situationen hochnehme, desto schlimmer wird es eigentlich. Sie ist dann oft sehr wahnsinnig unzufrieden. Ich bin auch unter der Woche mit ihr alleine und wir haben auch keine Oma hier, somit ist sie natürlich sehr auf mich fixiert. Aber ich bin auch der Meinung, dass ich versuchen muss das zu ändern, denn sonst haben wir im Kindergarten bestimmt eine ähnliche Situation, wie bei Euch. Danke für Deine Zeilen Manuela


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