Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Bindung

Frage: Bindung

Jacky01

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Lieber Dr. Posth, wir haben ein 19 Mon.alten Jungen, der sich m.E. nur schwer konzentrieren und beschäftigen kann, schnell unzufrieden ist, schnell weint und mich schon fast 'bestimmt'. Waren zur Nachsorge wg.Kisssyndrom bei einer neuen Ärztin die meine Sichtweise bestätigte. Ihrer Meinung nach sei außerdem der fehlende Blickkontakt auffällig;auch sucht er körperliche Nähe,sobald er sie erreicht hat scheint sie ihm unangenehm -so ihre Aussage. Ich kann ihn nie ruhig im Arm halten etc. Sie verwies mich an eine Ergotherapeutin, die mir zur Bindungsarbeit vereinfacht wie folgt geraten hat: ich soll unseren Sohn fest im Arm halten,ihn so lange weinen lassen bis er ruhig ist und Blickkontakt.Beim ersten mal hat es 1,5 h gedauert und ich habe mich bisher kein 2.mal getraut. Ich habe Angst, dass dieses Meinen lassen das ganze verschlimmert. Wie ist Ihre Meinung ? Besteht evtl. die Möglichkeit einer tel. Beratung. Übernehme selbstverständlich auch die Kosten. Danke im voraus. Viele Grüße


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, die so genannte Festhaltetherapie, die von Jirina Prekop in Deutschland verbreitet worden ist, ist ein Versuch, gestörte Bindung bei behinderten und seelisch auffälligen Kindern zu heilen. Aber dieser Ansatz beruht auf der fehlerhaften Grundannahme, dass man Gefühle erzwingen kann, die nicht existieren. Bindung muss wachsen, und sie entsteht durch die einfühlsame Beziehung zwischen Mutter und danach auch Vater und Kind hauptsächlich in den ersten 3 Lebensjahren. Konnte die Bindung nicht entstehen, entwickeln sich gestörte Verhaltensmuster im Sinne der desorganisierten Bindung. Es gibt keinen Beleg dafür, dass man durch das Festhalteprogramm im Nachhinein eine gestörte Bindung heilen kann. Es ist sogar gefährlich, solche Maßnahmen durchzuführen, denn die Abneigung des Kindes gegen die Zielperson der misslungenen Bindung kann dadurch in Hass umschlagen. Schließlich nimmt man dem Kind seinen Freiheitsdrang und unterdrückt die Selbstbestimmung. So betrachtet gibt es auch rechtliche Bedenken gegen diese Vorgehensweise, die sich selbst als Bindungstherapie verkauft. Auch das KISS ist eine umstrittenen Sache (s. gezielter Suchlauf). Angebliche Blockaden im Kopf-Körper-Gelenk oder der HWS können keine Verhaltensstörungen hervorrufen. Wenn sie denn existieren, dann rufen sie Schmerzen und Bewegungsbehinderung hervor. Wenn das tatsächlich so ist, was Sie bei Ihrem Sohn feststellen, dann wäre erst einmal eine gezielte Diagnostik angeraten. Das geht aber nur mit Vorstellung und Beobachtung. Vielleicht gibt es in Ihrer Nähe ja einen versierten Kinder- und Jungendpsychiater(in). Viele Grüße


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