Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Altersgemäße Entwicklung

Frage: Altersgemäße Entwicklung

Mitglied inaktiv

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Hallo Herr Dr. Posth! Manche Verhaltensweisen meines Dreijährigen (genau 3 1/4 Jahre alt) machen mich manchmal etwas nachdenklich. Was meinen Sie dazu? 1. Mir scheint, er kann keine Gefühle von anderen nachvollziehen. Wenn er seinen kleinen Bruder zum wiederholten Mal umschubst und ich ihm erkläre, dass es ihm wehtut, dann bemerke ich keine Reaktion. Auch wenn der Kleine weint oder ich ihm (in einer anderen Situation) sage, dass ich müde, traurig, etc. bin, reagiert er hierauf nicht. 2. Er hört kaum zu. Er versteht zwar alles, was um ihn herum passiert, aber wenn man ihn etwas konkretes fragt, dann gibt er oft irgendeine Antwort, die er dann aber, wenn es ausgeführt wird, sofort revidiert, weil er das eigentlich gar nicht will. Z.B. ich frage ihn, was er essen mag. Er antwortet: Brot mit Käse. Das kriegt er. Dann brüllt er am Tisch, er wolle doch Brot mit Ei. Wenn ich ihn manchmal frage, ob er gehört hat, was ich gerade gesagt habe, dann ist dies oft nicht der Fall. Dass er schlecht hört, denke ich aber nicht. 3. Er kann noch nichts nacherzählen, was am Tag passiert ist. Er weiß kaum am Nachmittag, was es zum Mittag essen gegeben hat oder was er im Kindergarten gespielt hat. Manchmal gibt er mir irgendwelche Phantasieantworten. 4. Er will nicht sauber werden. Ich frage ihn oft, ob er das große Geschäft nicht ins Klo machen will. Er meint konsequent: Nein, mag ich nicht. Weiß es aber natürlich, wenn er muss, denn er zieht sich dafür zurück. 5. Er trotzt wie ein Kleinkind. Wenn er etwas nicht haben kann, brüllt er los. Er versucht nicht zu verhandeln, zu überreden, zu betteln, etc. 6. Er phantasiert. Er erzählt mir manchmal Sachen, die nie stattgefunden haben, z.B. es hätte ihm gestern ein Rabe in den Fuß gezwickt. Ich bin mir unsicher, was davon in seinem Alter entwicklungsmäßig noch zu tolerieren ist oder ob hier eine Entwicklungsverzögerung vorliegt. Er ist übrigens ein zu leichtes Kind gewesen (38. SSW, 2180 g, ohne Anhaltspunkte für das geringe Gewicht), er war unstetig in seiner Entwicklung (krabbelte mit 7,5 Monaten, lief erst mit 17 Monaten; Wortschatz mit 17 Monaten 2 Wörter, Wortschatz mit 2 1/4 sehr groß, verwendet Ich-Form, kennt die Farben, etc.). Wie schätzen Sie die Situation grob ein? Gibts Bücher, in denen man sich orientieren kann, was es für Entwicklungsstufen so ab dem Kindergartenalter gibt? Danke!


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, fangen wir einmal mit dem Einfachsten an. Ein Sich-merken-können des Tagesablaufs und des Geschehens an diesem Tag übersteigt noch das episodische Gedächtnis des Kleinkindes. Das Keinkind ist noch viel zu sehr mit seiner Beziehungsgestaltung beschäftigt. Viel schwieriger ist die Frage nach der Empathiefähigkeit, bzw. dem Vermögen des Kleinkindes nach Einfühlsamkeit in das Gefühlsleben anderer. Mit gut 3jahren ist da normalerweise schon Einiges vorhanden, was dazu führt, daß trotzige Kleinkinder schnell wieder lieb sein wollen, wenn der "Anfall" vorüber ist, oder daß sie die Eltern trösten wollen, wenn sie einen schwerwiegenden Fehler gemacht haben. In Ihrem Fall scheint es aber so zu sein, als hätte Ihr Sohn noch gar nicht richtig zu sich selbst gefunden und stehe noch mitten in einer aggressiv unterstützten Trotzhaltung, um sein Selbst auszubauen und zu behaupten. In einem solchen Fall sind natürlich empathische Reaktionen eher blockiert. Lesen Sie vielleicht aufmerksam noch einmal den 3. Teil meines Langtextes über das emotionale Bewußtsein, link oben rechts. Dann wird Ihnen wahrscheinlich vieles klar, und Sie erfahren, wie Sie auf Ihren Sohn besser reagieren können. Viele Grüße


Mitglied inaktiv

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Hallo Herr Dr. Posth! Noch ein paar Verhaltensweisen, die mir im Nachhinein noch aufgefallen sind: 1. Er ist sehr schwankend in seiner Stimmung. Himmelhochjauchzend - zu Tode betrübt. Das wechselt immer sehr schnell. 2. Er macht oft was kaputt, obwohl man es gerade erst mit ihm gebaut/gebastelt hat (z.B. vor kurzem eine aufwendig gebastelte Ritterburg), die er zerrissen hat, weil es ihm gerade langweilig war). Die Dinge vermisst er auch nicht. 3. Er fragt bei manchen Sachen nicht nach. Als wir z.B. unseren Hund weggeben mussten, hat er kein einziges Mal nach ihm gefragt. Irgendwie habe ich manchmal das Gefühl, er nimmt seine Umwelt gar nicht richtig wahr. Nur das Hier und Jetzt, was ihn direkt in dem Moment betrifft. Ansonsten ist er auf den ersten Blick ein ganz normaler Dreijähriger, sprachlich und motorisch völlig normal. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass er von seinem Verhalten her betrachtet noch auf der Kleinkindstufe steht. Danke!


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