Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Abschiednehmen/Fremdbetreuung

Frage: Abschiednehmen/Fremdbetreuung

Mitglied inaktiv

Beitrag melden

Hallo Herr Posth, Laura(16Mon)hat im Moment starke Probleme mit Abschieden,selbst wenn ein relativ fremdes kind den Spielplatz verlässt weint sie.Ganz extrem ist es,wenn ihre Freundin geht oder wir von ihr weggehen.Woran könnte das liegen,hab das bei den anderen Kindern noch nicht beobachtet. Kann ich ihre Loslösung eigentlich auch voranbringen,indem ich sie in die Obhut einer Freundin gebe(stundenweise)oder sollte ich lieber warten,bis sie sich freiwillig von mir weg in Richtung Papa begibt.Ich habe festgestellt,dass andere Kinder,die von Anfang an fremdbetreut wurden weniger Probleme haben sich von der Mutter zu trennen.Habe Angst das bei Laura versäumt zu haben(sie war bisher immer nur bei mir oder meinem Mann) und fürchte dass sie es einfach so nicht lernt auch mal auf mich zu verzichten.kann ich das beeinflussen durch üben oder ist das ein Entwicklungsschritt den sie selber macht? Vielen lieben Dank für Ihre tolle Arbeit hier im Forum. Herzlichen Gruss,Anja.


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

Beitrag melden

Stichwort: Empathie Liebe Anja, es ist richtig, wenn Sie schreiben, daß es sich bei den Fragen der Bindung und Loslösung um Entwicklungsschritte handelt, die im Falle einer gesunden psychosozialen Entwicklung ganz von alleine in Gang kommen. Also mit Anerziehen, Herausfordern usw. ist da nichts. Wenn Kinder, die früh fremd betreut worden sind, den Anschein erwecken, als kämmen sie mit den Trennungsprozessen von der oder den Bezugspersonen leichter zu recht, so wird ein großer Teil dieses Verhaltens auf das Konto von Vermeidung und Verdrängung gehen. Auch ein "Fachmann" kann oft nicht genau unterscheiden, ob das "gefaßte" Verhalten eines Kindes in einer spannungsgeladenen Situation, wie es eine Trennung im frühen Lebensalter nun einmal ist (das Selbst ist noch nicht stabil genug!), ob ein solches Verhalten nun Ausdruck einer sicheren Bindung ist oder einer vermeidend-unsicheren. Letzteres wäre nur durch Messungen des vegetativen Erregungszustandens genau zu unterscheiden (was aus Gründen der Forschung gemacht worden ist). Aber wenn man ganz, ganz genau den Kindern ins Gesicht schaut und ihre Mimik "mißt", dann erkennt man zwei Dinge: erstens, daß sie ein wenig traurig blicken und zweitens, daß sie einen längeren Blickkontakt zu ihren Eltern meiden. Das "Problem" Ihrer Tochter im Moment ist vermutlich das verstärkte Bewußtsein des sich loslösenden Selbst mit etwa 1 1/2 Jahren. Das entspricht dem Beginn der Fähigkeit zur Empathie (vgl. Doris Bischof-Köhler), und genau das zeigt auch Ihre Tochter. Damit geht das Alter der reinen Affektansteckung zu Ende (die im wesentlichen offenbar auf dem Vorhandensein von so genannten Spiegelneuronen beruht, gerade ganz aktuell!). Also alles richtige und gute Entwicklungsschritte bei Ihrer Tochter. Selbstverständlich kann eine weitere akzeptierte und anerkannte Bezugsperson die Loslösung, die idealerweise über den Vater erfolgt, flankieren oder im Notfall sogar auch ganz ersetzen. Das habe ich hier im Forum schon oft besprochen. Viele Grüße


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.

Ähnliche Fragen

Lieber Herr Posth, Unser 2. Kind, 1,5 Jahre wurde bisher nicht fremdbetreut. Er wird noch teilweise gestillt, Familienbett und viel getragen. Ist ein sehr fröhliches aufgewecktes Kind. Kein Schnuller, kein Schmusetier. ¨Schläft nur durch stillen ein oder teilweise unterwegs im Tragetuch auf dem Rücken. Deshalb war ich zu den Schlafenszeiten eige ...

Mein Sohn ist 17 Monate alt. Wurde bis jetzt eigentlich nicht fremdbetreut (ausser ein Paar mal ganz kurz für 3-4 Stunden, und das auch nur von Familienmitgliedern). Vor 3Monaten wurde er noch für 2 Tage von seiner Oma betreut (nach einer FG von mir), was super geklappt hat. Nun ist es so...Mein Mann und ich haben zu unserer Hochzeit eine Reise nac ...

Hallo, mein Sohn fast 11 Monate, wurde bisher noch nie fremdbetreut. Gestillt bis 7 Monate, schläft nur mit Einschlafbegleitung in unserem Bett ein und lege ihn dann in sein Bett in unserem Schlafzimmer zum Schlafen. Schläft bis auf wenige Unterbrechungen sehr gut. Sonst sehr fröhlicher und aufgeschlossener Junge, bisher kaum gefremdelt, macht scho ...

Lieber Dr. Posth, mein Sohn (2,4J) ist sehr ängstlich, fürchtet sich teilweise. Viel getragen, bis 1,5J gestillt, kein ferbern, seit Geburt schlafe ich im Kinderzimmer. Kita (1,6J) mit nur 1:2,5. Eingewöhnung sanft, 6 Wochen. Klappte gut, bis Gruppe größer wurde. Geht 3 h täglich hin. KV beschäftigt sich erst seit unserem Auszug vor 9 Mon. intensiv ...

Hallo, mein 17 mo alter sohn, sehr temperamentvoll, nie schreien gel, sehr anhängl., schläft bei uns im eig. Bett, lange gestillt, laufen u zahnen ab 11 mo, wurde bis auf 1x von oma noch nie fremdbetreut. gehen 1x die wo gemeinsam krabbelgruppe, 1x wo zur spielsgruppe (jew. 2 std). gehe in 4 Mo wieder arbeiten, 2 Vormittage die Wo. Suche eine Kripp ...

Sehr geehrter Dr. Posth, ich weiß, die Fremdbetreuung im zweiten Lebensjahr ist nicht ideal, aber wenn sie notwendig ist, ist es dann besser, das Kind jeden Tag zur Kita zu bringen, wie es viele Erzieherinnen befürworten (Regelmäßigkeit, Trennungsschmerz beginnt nicht immer aufs Neue) oder sollte man es nur an den tatsächlich benötigten Tagen hinb ...

Sehr geehter Dr. Posth,vielen Dank für ihre letzteAntwort zurBindungstheorie.Mir stellt sich noch immer grundsätzlich dieFrage, ob jedes Kind, welches in die frühe Fremdbetreuung ohne wirklich sanfte Ablösung"muss",eine unsichere Bindung entwickelt?Ich gehe eigentlich davon aus, im ersten halbenJahr alles für eine sichereBindung für meineKinder get ...

Sehr geehrte Frau Henkes,  Unsere Tochter (erstes Kind) ist mittlerweile 6,5 Monate alt und normal entwickelt auch bei der letzten U-Untersuchung war alles normal. Sie wird gestillt +Beginn Beikost seit 3 Wochen Mittagsbrei und schläft im Familienbett neben mir (nicht in der Mitte). Sie ist insgesamt ein sehr fröhliches und aufmerksames Baby. ...

Hallo Frau Henkes, Mein Sohn soll mit 2 Jahren, an 2 Tagen in der Woche zu einem Tagesmutter Verein.  (Höchstens 9 Kinder, 2 Tagesmütter und 4,5 Std an zwei Tagen die Woche) Ich habe ihn dort angemeldet weil er privat kaum Kontakte zu gleichaltrigen hat.  Alle, wirklich alle Kleinkinder aus der Krabbelgruppe die wir in seinem 1 Lebensj ...

Guten Abend! Meine Tochter ist jetzt 5 3/4 Jahre alt und wir haben eigentlich immer schon große Probleme gehabt, sie "allein" eine Aktivität machen zu lassen. Das Abgeben im Kindergarten klappt meistens recht gut, aber alles andere ist eine Katastrophe mit Weinen, Klammern, anflehen, dazubleiben. Den Schwimmkurs haben wir nach 20 Terminen abgebroc ...