Sylvia Ubbens

Wahrnehmungsstörungen, Hochbegabung oder Autismus?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo,

unser Sohn war schon immer etwas "anders" als andere Kinder. Er hat z.B. im ersten halben Jahr nicht viel gelacht und die Leute immer angestarrt und konnte sich noch nie lange alleine mit seinen Spielsachen beschäftigen. Andere Dinge, wie Naturmaterialien (Steine, Holz, Erde usw.) interessieren ihn sehr und damit beschäftigt er sich auch lange mit. Auch malt und singt er gerne und ist an sich ein lustiges Kind, wenn auch viel unzufrieden, weil er oft nicht weiß, was er mit sich anfangen soll. Er ist im Dezember 5 geworden. Im Kindergarten hat es über ein Jahr gedauert, bis er sich erst mit einem Mädchen und dann noch mit einem Jungen befreundet hat. Er stellt immer viele Fragen zu allen möglichen Themen, wie Natur, Architektur, Tod, Tieren etc. und kann sich auch viele Dinge merken. So singt er z.B. ein 6-7 strophiges Lied auswendig, neben anderen Liedern, die er auch immer sehr schnell inne hat. Da er zuhause oft gelangweilt ist (im Kindergarten übrigens auch, aber da fällt er nicht auf, da er sich dann mit seinem Freund/Freundin beschäftigt), auch wenn ich ihm Dinge vorschlage, die er machen könnte, möchte er das nicht und fängt dann irgendwann an, mit seinem Bruder fangen zu spielen und dann irgendwann ärgert er ihn. Er verhält sich auch in manch anderen Situationen "komisch" und schreit dann z.B. laut, wenn ich ihn im Kiga abhole und ihn nicht sofort in ein Gespräch verwickel. Ich hatte diese Verhalten schonmal mit der Kinderärztin angesprochen, aber die sagte, dass halt jedes Kind anders ist. Ich würde aber gerne einige Dinge abklären lassen, weil ich Gewissheit haben will, entweder, dass er "nichts hat" oder dass wir vielleicht in einigen Dingen anders handeln müssen und ihn mit anderen Dingen beschäftigen müssen, damit er zufrieden ist. Wie kann ich da am besten vorgehen? Was können Sie raten?

Vielen Dank!

von LittleM am 09.05.2017, 10:20 Uhr

 

Antwort auf:

Wahrnehmungsstörungen, Hochbegabung oder Autismus?

Liebe LittleM,

meine Vorrednerin hat im Grundsatz schon geantwortet, wie ich geantwortet hätte. Aus dem Grund bleibt diese Antwort kurz. Auch mein Tipp: Lassen Sie sich einen Termin im Sozialpädiatrischen Zentrum geben. Von hier aus klingt es tatsächlich erst einmal so, als wenn es sich bei Ihrem Sohn um ein ganz normal entwickeltes fünfjähriges Kind handelt.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 10.05.2017

Antwort auf:

Wahrnehmungsstörungen, Hochbegabung oder Autismus?

Oha, da hast Du aber ein paar ziemlich beeindruckende Selbstdiagnosen aus dem Internet hergeleitet...! Wenn man selbst recherchiert, findet man ja immer ein paar zutreffende Merkmale bei den unterschiedlichsten Diagnosen. Der Grund dafür ist ganz einfach: Die meisten Störungen oder Besonderheiten beinhalten Merkmale, die auch bei jedem "normalen" Kind vorkommen, bei der Störung aber ins Extreme gesteigert sind. Einzelne Kriterien einer Störung entdeckt man daher auch bei gewöhnlichen Kindern - lediglich ihr Ausmaß entspricht nicht einer tatsächlichen Diagnose.

Eine Hochbegabung wird so früh noch nicht zuverlässig diagnostiziert. Was Du beschreibst, klingt einfach erstmal nach einem klugen, interessierten Kind. Meine Kinder stellten in diesem Alter auch schon tiefe Fragen, hatten eine sehr gute Artikulationsfähigkeit und konnten ihre Lieblingslieder auswendig. Trotzdem sind sie nicht hochbegabt.

Vermutlich bist Du auch noch keinem autistischen Kind begegnet, sonst kämest Du nicht auf diesen Verdacht. Bei Deinem Sohn sehe ich keine Spur von Autismus. Eine Wahrnehmungsstörung zeigt sich z. B. darin, dass ein Kind auf gesprochene Aufforderungen der Erzieherinnen nicht reagieren kann. Oder im körperlichen Bereich: dass es ständig aneckt, Dinge versehentlich umwirft und sich oft (!) stößt.

Wenn er beim Abholen aus dem Kiga schreit, ist er vielleicht vom stundenlangen Trubel und Lärmpegel etwas überreizt, das geht vielen Kindern so. Und das Schreien ist seine Form, Unmut oder Frustration auszudrücken, auch das ist ja nicht ungewöhnlich. Meine eigene Tochter war zeitweise eine kleine Weltmeisterin in Sachen schrilles Wut-Schreien. Es war eine Phase, die von selbst verging.

Da Du aber sehr besorgt bist, mach' einfach einen Termin in einem Frühförderzentrum oder Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) aus, eines von beiden gibt es in jeder Region. Dort untersucht ein Team aus Experten (Kinderärzte, Ergotherapeuten, Logopäden) ein Kind und stellt eine echte Entwicklungsstörung zuverlässig fest. In diesen Zentren wird zugleich auch gefördert oder unterstützt, sofern dies nötig ist. Ich vermute aber - ganz ehrlich - dass Dein Sohn ein ganz normales, kluges, sensibles und etwas zurückhaltendes Kind ist. (Ich vermute, er ist Dein erstes Kind? Man hört ein wenig die Über-Besorgnis und die fehlende Erfahrung...)

LG

von Bonnie am 09.05.2017

Antwort auf:

Wahrnehmungsstörungen, Hochbegabung oder Autismus?

Hallo Bonnie,
danke für deine Antwort.

Ich habe eine Freundin mit einem Sohn, der Asperger hat. Dies ist ja eine Form des Autismus und ich dachte in diese Richtung. Eine andere Freundin von mir arbeitet mit Asperger-Kindern und hat mir schon mehrfach gesagt, dass mein Sohn Anzeichen hat, aber auch in anderen Bereichen "normal" ist, also für Asperger. Deswegen gehe ich davon erstmal nicht aus. Und ja, er ist unser erstes Kind, aber wir haben auch einen zweiten Sohn (2,5 Jahre), der das komplette Gegenteil ist. Deswegen ist unser Großer nochmal auffälliger, im Vergleich.

Ich habe auch nicht gedacht, dass er hochbegabt sein könnte, aber eine Arbeitskollegin sprach letztens von ihren beiden Töchtern und erklärte mir, dass hochbegabte nicht immer diejenigen sein müssen, die schon vor der Schule lesen und schreiben können und man kann die Tests schon ab 5 Jahren machen.

Für eine körperliche Wahrnehmungsstörung hat viel gesprochen, da er ständig über seine eigenen Füße gefallen ist, überall angestoßen ist usw. Aber das ist jetzt auch wieder besser geworden.

Die Wutschreie beim Abholen im Kiga dauern nun schon mindestens 1,5 Jahre an. Da kann ich nicht wirklich von einer "Phase" sprechen. Auch wenn ich ihn hinbringe, verhält er sich so, als ob er den ersten Tag dort wäre. Ist stocksteif, wie gelähmt, ist gebannt von der Umgebung und den Kindern und schafft es kaum, sich umzuziehen. Er kommt auch schwer mit Situationswechseln zurecht. Muss sich erst neu einfinden und ist "schüchtern" (sagt er selbst).

Da ich nur ein paar Gleichaltrige kenne, weiß ich eben nicht, ob das "normal" in dem Alter ist, oder nicht. Ich werde (auch im Kiga) nur immer so komisch angesehen, wenn er sich anders verhält, als ob er nicht normal sei.

von LittleM am 09.05.2017

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