Sylvia Ubbens

Hochbegabung, die Lehrerin informieren?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Sehr geehrte Frau Ubbens,

Meine Tochter (wird im Juli 6 Jahre alt) und kommt im September zur Schule wurde aufgrund von Empfehlungen des Kindergartens auf hochbegabung getestet. Es ist dabei raus gekommen dass sie tatsächlich hochbegabt und sehr sensibel ist. Im Kindergarten fiel sie schon immer aufgrund ihrer Sensibilität auf und das sie in einigen Punkten weiter ist kognitiv..

Ist es klug, die Schule vorab darüber zu informieren? Oder sollte man erstmal abwarten? Der kinderpsychiater riet uns, es der Schule mitzuteilen und unser kinderarzt sagt es lieber nicht zu sagen...

Liebe Grüße und danke

von mallex am 05.06.2019, 13:12 Uhr

 

Antwort auf:

Hochbegabung, die Lehrerin informieren?

Liebe mallex,

warten Sie gerne ab. Lassen Sie sich die Lehrer ein eigenes Bild machen. Haben Sie nach einigen Wochen das Gefühl, dass Ihre Tochter "Unterstützung" braucht, weil sie unterfordert ist oder ihre Gefühle/Sensibilität nicht wahrgenommen wird, suchen Sie das Gespräch.

Sagt Ihr Bauchgefühl, dass Sie vorab mit der Schule sprechen möchten, wird es auch nicht schaden.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 06.06.2019

Antwort auf:

Hochbegabung, die Lehrerin informieren?

Ohne euch zu nahe treten zu wollen - die Testung auf HB in dem Alter ist eine Ist-Zustand-Testung, die nicht heißt, dass dieser "Zustand" ein lebenslanger bleiben wird. Oft wird vor Schuleintritt gar nicht so konkret von HB gesprochen.
Ich kann daher verstehen, das die Meinungen über Schule informieren ja/nein unterschiedlich ausfallen.
Hat sie eine allgemeine HB oder eine Teil-HB? Habt ihr selbst den Eindruck bzw wisst, dass sie bereits jetzt dem Schulstoff der 1. Klasse weit voraus ist? Also bereits flüssig lesen kann, schreiben, rechnen deutlich über den 10er-Bereich hinaus?
Wenn nicht, würde ich es vermutlich nicht sagen, sondern erst mal abwarten, wie sich die Einschulung und der Schulalltag so für sie gestaltet. Habt im Kopf, dass ihr eurer Tochter damit eben nicht nur einen Gefallen tut, sondern ihr auch eine Art "Stempel" aufdrückt und sie evt. einem recht hohen Erwartungsdruck aussetzt. Nicht alle Hochbegabten sind auch gleichzeitig sozial so weit, das Schule für sie ein Klacks ist oder in der 1. Klasse bereits stofflich allen meilenweit voraus.
Wie äußert sich denn ihre Sensibilität? Hat sie Probleme in größeren Gruppen, mit Lautstärke etc? Oder äußert es sich eher darin, dass sie sozusagen "empfindlich ist", wenn es um Meinungsverschiedenheiten geht, bestimmte Dinge nicht so gemacht werden können, wie es für sie angenehm wäre?
Das Ding ist nämlich: sensibel sein wird nicht dazu führen, dass die Schule sich ihr anpassen kann und darauf ständig Rücksicht nehmen kann. Ein guter Lehrer wird natürlich in gewissem Maße Rücksicht nehmen - aber er wird die grundsätzlichen Gegebenheiten nicht auf ein Kind anpassen können. Wie zB Klassengröße und dadurch Lärmpegel.
Wenn ihr eure Tochter so sensibel einschätzt, dass sie da viel Rücksichtnahme benötigt oder ein bestimmtes Umfeld, würde ich - wenn möglich - mich bzgl. der Schule generell gut informieren/entscheiden. Klassengröße, Unterrichtskonzept etc.
Dann macht es nämlich einen großen Unterschied, ob 22 Kinder in der Klasse sind oder 30.
Wir sind an einer Montessori-Schule und in der Klasse unseres Kindes sind 2 "Überflieger". Auf Grund des pädagogischen Konzeptes klappt das aber sehr gut. Ebenso wie das individuelle Eingehen auf sehr sensible Kinder oder auch Kinder mit Förderbedarf.
Ob ihr die Schule informieren solltet, wird euch keiner mit Bestimmtheit sagen können. Das werdet ihr letztendlich selbst entscheiden müssen indem ihr die Vor- und Nachteile für eure Tochter abwägt.
ich bin aber gespannt, wie Frau Ubbens das sieht.

von cube am 05.06.2019

Antwort:

Nachtrag

Das wäre natürlich etwas anderes, wenn ihr eh eine Schule habt, die sich explizit mit dem Thema HB auskennt/darauf spezialisiert ist. Dann natürlich sagen - dafür ist die Schule ja auf diese Thematik spezialisiert oder zumindest erfahren.

von cube am 05.06.2019

Antwort:

Noch nicht, weil...

Es gibt ja im Kiga-Alter sehr hohe Schwankungsbreiten zwischen den einzelnen Kindern. So früh ist ein Test auf Hochbegabung daher noch nicht sehr aussagekräftig, weil diese Schwankungen bei der Entwicklung sich in der Schule oft noch relativieren oder angleichen.

Ich persönlich würde daher schweigen. Sonst gibt es zum einen hohe Erwartungen an Deine Tochter - und zugleich Enttäuschung, falls sie diese doch nicht erfüllen kann. Sie wird dann unter Umständen sogar negativer eingeschätzt als ein Kind, das nie als hochbegabt angekündigt wurde. Das ist einfach Psychologie und passiert unbewusst und ohne Absicht.

Sollte sich die Begabung in der Schule tatsächlich auffällig fortsetzen, kann man - im Verlaufe der Grundschulzeit - ein zweites Mal testen lassen. DANN ist es natürlich wichtig und richtig, das mit der Lehrerin/dem Lehrer gemeinsam zu entscheiden und es hinterher auch offen zu kommunizieren.

LG

von Hexhex am 05.06.2019

Antwort auf:

Hochbegabung, die Lehrerin informieren?

Ganz wichtig, bereits zum jetzigen Zeitpunkt Kontakt zur Schulleitung und der zukünftigen Klassenlehrerin aufzunehmen und die weitere Vorgehensweise mit denen besprechen. Wichtig ist, dass sich die zukünftige Klassenlehrerin, sofern sie keine Kenntnisse von HB hat, damit beschäfigt.
Ganz wichtig: es muss im Vorfeld geregelt werden, dass das Kind keine Langeweile entwickelt und evtö zum Underachiever wird (evtl sogar Schulverweigerer). Beispielhaft: keine Hausaufgaben, keine ständigen Wiederholungen (extreme Unterforderung des HB Kind) des Stoffs für das Kind, Zeichen mit der Lehrerin ausmachen, wenn das Kind nicht drangenommen wird (Kopfnicken usw). Das Kind darf Zusatzhefte mit in den Unterricht nehmen usw.

Sollte das HB Kind bereits im Kindergarten Probleme im sozialen Bereich haben, sollte man erwägen, eine auf HB spezialisierte Grundschule zu suchen (selbst mit der Mehraufwand Fahrtweg). Das Kind wird sich schwer tun, mit anderen Kindern auf Augenhöhe zu kommunizieren (völlig unterschiedliche Interessen) und dies wird sich in der Schule fortsetzen. Sollten sich diese Probleme nicht in der KiTa gezeigt haben, würde ich es auf einen Versuch in der Grundschule ankommen lassen.

Ganz wichtig: besucht HB Förderstellen und sucht euch einen HB Coach für das Kind, damit es Strategien entwickelt, wie es mit der Unterforderung umgeht (nicht erst, wenn die Unterforderung aufgetreten ist).

Versucht außerhalb der Schule die Förderung vorzunehmen (ob Musik, Sport, Mathe usw).

Sollte es einen Schulpsychologen geben, nehmt diesen mit ins Boot (und den Begabungsdiagnostiker).

Es gibt noch viel mehr, was ich schreiben könnte. Aber ich muss jetzt weg.

von Briefkopf am 06.06.2019

Antwort auf:

Hochbegabung, die Lehrerin informieren?

Ich verstehe, das du bestimmte Erfahrungen mit HB-Kindern gemacht hast. Ich finde es aber nicht ok, diese persönlichen Erfahrungen auf jedes Kind mit HB zu übertragen. Keine Hausaufgaben, keine ständigen Wiederholungen - du weißt doch gar nicht, wie das Kind der Fragestellerin in der Schule zurecht kommen wird. Tatsächlich würde ich als Schule mir verbitten, dass Eltern mir vorschreiben, dass mein Kind keine Hausaufgaben machen darf, weil ... Oder das es selbstverständlich Zusatzhefte bekommen muss.
HB ist nicht bei jedem Kind gleich. Weil Kinder - ob mit oder ohne HB - eben unterschiedlich sind.

von cube am 06.06.2019

Antwort auf:

Hochbegabung, die Lehrerin informieren?

Meine Kinder sind hochbegabt und ich habe sehr viel Kontakt zu betroffenen Eltern und auch in unserer FB Gruppe sieht man die Probleme im Schulalltag. Ich kenne mich auch mit der Materie aus. Wenn die Schulleitung sich mit der Thematik durch Fortbildung auskennt, sind die o.g. Punkte selbstverständlich. Es muss alles daran gesetzt werden, die Unterforderung des HB Kindes zu verhindern.

von Briefkopf am 06.06.2019

Antwort auf:

Hochbegabung, die Lehrerin informieren?

Da man hier die Beiträge nicht ergänzen kann. Ich habe während der Elternzeit ein Regionalverein des DGhK eV mitgegründet und dort 2 Jahre lang ehrenamtlich beratend tätig, bevor ich wieder in meinen Beruf zurückgekehrt bin.

von Briefkopf am 06.06.2019

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