Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Tochter 11 Monate Essensplan.

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Guten Tag, meine 11 Monte alte Tochter möchte momentan ihren Brei nicht essen. Nach wenigen Löffeln möchte sie nicht mehr. Ich habe das Gefühl sie möchte was richtiges Essen. Gestern habe ich ihr ein Butterbrot essen lassen,dass ging sehr gut. Heute habe ich Avocado Creme für das Brot zubereitet. Mal sehen,ob sie es isst. Und Nudeln mit Zucchini,Möhren und Paprika. Was kann ich ihr Kochen? Sie bekommt morgens und abends zum Einschlafen Pre Milch. ANSONSTEN hatte sie bisher Mittags einen Milchbrei und nachmittags einen Dreikorn Brei. ABENDS dann ein Gläschen mit Fleisch und Gemüse. ABENDS KANN SIE bei uns mit essen,natürlich ohne Salz. Aber was kann sie den Rest des Tages essen?

von Waumau am 15.02.2021, 13:03 Uhr

 

Antwort auf:

Tochter 11 Monate Essensplan.

Hallo Waumau
deine Tochter ist bereit für die Familienkost. Du hast darauf bereits schon reagiert und Brot, Nudeln und andere Speisen angeboten. Diese hat deine Tochter mit großer Begeisterung gegessen.
Du kannst jetzt genau so weitermachen. Biete deiner Tochter den gewohnten Brei an und ergänze mit geeigneten Speisen vom Familientisch. Ergänze, wenn du magst, auch andere und sämtliche breifreie Speisen, damit deine Tochter Vielfalt kennenlernen kann.
Dazu darfst/kannst du Pre-Milch nach Bedarf anbieten.
Bei der Familienkost geht es um das eigenständige Entdecken von Lebensmitteln und gleichzeitig um das Dabeisein am Familientisch. Bei den breifreien (babygeeigneten) Angeboten darf dein Baby unter Aufsicht, aufrecht sitzend, einfach spielerisch zugreifen und das Essen mit allen Sinnen wahrnehmen. Das Zugreifen bedeutet ein erstes Begreifen, d.h. ganzheitliches Erleben. Dein Baby wird die Nahrung mit den Händen (be)fühlen und erste Sinneseindrücke wahrnehmen - bspw die Konsistenz, die Temperatur u.a. Dann wird sie sich das Stückchen zum Mund führen und ggf in den Mund nehmen. Darum muss das angebotene Essen gefahrenfrei kau- ess - und schluckbar sein.

breifrei = das Baby bekommt anstatt eines gefütterten Breies die Möglichkeit sich selbständig mit Brei und/oder breifreien Angeboten zu füttern.

Jetzt kannst du das Speisenangebot erweitern. Du kannst dabei ähnlich vorgehen wie bei den Breien - d.h. du kannst verschiedene Zutaten in einer breifreien Variante ganz basically anbieten. Bspw weich gegarte Gemüsestücke, Kartoffelspalten, Obst, Fleisch - alles ganz basic ohne weitere Zusätze. So kann dein Baby Farben und Form, Konsistenz, Geschmack erleben.
Und du kannst einfache Famnilienspeisen so modifzieren, dass dein Baby diese gefahrenfrei mitessen kann.
Macht die gemeinsamen Mahlzeiten zum Erlebnis. Farbenvielfalt, verschiedene Gerüche, die sich schon beim Kochen in der Wohnung verteilen,
Die Kost sollte stets so aufbereitet sein, dass sie dein Kind ohne "Gefahr" essen kann. Häufiges Verschlucken sollte vermieden werden. Richte dich hier ganz nach den Bedürfnissen von deinem Kind.
Indem deine Tochter die Nahrung auf eigene Faust erkunden kann, wird sie vorsichtig und langsam, in ihrem Entwicklungstempo bald gut mitessen. Du kannst die Speisenauswahl vielseitiger gestalten und deine Tochter querbeet das mitessen lassen, was ihr üblicherweise esst. Das ist eure Familienkultur - eure Familientradition. Daran sollte sich euer Kind langfristig gewöhnen. Manche stark gewürzte Speisen (bspw Sossen) kannst du im Geschmack abmildern. Gib dafür bspw Gemüsemus dazu oder Wasser. Dein Baby bekommt trotzdem einen Hauch Geschmack vom typischen Aroma, eine Ahnung davon und das hilft langfristig die Toleranz für den Geschmack zu entwickeln. Wenn es ihr schmeckt, wird sie mehr haben wollen.
Wichtig sind jetzt im Wesentlichen regelmäßige, möglichst gemeinsam erlebte Mahlzeiten, mit einem vollwertigen und ausgewogenen Speisenangebot. Vermittle deinem Kind eure Esskultur mit allem und Drum und Dran, so kannst du sie zu einem guten, vielseitigen und genussreichen Esserin erziehen.
Der Fokus liegt ab jetzt besonders bei Geschmack und neuen Eindrücken, Gemeinsamkeit bei Tisch, Esskultur., das Erleben neuer und auch einmal aussergewöhnlicher Geschmackserlebnisse. Die Basis bleibt vorerst eine verlässliche Auswahl an Speisen und dazu kommen die Möglichkeiten. den Speiseplan zu erweitern.

Biete deinem Kind einen bunten Mix an Möglichkeiten zum eigenständigen, spielerischen Entdecken an. Lass dein Kind möglichst viele neue, interessante und leckere Esserfahrungen machen. .... kauen, beißen, knabbern, ....
Biete deinem Kind Geschmack und verschiedene Konsistenzen.
Biete deinem Kind eine altersentsprechende, ungefährliche, vollwertige Kost.
Esst gemeinsam und biete deinem Kind beim Essen eine liebevolle Begleitung und Unterstützung, wenn Hilfe benötigt wird.

Möglichkeiten für Obstsnacks:
fein geriebener (roher) oder selbst gemachtes Apfelmus.
Banane am Stück, in Stückchen geschnitten oder zerdrückt zum Löffeln.
Weiche Birne in Stückchen ist ideales Fingerfood.
Presse einen Saft aus frischen (unbehandelten Mandarinen (Clementinen oder was auch immer). . Den milden Saft wird deine Kleine lieben. Orangenfilets, Mandarinenfilets sind auch geeignet.
Melone ggf auch Papaya oder (Bio-)Mango, sowie zerdrückte Heidelbeeren, Avocado oder Kiwi, geviertelte, kernlose Trauben - all das ist möglich.

Bananenküchlein:
1/2 Banane mit der Gabel zerdrücken, 1 Ei verquirlen. Mischen, in heissem Öl in einer Pfanne ca 4-5 kleine Pfannküchlein backen. as geht besonders gut in einer beschichteten Pfanne mit etwas Kokosöl.

Waffel(stückchen) als Fingerfood:
1 Ei verquirlen, mit ca 80g Kürbismus oder Apfelmus (Gläschen oder selbstgemacht) und ca 1 EL (Raps)Öl sowie 200 ml Haferdrink (oder Reisdrink/Mandeldrink) und ca 100g Dinkelmehl (Type 1050) VERRÜHREN und quellen lassen.
Waffeln backen.


Was hast du für heute mittag geplant? Bereite die Familienkost so zu, dass dein Baby diese gefahrenfrei mitessen kann. Lass sie selbst ausprobieren und zugreifen. Das Essen befühlen, schmecken usw.

Für die Vollständigkeit noch dieses:
!!!
Achtung: niemals(!!!) harte Lebensmittel wie rohe Apfel/Möhrenstücke, trockene ungekochte Nudeln, Gummibärchen, Nüsse, Kerne, Saaten etc etc geben.
!!

Hier sind noch ein paar Anregungen für geeignete breifreie Kost:
Cousousbällchen:
koche Kartoffeln und stampfe sie. Füge etwas Butter zu.
Gare Couscous. Vermische die gestampften Kartoffeln mit etwas Coucous und forme daraus für dein Baby gut handhabbare Kugeln. Fertig ist das breifreie Fingerfood.
Im Bild im Anhang siehst du zwar eine Couscousbällchen, aber eine Variante aus einer schlicht gestampften Kartoffel, welche anschließend zu kleinen Kugeln geformt sind. Es ist ein Brei, welcher für die Übergangsphase breifrei serviert wird.


Apfel-Banane-Haferkekse:
1/2 Banane zerdrücken, 2 Stücke Apfel geschält, fein reiben,
1 TL Rapsöl
1 TL Kokosmehl
alles vermischen
30g Haferflocken zufügen
Zimt zugeben,
alles vermischen
und Kleckse auf ein Backblech geben, flach drücken
die Masse hat eine klebrige Konsistenz und lässt sich mit Hilfe von Löffeln auf einem Backblech platzieren.
backen bei 180- 200 ° C vorgeheizt , ca 15 min, bis außen knusprig. Ggf länger backen.


Kartoffelwolken:
160g gekochte (Salz-)Kartoffeln
30 ml Öl
2 Eier
100g Schmand (oder saure Sahne/Creme Fraiche)
80g Mehl
1 Msp Backpulver
aus den Zutaten einen Teig (mit dem Handrührgerät) mixen.
Den Teig in kleinen Klecksen auf ein Backblech (Backpapier/Backmatte) geben uund bei 180° ca 20 min bis sie gar sind, backen.


Also dann
viel Spaß
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 16.02.2021

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